Festival im Ostrachtal

"Ein Ort wird Musik" verbindet in Bad Hindelang Klassik, Sagen, Kulinarik

Auch Rinder hören offenbar gern Musik: Geiger Florian Meierott auf einer Wanderung durchs Ostrachtal beim Festival „Ein Ort wird Musik“.

Auch Rinder hören offenbar gern Musik: Geiger Florian Meierott auf einer Wanderung durchs Ostrachtal beim Festival „Ein Ort wird Musik“.

Bild: Bad Hindelang Tourismus/Wolfgang B. Kleiner

Auch Rinder hören offenbar gern Musik: Geiger Florian Meierott auf einer Wanderung durchs Ostrachtal beim Festival „Ein Ort wird Musik“.

Bild: Bad Hindelang Tourismus/Wolfgang B. Kleiner

Das Bad Hindelanger Festival mit Geigenvirtuose Florian Meierott findet wegen der Corona-Pandemie in reduzierter Form statt. Das Programm ist von sagenhaften Geschichten inspiriert.
06.10.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Drei Tage lang wird Bad Hindelang wieder zu einem „Ort der Musik“, etwas verkürzt wegen der Corona-Pandemie. Den Auftakt bildet ein Abend in der Pfarrkirche „St. Johannes Baptist“ in Bad Hindelang: Florian Meierott (52), der Gründer und Leiter des Festivals, wird die sechs Solosuiten von Bach für Violoncello auf drei verschiedenen Instrumenten interpretieren. Beim Festabend (mit Vier-Gänge-Menü) im „Prinz-Luitpold-Bad“ wird Meierott aus seinem Buch „Die Silvanerprinzessin“ lesen und mit klassischen Melodien begleiten. Auf dem „langsamsten Wanderweg der Welt“ zum „Wildfräuleinstein“ nimmt auch Mundartautorin Cornelia Beßler teil, die eigene Texte vorträgt. Florian Meierott lässt sich derweil musikalisch inspirieren. An die Wanderung schließt sich ein Drei-Gang-Menü in den Hintersteiner Stuben an. Für Florian Meierott ist es in diesem Jahr ein besonderes Festival wegen Corona: „Es ist ein sehr wichtiges Signal, dass es stattfindet. Die Welt wird in allen Bereichen umgebaut, da ist es wichtig, dass wir uns nach wie vor für Natur, Kultur und Kommunikation einsetzen. Bad Hindelang hat da mehr Chancen, das zu erhalten, als eine Großstadt, weil wir hier flexibler sein können vom Konzept her.“ Mit Florian Meierott sprach Veronika Krull über das Programm.

Literatur und Sprache spielen heuer eine wichtige Rolle bei dem Festival. Warum?

Florian Meierott: Wir versuchen immer, ein Thema zu finden. Letztes Jahr war es „Die Welt zu Gast in Bad Hindelang“. Diesmal ist es die Literatur. Cornelia Beßler macht mit, darauf freue ich mich schon sehr. Ich selber werde aus meinem Buch „Die Silvanerprinzessin“ vorlesen, das passt alles zu der Situation.

Am Festabend werden Sie ein von Ihnen erdachtes Märchen präsentieren. Um was geht es?

Meierott: Silvana ist die Tochter des Königs der Weinelfen, die sich in einen schmucken Bürgermeistersohn verliebt und so zu den Menschen kommt. Sie erlebt schlimme Situationen und rettet dann das Frankenland, meine Heimat, von einer schlimmen Bedrohung, muss dafür aber einen hohen Preis zahlen. Das Buch ist seit Februar auf dem Markt, ich mache ja auch sonst Lesungen, zum Beispiel mit Texten von Thomas Mann. Hier habe ich dann mal mein eigenes Projekt. Und es passt ins Hotel Prinz-Luitpold-Bad: Herr Gross macht ja auch Wein.

Bei Märchen denkt man an Kinder. Haben Sie das Buch für Ihre Kinder geschrieben?

Meierott: Es ist wirklich ein Märchen für Erwachsene. Es geht um Angst, wenn das Böse kommt, es ist schon gruselig. Es geht um die Natur, und, das ist sehr aktuell, wie man den ganzen Weinbau gentechnisch verändern kann.

Mit welcher Musik begleiten Sie die Erzählung?

Meierott: Das sind Stücke von mir, von Paganini und Mozart, was so in den Kontext passt. Musikalisch gehen mir die Ideen nicht aus.

Der Sprache wird auch beim „langsamsten Wanderweg“ gehuldigt: Sie werden begleitet von Cornelia Beßler. Welche Beiträge steuert sie bei?

Meierott: Sie wird einige Texte vortragen. Das finde ich immer toll, das ist ja unser Ansatz, lokale Beiträge zu bringen, Beiträge von außen und innen. Das ist in der heutigen Zeit wahnsinnig wichtig: Die Leute haben das Bedürfnis zu kommunizieren. Ich mache eine ornithologische Führung und bin für den musikalischen Anteil zuständig.

Den Auftakt bilden die sechs Solosuiten für Cello von Bach. Sie haben sie für drei Instrumente bearbeitet. Was ändert sich dadurch am Charakter?

Meierott: Der Bach ist ja eine so gute Musik. Da kann man das gut ma-chen. Die Viola pomposa ist eine Geige, die man sich mit Mühe und Not unters Kinn klemmen kann, sie ist quasi ein Babycello. Die Bratsche hat eine Cello-Ähnlichkeit, und dann spiele ich noch auf der Geige. Drei verschiedene Instrumente bedeutet, dass Bach dreimal in verschiedenen Gewändern erscheint. Es ist ein kurzweiliger Abend für Bach-Liebhaber. Es wird interessant durch immer neue Instrumente. Bach hat ja die perfekteste Musik geschrieben, die jemals komponiert wurde. Albert Schweitzer hat mal gesagt: Das ist kein Bach, sondern ein Meer.

Werden Sie Auszüge aus den jeweils etwa halbstündigen Suiten spielen?

Meierott: Ich spiele die komplett, aber nicht alle Wiederholungen. So bleiben wir bei etwa einer Stunde, was ja den Corona-Auflagen ent-spricht. Das wird ganz wunderbar.

Das Festival „Ein Ort wird Musik“ findet vom 9. bis zum 11. Oktober in Bad Hindelang statt. Karten gibt’s bei der Gästeinformation Bad Hindelang, Telefon 08324/892-0, für die Wanderung (ohne Menü) auch direkt vor Ort.