Bistum Augsburg

Erster Besuch im Allgäu: Bischof Bertram Meier kommt nach Oberstdorf

Dr. Bertram Meier wurde vor zwei Wochen zum Bischof im Hohen Dom in Augsburg geweiht. Jetzt besucht er Oberstdorf.

Dr. Bertram Meier wurde vor zwei Wochen zum Bischof im Hohen Dom in Augsburg geweiht. Jetzt besucht er Oberstdorf.

Bild: Silvio Wyszengrad (Symbol)

Dr. Bertram Meier wurde vor zwei Wochen zum Bischof im Hohen Dom in Augsburg geweiht. Jetzt besucht er Oberstdorf.

Bild: Silvio Wyszengrad (Symbol)

Bischof Meier weiht am Freitag die Friedensglocke in Oberstdorf ein. Die besondere Geschichte hinter der 350-Kilo-Glocke zeugt vom Mut der Oberstdorfer.
Dr. Bertram Meier wurde vor zwei Wochen zum Bischof im Hohen Dom in Augsburg geweiht. Jetzt besucht er Oberstdorf.
Von Sabine Verspohl-Nitsche
22.06.2020 | Stand: 11:33 Uhr

Große Ehre für Oberstdorf: Beim ersten Besuch im Allgäu nach seiner Weihe kommt der neue Bischof des Bistums Augsburg, Dr. Bertram Meier, nach Oberstdorf. Dort weiht er am Freitag eine Friedensglocke ein, die damit das Geläut der Kirche St. Johann Baptist wieder komplett macht. Ein Oberstdorfer Spender hatte Mittel gestiftet, die nach seinem Wunsch für eine Friedensglocke verwendet werden sollten. Und um das Geläut der Oberstdorfer Pfarrkirche rankt sich eine ganz besondere Geschichte.

Bischof Meier weiht Friedensglocke ein

Bischof Bertram übernimmt den feierlichen Weiheakt am Freitag, 26. Juni, um 15 Uhr im Rahmen eines Wortgottesdienstes auf dem Platz vor der Kirche. Nachdem er die 350 Kilogramm schwere Glocke geweiht hat, wird sie direkt im Anschluss daran von einem Autokran auf den Kirchturm gezogen und nimmt dort ihren endgültigen Platz.

Die neue Glocke ergänzt nach dem Spenderwillen das bisherige Vierer-Geläut von St. Johann Baptist und bildet die „Klangkrone“. Sie trägt nach einem Vorschlag von Pfarrer Maurus Mayer die Aufschrift: „Jesus trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit Euch“ (Joh 20,26). Und auch die Glocke „tritt mit ihrem Klang mitten in die Gemeinde“, erklärt der Leiter der Pfarreiengemeinschaft Oberstdorf.

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Im Oberstdorfer Kirchturm befanden sich seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis 1942 fünf Glocken. Bis auf ein Exemplar mussten im Zweiten Weltkrieg alle Glocken abgegeben werden, in Oberstdorf fand dies am 21. April 1942 statt.

Dazu zitiert Kirchenpfleger Hannes Kirschner aus der Chronik von Eugen Thomma über die Glocken der katholischen Pfarrkirche Oberstdorf: „Der 21. April 1942 war der rabenschwarze Tag für Oberstdorfs Geläut. Die vier kleineren Glocken wurden aus dem Turm herabgeholt und der Rüstung zugeführt. Hatte einst die Bürgerschaft unter schweren Opfern die Glocken erstanden, so sollten sie nun Materialreserven der Kriegsmaschinerie werden. Anstatt die Gläubigen zum Gotteshaus zu rufen und frohe Botschaften zu verkünden, sollte das Glockenerz helfen, dem Tod reich Ernte zu bringen.“

Die Dreifaltigkeitsglocke

Vier kleinere Glocken? Eigentlich war es in der Zeit üblich, nur die kleinste Glocke im Turm zurückzulassen. Stattdessen blieb in Oberstdorf das mit 2399 Kilogramm größte Exemplar hängen. Hierbei handelte es sich um die Dreifaltigkeitsglocke, die schon die erste Ablieferung der Glocken von 1917 überlebt hatte. Auf die Frage, warum die große Dreifaltigkeitsglocke gerettet wurde, erzählt Pfarrer Mayer eine abenteuerliche Geschichte: Ein Jahr nach dem großen Brand von Oberstdorf 1865, bei dem der halbe Ort samt Kirche, Rathaus und Schule ein Raub der Flammen wurde, hatten Bürger die große Dreifaltigkeitsglocke 1866 aus Erzresten wiederhergestellt, berichtet Mayer.

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Diese für die Gemeinde so bedeutende Glocke sollte nun zum Einschmelzen für Kriegsmetall abgeliefert werden. Da griffen beherzte Bürger zu einer List: Glocken mit hohem Silberanteil brauchten nicht abgeliefert werden, weil sie als Kriegsmetall ungeeignet waren. Die Späne, die der Glocke entnommen wurden, zeigten aber keinen Silberanteil. Doch die mutigen Oberstdorfer rieben einen Silbertaler in die Probe hinein, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Mit Erfolg: Die Glocke war aufgrund ihres „hohen Silbergehalts“ zum Kriegsgebrauch nicht tauglich. „Was das, wenn es aufgekommen wäre, für die mutigen Oberstdorfer bedeutet hätte, kann man sich vorstellen“, berichtet der Seelsorger. So läutete die Dreifaltigkeitsglocke in der Corona-Zeit bis Pfingsten am Dienstag- und Donnerstagabend zum Gebet. „Den Klang der Glocke in der stillen Zeit der Pandemie werde ich nicht vergessen“, betont Mayer.

Übrigens konnte Oberstdorfs bekannter Pfarrer Rupp schon 1950 drei neue kleinere Glocken weihen, die seither die Dreifaltigkeitsglocke begleiten. „Wenn nun die kleine Klangkrone dazu kommt, ist es besonders passend, mit ihr als Friedensglocke für die lange Friedenszeit zu danken“, sagt Mayer.

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