Kunst aus Immenstadt

Eine Immenstädter Malerin wirft den Blick in den Schatten

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„Warum?“ Ölgemälde von Heike Hüttenkofer. Die Ärztin und Malerin aus Immenstadt zeigt im Internet Bilder von „Menschen einer Welt“.

Bild: Foto: Heike Hüttenkofer

„Warum?“ Ölgemälde von Heike Hüttenkofer. Die Ärztin und Malerin aus Immenstadt zeigt im Internet Bilder von „Menschen einer Welt“.

Bild: Foto: Heike Hüttenkofer

Heike Hüttenkofer ist als Ärztin viel in der Welt herumgekommen und hat Brennpunkte erlebt. Ihre ausdrucksstarken Gemälde von Menschen spiegeln die Welt.
15.06.2021 | Stand: 18:49 Uhr

Der Bub blickt den Betrachter fragend an, mit großem Auge, von unten aufschauend: „Warum?“ Das Gesicht des Kindes verbleibt zur Hälfte im Dunkel. So wie zur Gänze die Antwort auf die Frage. Die muss jeder für sich selbst finden, gelenkt von dem naiv-unschuldigen Gesicht des Kindes, das die Erwachsenen dazu anregt, über ihre Verantwortung nachzudenken.Heike Hüttenkofer hat das Motiv für ihr Ölgemälde einer Aufnahme eines australischen Fotografen entnommen. Dort stand der Bub im Hintergrund. Erst die gebürtige Memmingerin, die seit 2017 in Immenstadt lebt und dort in einem kleinen Atelier arbeitet, hat das Kind ins Zentrum gerückt. Das Bild ist heuer entstanden, war eigentlich für eine Ausstellung vorgesehen und ist jetzt auf der Internetseite der Künstlerin zu sehen.

Auf ihr zeigt Heike Hüttenkofer nur eine kleine Auswahl ihrer Arbeiten. Sie lassen sich in zwei Gruppen einteilen: abstrakte Kompositionen, die zumeist mit Acrylfarben entstanden sind, und realistische Darstellungen, für die Ölfarben verwendet wurden. Diese zweite Gruppe zeigt vor allem Menschen: Menschen zumeist herausgelöst aus der Gruppe, Menschen als einzigartige Persönlichkeiten, Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen, Menschen aus vielen Ländern dieser Erde.

Heike Hüttenkofer ist viel in der Welt herumgekommen. Sie hat Medizin studiert, Innere Medizin und Anästhesie, und hat sehr viel Zeit im Ausland verbracht. Sie hat zum Beispiel in Australien in einer Tagesklinik gearbeitet, in der Aborigines Zuflucht gesucht haben – zumeist vor gewalttätigen trunksüchtigen Mitgliedern ihrer entwurzelten Familien. Heike Hüttenkofer hat in Alaska in einem Krankenhaus für Indianer gearbeitet und dort eine Studie über Kindesmisshandlungen erstellt – ein Thema, über das die Ärztin später auch promoviert hat.

Sie hat in China alternative Medizin kennengelernt und ist in Tibet an die Grenzen der Schulmedizin gestoßen. Denn wo es keine Infrastruktur mit Geräten und Apparaten gebe, helfe vieles nicht mehr weiter, was in einem Medizinstudium an westlichen Universitäten gelehrt werde, sagt die 50-Jährige. Dieses Schlüsselerlebnis ließ sie nach Alternativen suchen. Nach ihrem Anästhesiestudium beschäftigte sie sich mit Traumatherapie und arbeitete in der Notfallmedizin.

Der Besuch einer Ausstellung in Memmingen verleitete sie dann dazu, selbst den Pinsel in die Hand zu nehmen. Abstrakte Gemälde entstanden und fanden – für sie völlig überraschend – auf Anhieb Interesse und – in einer Ausstellung – sogar Käufer. Schon als Kind hatte Heike Hüttenkofer gerne gezeichnet, also versuchte sie sich als Malerin auch an der realistischen Darstellung. Sie erlernte – nach Anleitung des New Yorkers Jon de Martin – die alte Technik der Grisaille-Malerei, eine Malerei, die nur mit Grautönen, Weiß und Schwarz auskommt.

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In dieser Technik hat Heike Hüttenkofer viele ihrer realistischen Bilder gestaltet. Sie führen den Betrachter ganz nah heran an die Menschen: Fünf Buben aus Madagaskar sitzen in der Hocke zusammengekauert auf dem Boden, lachen verschämt in sich hinein oder grinsen frech oder scheu den Betrachter an, der ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Ein Muslim im Irak hält, ins Gebet versenkt, seine Hand vors Gesicht. Ein Bub aus Äthiopien steht mit nacktem Oberkörper und mit gesenktem Blick vor dem Betrachter. Ein alter Mann grüßt freundlich und offen herüber, während seine trüben Augen und seine tiefe Falten im Gesicht von einem harten Leben erzählen. Eine Afrikanerin erfrischt sich mit und labt sich an kostbarem Wasser.

Heike Hüttenkofer lenkt in ihren ausdrucksstarken Bildern den Blick vielfach auf Menschen, die im Schatten einer hoch entwickelten Welt leben, Menschen, deren Probleme oft übersehen werden.

Die Medizinerin ist jetzt gefragt

Seit 2016 arbeitet Heike Hüttenkofer auch an einem Zyklus kleinformatiger Gemälde, der „Menschen einer Welt“ heißt und einmal Vertreter aller 197 Nationen der Erde im Portrait zeigen soll. 27 Bilder dazu liegen bereits vor. Eigentlich wollte Heike Hüttenkofer mit diesem Zyklus schon weiter sein, doch momentan ist die Kunst bei ihr in den Hintergrund getreten. Jetzt in der Corona-Krise ist wieder die Ärztin gefragt, ihre Kollegen zu unterstützen. Wo genau sie eingesetzt wird, weiß Heike Hüttenkofer aber noch nicht.

Heike Hüttenkofer im Internet