Ballett-Nachwuchs aus dem Allgäu

Ein Tanztalent aus Niedersonthofen will auf die große Bühne

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„Es ist mega“: Der 19-jährige Benjamin Dinnebier aus Niedersonthofen hat einen der begehrten Studienplätze für Tanz an der Folkwang-Universität der Künste in Essen erhalten.

Bild: Mareike Meier

„Es ist mega“: Der 19-jährige Benjamin Dinnebier aus Niedersonthofen hat einen der begehrten Studienplätze für Tanz an der Folkwang-Universität der Künste in Essen erhalten.

Bild: Mareike Meier

Das Studium an der renommierten Folkwang-Universität ist für den 19-jährigen Benjamin Dinnebier aus Niedersonthofen der erste Schritt zum Traumberuf Tänzer.
28.09.2021 | Stand: 19:03 Uhr

„Es ist mega, dass mein Traum jetzt Wirklichkeit wird“, schwärmt Benjamin Dinnebier. Der 19-jährige Niedersonthofener beginnt zum Wintersemester ein Tanzstudium an der renommierten Folkwang-Universität der Künste in Essen.

Schon als kleines Kind hat er so viel getanzt, dass ihn seine Mutter mit vier Jahren bei der Tanzfabrik Sonthofen zur Früherziehung angemeldet hat. Seine damalige Tanzlehrerin hatte ein gutes Händchen für Kinder und förderte sie ihrem Alter entsprechend spielerisch, erinnert sich Benjamin. Daher wurde seine eigene Begeisterung für die rhythmischen Bewegungen geschürt.

Als im Schuleintrittsalter die Wahl des Tanzkurses anstand, entschied er sich für Commercial und nahm später mit Contemporary noch eine sehr offene Tanzrichtung dazu, die von der Technik zwar die Grundformen des Balletts enthält, in den Bewegungen aber sehr frei ist. Die modernen Stile haben es Benjamin Dinnebier besonders angetan.

Vorteil Schlagzeugspielen

„Ich finde es toll, dass ich die Gefühle und Momente, die ich im Kopf habe, durchs Tanzen ausdrücken kann“, sagt er. Während er als Kind noch andere Hobbys wie Jonglage, Diavolo und Parcours betrieb sowie mit dem Schlagzeug sogar an Jugendwettbewerben teilnahm, rückte das Tanzen mit zunehmendem Alter immer mehr in den Mittelpunkt seines Lebens. Das Schlagzeugspielen habe ihm fürs Tanzen sehr viel gebracht und ihn vor allem rhythmisch gut trainiert, erzählt Benjamin Dinnebier. Irgendwann legte er aber die Drumsticks beiseite.

Wechsel zum Hip-Hop

Die Tatsache, dass er als Junge im Tanzunterricht ganz klar der Minderheit angehörte, störte Benjamin Dinnebier als Kind nicht. Mit dreizehn hatte er damit allerdings kurzzeitig ein Problem, wie er einräumt. Zwischenzeitlich hörte der Teenager mit Contemporary auf und wechselte zum Hip-Hop. Mit 14 trainierte Benjamin Dinnebier wieder viel Ballett, weil dies eine hervorragende Grundlage für die tänzerischen Techniken darstelle. In der Regel war er dafür täglich in der Tanzfabrik. In seinem Zimmer montierte er eine Ballettstange.

Blöde Sprüche

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Dass er nur wenige männliche Kollegen hat, empfindet der 19-Jährige mittlerweile als „nicht mehr schlimm“. Allerdings erinnert er sich noch gut an die blöden Sprüche, die er sich vor allem in jungen Jahren wegen seiner Tanzbegeisterung von Schulkameraden anhören musste. Wegen des „schlechten Umfelds“ wechselte er 2012 vom Immenstädter Gymnasium an die Freie Schule Albris und mit vierzehn an die Realschule nach Sonthofen, um näher an der Tanzfabrik zu sein.

"Schule Nebensache"

„Ab dem Zeitpunkt habe ich mich voll aufs Tanzen konzentriert. Die Schule war Nebensache“, gesteht er. Nach dem Realschulabschluss 2019 hatte Benjamin Dinnebier schon damals die Aufnahmeprüfung für eine Tanzschule im Kopf. Trotzdem begann er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Kempten, für das er sein tänzerisches Engagement zurückschrauben musste.

„Klick“ nach der Zwangspause

Beim ersten Training in der Tanzfabrik nach der berufsbedingten Zwangspause folgte für Benjamin Dinnebier „der Klick“: „Nach dieser kurzen Pause habe ich nicht nur gewusst, dass ich mehr tanzen will, sondern auch definitiv, was ich werden will.“ Er brach sein Freiwilliges Soziales Jahr ab, suchte sich einen Mini-Job und gab „Vollgas fürs Tanzen“.

Vier Stunden Training

Vor den Auditions, die Voraussetzung für die Aufnahme eines Tanzstudiums sind, trainierte Benjamin teilweise vier Stunden täglich. Unterstützung bekam er von Teresa Solveig Özkaraman, der Leiterin der Sonthofer Tanzfabrik, die ihm nicht nur ermöglichte, an allen Zoom-Unterrichtseinheiten teilzunehmen, sondern ihm zum Filmen für die Video-Audition sogar ihren Saal zur Verfügung stellte. In Essen schaffte es Benjamin Dinnebier als einer von 120 Bewerbern ins Finale und ist ab dem Wintersemester mit 14 Gleichgesinnten in einer Klasse.

"Wahnsinniger Erfolg"

„Das ist ein wahnsinniger Erfolg, da das eine sehr hochrangige Uni ist“, betont Özkaraman, die äußerst stolz auf ihren Schüler ist. Die 33-Jährige beschreibt Dinnebier als „sehr vielseitigen Tänzer“, streicht sein akrobatisches Geschick und seine Musikalität heraus und glaubt, dass er seinen Weg machen werde.

Theater oder Oper

Ob ihn dieser nach dem Bachelor in Richtung Tanzkomposition oder Tanzpädagogik führen wird, weiß der 19-Jährige noch nicht. Eines steht allerdings fest: „Ich will auf jeden Fall auf die Bühne“, sagt Benjamin Dinnebier und zwar entweder am Theater oder an einer Staatsoper.

Die Tanzfabrik in Sonthofen.

Die Folkwang-Universität der Künste in Essen.

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