Katharina Schöll im Portrait

Emotional und leidenschaftlich: Die Konstante der Allgäu-Strom Volleys Sonthofen

Emotional, leidenschaftlich – und vor allem loyal. Katharina Schöll ist auch nach all den sportlichen und personellen Umbrüchen aus der Mannschaft der Allgäu-Strom Volleys Sonthofen nicht mehr wegzudenken.

Emotional, leidenschaftlich – und vor allem loyal. Katharina Schöll ist auch nach all den sportlichen und personellen Umbrüchen aus der Mannschaft der Allgäu-Strom Volleys Sonthofen nicht mehr wegzudenken.

Bild: Markus Henseleit

Emotional, leidenschaftlich – und vor allem loyal. Katharina Schöll ist auch nach all den sportlichen und personellen Umbrüchen aus der Mannschaft der Allgäu-Strom Volleys Sonthofen nicht mehr wegzudenken.

Bild: Markus Henseleit

Katharina Schöll ist die feste Größe in Sonthofen. Vor dem Heimstart am Samstag spricht die 25-Jährige über emotionale Extreme der vergangenen 18 Monate.
08.10.2021 | Stand: 19:23 Uhr

Sie ist da – noch immer. Und sie scheint zu bleiben, gegen alle Widerstände. Katharina Schöll ist die feste Größe bei den Allgäu-Strom Volleys Sonthofen. Wenn die 25-Jährige am Samstag ab 19.30 Uhr zum ersten Heimspiel in der 3. Liga gegen den TSV Ansbach aufläuft, schließt sich in der Allgäu-Sporthalle ein Kreis. Wieder einmal in Schölls Karriere.

Kaum ein Extrem hat der hochrangigste Allgäuer Club in den vergangenen 18 Monaten ausgelassen: Rückzug aus der 2. Bundesliga, Lockdown, Umbruch, Managerwechsel, Restart, nächster Lockdown, Trainerrücktritt, erneuter Umbruch, Trainerwechsel. Die Einzige, die alle Turbulenzen mitgemacht hat, inklusive der Abgänge einiger Freundinnen, ist Katharina Schöll. „Es ist eine extrem schwierige Situation für uns seit vielen Monaten – noch immer“, sagt Schöll. „Auf der anderen Seite haben reizvolle Aufgaben begonnen. Nur wurden wir immer wieder ausgebremst. Jetzt wollen wir loslegen – unser Traum für die nächsten Jahre ist es, irgendwann wieder nach oben zu kommen.“

Der erste Schritt ist gemacht. Mit dem achtbaren Saisonauftakt – dem 1:3 in Erfurt und dem 3:0-Sieg in Fürth – hat das immens junge Team alles andere als einen Stolperstart hingelegt. Bei der Niederlage in Erfurt wurde Schöll schon im ersten Spiel zur wertvollsten Akteurin auf Sonthofer Seite gewählt. „Ich sehe unseren Start durchweg positiv, obwohl wir das erste Spiel verloren haben“, sagt die 25-jährige Außenangreiferin. „Wir haben gesehen, dass sich die harte Zeit in der Vorbereitung speziell für die Jungen sehr gelohnt hat.“

Vom Jungspund zum Mittelalter

Gehörte Katharina Schöll im 2019er Team noch zu den „Zweitliga-Kücken“, ist sie nun ein fester Bestandteil des Kerns. Die Konstante. Das einstige Ausnahme-Talent ist zur Anführerin herangewachsen. Das belegen nicht nur die Zahlen: Mit Ausnahme der „Aushilfs-Joker“ Eva Schilf und Caro Strobl ist Schöll nach dem 29-jährigen Trainergespann Vanessa Müller und Veronika Kettenbach bereits die Älteste – nach Caro Wycklicky (24) wiederum folgt ein „Vier-Jahres-Loch“ mit neun Spielerinnen zwischen 16 und 20 Jahren.

Die zwei Lockdowns haben Katharina Schöll vom Jungspund zum Mittelalter befördert. „Es ist schon merkwürdig, wenn wir heute jung gegen schön spielen“, sagt Schöll mit einem Schmunzeln. „Auf einmal stehe ich auf der schönen, na ja alten Seite – das ist schon suspekt. Offenbar muss ich nun Verantwortung übernehmen.“ Endlich, möchte man sagen.

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Seit Jahren gilt die Rettenbergerin, die mit neun Jahren erstmals beim TSV pritschte, als Hoffnungsträgerin des Vereins. Das außergewöhnliche Talent hat über die Jahre sein immenses Potenzial ausgeschöpft, wurde wohl auch deshalb schon mit 15 Jahren in der 2. Bundesliga fast verheizt. Über eine tiefe Sinnkrise, in der sie die Freude am Volleyball erst wieder suchen musste, hat Katharina Schöll wieder zu ihrem Spiel gefunden. Inzwischen hat sich die wortgewandte Brünette als Allroundspielerin einen Namen gemacht, ist die Säule im Team – wirkliche Aussetzer hat ihr Spiel inzwischen kaum noch.

Schöll: "Keine Sekunde daran gedacht, aufzuhören"

Da ist die Leistung auf dem Feld auf der einen, vor allem aber auch die menschliche Qualität auf der anderen Seite. Ungeachtet der Schwierigkeiten in Teenagerzeiten habe sie „nicht eine Sekunde daran gedacht, nicht im ersten Lockdown und nicht im zweiten, aufzuhören. Dazu liegt mir der Verein zu sehr am Herzen. Dazu macht es zu sehr Bock“, sagt Schöll. „Dabei war vor allem der Rücktritt von Veronika Majova für mich persönlich sehr hart. Ich weiß, dass sie viel mit mir vorhatte.“

Doch das hat Schöll auch mit den Volleys. Auch als nach dem zweiten Lockdown ein kolossaler Aderlass folgte, als durch die Abgänge von Nadine Burbrink, Charlotte Ansel, Nadja Roth und vor allem Annika Zeller teils enge Freundinnen das Team verließen – Schöll ist geblieben. „Das war eine sehr blöde Situation für mich. Es war sehr schwer, sie alle nicht mehr um mich zu haben“, sagt die Außenangreiferin. „Aber es hat mich in meiner Entscheidung nie beeinflusst – ich habe gesagt, ich bleibe auf jeden Fall. Für mich war immer klar, dass ich in Sonthofen noch etwas vorhabe.“

Kettenbach sieht große Verantwortung

Das will die Rettenbergerin vorleben, das traut ihr das Trainerteam zu, deshalb folgt ihr auch die Mannschaft. Einstimmig wurde sie vor der neuen Spielzeit vom Team zur Kapitänin gewählt. „Sie nimmt diese Rolle sehr gut an. Sie ist ein sehr direkter Mensch und tritt auch so auf“, lobt Trainerin Veronika Kettenbach. „Sie wächst allmählich in die Rolle, dass sie nicht mehr die ist, die sich verstecken kann, sondern dass sie mehr Verantwortung trägt. Sie wird mit ihrer Wucht für Furore sorgen.“

Auf diesem Weg braucht Schöll noch Zeit, das weiß die 25-Jährige. „Verantwortung an sich ist gut – zu viel davon ist aber auch nicht mein Ding“, sagt die Oberallgäuerin offen. „Aber ich bekomme das Gefühl, dass man immer mehr von mir erwartet. Dass die jungen Spielerinnen mich fragen, mir zuhören wollen. Dass ich an diesem Punkt angekommen bin, ist krass.“

Und noch ist nicht Schluss. „Ich sehe uns nicht im Abstiegskampf der 3. Liga. Das Team ist in der Lage, viel mehr zu leisten, wenn man sieht, wie jung und alt voneinander profitieren können“, sagt Katharina Schöll. „Und ich hoffe, dass die Leute in Sonthofen wieder Gefallen daran finden. Dass sie sehen, dass wir irgendwann an die glorreichen Zeiten anknüpfen wollen. Und dass sie schon am Samstag wieder in die Halle kommen für uns.“ Katharina Schöll wird auf jeden Fall da sein. Wie immer.