Musikschule Kleinwalsertal

Eine Frau der ersten Stunde: Musiklehrerin Koletta Fritz aus Mittelberg

Der Walser Familiengesang Fritz: Theo (links) und Koletta Fritz (rechts) mit ihren Kindern Felix, Gabriel und Nani (von links) beim Weihnachtskonzert im vergangenen Jahr in der Oberstdorfer Pfarrkirche St. Johannes Baptist.

Der Walser Familiengesang Fritz: Theo (links) und Koletta Fritz (rechts) mit ihren Kindern Felix, Gabriel und Nani (von links) beim Weihnachtskonzert im vergangenen Jahr in der Oberstdorfer Pfarrkirche St. Johannes Baptist.

Bild: Archiv Koletta Fritz

Der Walser Familiengesang Fritz: Theo (links) und Koletta Fritz (rechts) mit ihren Kindern Felix, Gabriel und Nani (von links) beim Weihnachtskonzert im vergangenen Jahr in der Oberstdorfer Pfarrkirche St. Johannes Baptist.

Bild: Archiv Koletta Fritz

Die Kleinwalsertalerin Koletta Fritz ist schon als Kind jeden Abend mit Musik eingeschlafen. Sie hat sie zu ihrem Lebensinhalt gemacht und ihre Freude daran nicht nur an ihre Kinder weitergegeben. Was ihr Erfolgsrezept war.
12.12.2020 | Stand: 17:00 Uhr

Sie ist eine Frau der ersten Stunde: Koletta Fritz war seit der Gründung der Musikschule Kleinwalsertal im Jahr 1990 dort als Instrumentallehrerin tätig. Ende des vergangenen Schuljahres trat sie ihren Ruhestand an. Was aber nicht heißt, dass sie nun die Hände in den Schoß legt. Veronika Krull sprach mit Koletta Fritz über ihre lange Zeit an der Musikschule.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Koletta Fritz: Ich wurde als letztes (Näschthocker) von fünf Kindern der Musikerfamilie Wilhelm Fritz in Mittelberg geboren. Somit hatte ich keine Wahl. Das Kinderzimmer von uns drei jüngeren Kindern (Verena, Mathias und ich) lag genau über dem Proberaum meines Vaters. Jeden Abend hatte er Proben in verschiedensten musikalischen Besetzungen: Kirchenchor, Männerchor, Damendreigesang, Stubenmusik, Blockflötenquartett, Cello, Geigen, Gitarre, Klavier, Kontrabass, Harfe, Hackbrett und und und ... Wir Kinder schliefen jeden Abend mit Gesang und Instrumentalklängen ein. Viele der oft geprobten Stücke konnte ich mit vier Jahren bereits auswendig. Dies machte sich mein Vater später zunutze, da er mich stets da einsetzte, wo grad eine Stimme oder wo ein Instrument fehlte. Mit meinem Bruder Mathias und meiner Schwester Verena besteht, solange ich denken kann, eine tiefe musikalische Verbundenheit – mit meinem Bruder Mathias spiele ich schon seit 55 Jahren.

Wann haben Sie entschieden, dass Sie die Musik zu Ihrem Beruf machen wollen?

Fritz: Auch in diese Entscheidung bin ich hineingewachsen, da ich nichts anderes im Kopf hatte. Nach der Mittleren Reife machte ich die Aufnahmeprüfung im Fach Konzertgitarre am Konservatorium Feldkirch, mit Nebenfach Klavier. Kontrabass eignete ich mir im Jazzseminar in Dornbirn an, bei Rolf Aberer. Zu Hause spielte ich außerdem Hackbrett, Okarina und Blockflöte. Die Vielseitigkeit half mir, schnell auf eigenen Beinen zu stehen.

Welche Instrumente außer Gitarre und Kontrabass haben Sie an der Musikschule unterrichtet?

Fritz: Außer Gitarre und Kontrabass habe ich an den Musikschulen Kleinwalsertal und Oberstdorf auch Ukulele, Okarina und Hackbrett unterrichtet. Außerdem habe ich einige Stubenmusik-Ensembles betreut.

Wie hat sich das Schülerverhalten in den Jahrzehnten verändert?

Fritz: Am meisten fällt auf, dass Schüler heute mehr abgelenkt sind. Es fällt schwerer, herauszufinden, welche Musik ihnen liegt oder was sie wirklich wollen. Außerdem ist ihre Freizeit oft so sehr mit sportlichen Aktivitäten durchgetaktet, dass sie kaum Zeit zum Üben finden. Ich hatte jedoch auch Schüler, die gar nicht genug kriegen konnten und auch in den Ferien bei mir aufgetaucht sind. Das hat mich so gefreut, dass ich gerne auch in den Ferien mit ihnen gespielt habe.

Hat sich auch bei den Unterrichtsmethoden etwas getan?

Fritz: Ich selbst habe mich den modernen Zeiten angepasst. Das Motto meiner Schwester Verena – „Hol’ die Kinder da ab, wo sie grad sind“ – habe ich immer ernst genommen. Für die heutigen Unterrichtsmethoden hieß das für die Schüler: Nimm dein Handy raus und nimm das auf, was wir heute gespielt haben, hör es daheim immer wieder an, damit du dich an den Rhythmus gewöhnst. Für die Popgruppe, die Stubenmusikgruppen und Bläserensembles hieß das: WhatsApp-Gruppe gründen, die Stücke, die man einstudieren will, von Youtube nach „mp3“ konvertieren und auf die WhatsApp-Gruppe schicken, damit alle die gleiche Aufnahme haben und mit dieser Aufnahme mitüben können. Dann haben alle denselben Rhythmus drauf, dieselbe Abfolge der verschiedenen Teile, und die wöchentliche Probe klappt viel besser.

Worauf haben Sie bei Ihrem Unterricht besonderen Wert gelegt?

Fritz: Das Wichtigste war für mich immer, dass die Kinder mit Freude bei der Sache sind, und sowohl nach Noten als auch nach Gehör spielen können. Viele Stücke wurden nach Noten gelernt, viele auch nach Gehör. Mit Freude bei der Sache zu sein, bedeutete auch, dass ich mich ihrem Musikgeschmack anpasste. Kein Schüler musste jemals irgendwas spielen, was ihm nicht gefiel.

Was war für Sie der Höhepunkt Ihrer Tätigkeit?

Fritz: Höhepunkte in meiner Tätigkeit waren zweifellos die vielen Wettbewerbe, an denen ich mit meinen Schülern teilgenommen habe. Die schönsten Erinnerungen habe ich an den Volksmusikwettbewerb in Innsbruck, der alle zwei Jahre stattfindet. Es ist im Grunde ein riesiges Volksmusikfest und dauert drei Tage, und die Teilnehmer haben die Möglichkeit, in einer Straßenecke oder in einem Straßencafé in der Stadt aufzuspielen, beim Volksliedsingen und beim Volkstanz mitzuwirken und schlussendlich am Wettbewerb teilzunehmen. Einige Male haben meine Schüler ein „sehr gut“ oder ein „ausgezeichnet“ mit heimgebracht, durften beim Festabend im Innsbrucker Kongresshaus mitwirken, der vom ORF im Fernsehen übertragen wurde, und sie erzählten noch wochenlang von diesen wunderbaren drei Tagen.

Sie werden auch im Ruhestand noch ein wenig als Musiklehrerin arbeiten?

Fritz: Ich werde natürlich weiterhin Musik machen und bin auch weiterhin in geringem Umfang an der Musikschule beschäftigt. Seit ich mehr Zeit habe, beschäftige ich mich mit Arrangements für Bigband, schreibe viel Noten und gestalte Notenbücher. Da meine Kinder auch sehr in der Musik verhaftet sind, werde ich mit ihnen auch wieder intensiver Musik machen. Im nächsten Jahr werde ich auch mehr reisen. Mein Mann ist seit fast zwei Jahren (unterbrochen von ein paar Wochen Heimaturlaub) in Afrika als Arzt in einem Wüstenkrankenhaus tätig, den werde ich dann auch öfter besuchen.