Oberstdorf

Eltern sind sauer: Musikschule erhöht kräftig die Gebühren

Die Eltern sind verärgert über die Gebührenerhöhung der Oberstdorfer Musikschule.

Die Eltern sind verärgert über die Gebührenerhöhung der Oberstdorfer Musikschule.

Bild: Günter Jansen

Die Eltern sind verärgert über die Gebührenerhöhung der Oberstdorfer Musikschule.

Bild: Günter Jansen

Oberstdorfer kritisieren die erhebliche Anhebung bei der kommunalen Einrichtung. Wie die Kämmerei den Anstieg der Kosten begründet.
18.08.2020 | Stand: 11:30 Uhr

„Total entsetzt“ ist Marion Bosch dos Santos über die Gebührenerhöhung in der kommunalen Musikschule Oberstdorf. Und die Mutter zweier Kinder ist kein Einzelfall. Bei vielen Eltern herrsche große Aufregung, berichtet Katharina Schwendinger, die selbst betroffen ist. Die Marktgemeinde rechtfertigt dagegen die Anhebung.

Für Unmut bei den Eltern sorgt nicht nur die drastische Erhöhung: So soll etwa die Gebühr für 45 Minuten Einzelunterricht von 84 Euro auf 172 Euro steigen. Allerdings erhalten Oberstdorfer eine Ermäßigung und sollen nur 120 Euro zahlen. Für Unmut sorgt auch die Art, wie die Erhöhung kommuniziert wurde. Bei der Anmeldung für das neue Schuljahr im Juli wurden die Eltern nicht darauf hingewiesen. Erst aus der Zeitung habe sie von der Sache erfahren, erzählt Schwendinger.

Erhöhung der Musikschul-Gebühren in Oberstdorf: "Kurz die Sprache verschlagen"

Sie verstehe, dass die Musikschulgebühren angehoben werden müssen, zumal sie seit 2009 nicht erhöht wurden. Aber ihr habe es „kurzzeitig die Sprache verschlagen“, welch Steigerung nun beschlossen worden sei: um über 100 Prozent im Falle eines Einzelunterrichts von 45 Minuten. Damit liege die Musikschule Oberstdorf im Vergleich zu allen anderen Gemeinden in Deutschland im Spitzenfeld.

Was bietet denn die Musikschule Besonderes, fragt sich Isa von Löw, das diese Erhöhung rechtfertige? 2014 ist sie von Berlin nach Oberstdorf gezogen. Seither haben ihre beiden Töchter Unterricht an der Musikschule: Einzelunterricht im Fach Klavier, aber auch Gruppenunterricht im Fach Geige. Die jetzige Gebührenerhöhung sei so extrem, dass sie sich überlegen muss, den Unterricht für ihre Töchter, die beide 15 Jahre sind, zu reduzieren. Aber: „Es wäre ein Drama.“ Denn Musikunterricht bereite nicht nur Freude, er fördere auch die Entwicklung der Kinder auf vielfältige Weise: Unter anderem lernen sie besser, ist Isa von Löw überzeugt. Vor allem eine kommunale Musikschule müsse dem Bildungsauftrag nachkommen und den Unterricht nicht nur Besserverdienenden ermöglichen.

Musikunterricht kann sich nicht jeder leisten

Das sieht auch Marion Bosch dos Santos so: Bereits die bisherigen 84 Euro seien für manche Menschen viel Geld gewesen. Sie rechnet damit, dass der Unterricht für ihre Töchter – die eine spielt Cello, die andere Klavier und beide nehmen Gesangsstunden – die Familienkasse – trotz Ermäßigung – künftig mit 100 Euro im Monat mehr belasten werde. Das seien 1200 Euro im Jahr. Bosch dos Santos findet, die Gemeinde müsse den kulturellen und pädagogischen Wert des Unterrichts in ihre Überlegungen mit einbeziehen. „Für was ist nicht alles Geld da“, sagt sie über Oberstdorf, „aber für die Kinder fehlt es.“ Sie hofft, dass die Gemeinde ihre Entscheidung noch einmal überdenkt.

Eine maßvolle Anhebung etwa um zehn Prozent pro Jahr, könne man verstehen, sagt Katharina Schwendinger. Wenn Eltern jetzt aus Kostengründen gezwungen seien, den Unterricht zu reduzieren, dann schade das auch den Musiklehrern, gibt sie zu Bedenken.

Keine Anhebung der Musikschul-Gebühren seit 2009

Claudius Huber von der Kämmerei der Marktgemeinde Oberstdorf verweist darauf, dass die kommunale Musikschule ein freiwilliges Angebot der Gemeinde und als „kostendeckende Einrichtung“ konzipiert sei. Seit 2009 habe es keine Anpassung der Gebühren mehr gegeben.

Bei der jetzigen Anhebung habe man die Gebühren für den am meisten nachgefragten Unterricht am wenigsten erhöht: Das seien 45 Minuten Unterricht in der Zweiergruppe, der von 54 Euro auf 60 Euro stieg, und 25 Minuten im Einzelunterricht, der von 54 auf 67 Euro angehoben wurde. Diese Tarife gelten für Oberstdorfer. Zusätzlich gebe es für Familien und für Empfänger von Sozialleistungen weitere Ermäßigungen. Jetzt habe man vor allem kostendeckende Gebühren für Auswärtige beschlossen. Denn bislang habe die Gemeinde den Unterricht für diese aus Steuermitteln subventioniert.

Für das Jahr 2020 seien Kosten von 640 000 Euro für die Musikschule eingeplant, erläutert Huber. Denen stehe nach den bisherigen Gebühren ein zu erwartendes Defizit von 314 000 Euro gegenüber. Mit der geplanten Gebührenerhöhung werde dieses Defizit nur noch 161 000 Euro betragen. Derzeit liege der Deckungsgrad bei 51 Prozent. Künftig soll es dann nur noch moderate Anpassungen geben.

Zum Vergleich andere Musikschulen

Musikschule Oberallgäu-Süd: 45 Minuten Einzelunterricht 88,50 Euro und für Auswärtige 177 Euro.

Musikschule Kleinwalsertal: 50 Minuten Einzelunterricht für Kinder kosten 55,50 Euro.

Musikschule Kempten: 45 Minuten Einzelunterricht kosten für Kemptener 85,70 Euro, für Auswärtige 128,40 Euro.