Fabulier- und Vortragskunst

Erzählerin spannender Geschichten: Julia Krusch aus Immenstadt

Julia Krusch

Warmherzige Geschichten – nicht nur für den Heiligen Abend: Julia Krusch aus Immenstadt erzählt in der Märchenhütte in Rieggis vom Christkind und anderen Hoffnungsbringern.

Bild: Günter Jansen

Warmherzige Geschichten – nicht nur für den Heiligen Abend: Julia Krusch aus Immenstadt erzählt in der Märchenhütte in Rieggis vom Christkind und anderen Hoffnungsbringern.

Bild: Günter Jansen

Die Sozial- und Religionspädagogin Julia Krusch aus Immenstadt will mit Märchen und Geschichten Kindern Freude spenden. Sie hat aber auch Ideen, um für Erwachsene die „schönsten Momente“ im Leben zu bereichern.
27.12.2020 | Stand: 05:30 Uhr

Das Warten kann manchmal schon sehr lange dauern. Das Warten am Heiligen Abend. Das Warten auf das Christkind, das Geschenke bringen soll. Um den Kindern die Zeit ein wenig zu verkürzen, hat Julia Krusch etwas vorbereitet: Die Immenstädterin erzählt ein Märchen. Ein Märchen vom Christkind. Sie hat die Erzählung vor einigen Wochen in der Märchenhütte in Rieggis aufgenommen. Und jetzt ist das Video im Internet zu sehen – als „Weihnachtsgeschichte für die ganze Familie“.

Die Märchenhütte in Rieggis oberhalb von Niedersonthofen sorgt dabei für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Und das lebhafte Erzählen von Julia Krusch macht aus dem Märchen ein Freude spendendes Erlebnis, bei dem einem warm ums Herz wird. Denn es geht bei der Geschichte ums Kuscheln: Das Christkind hat beim Stapfen durch den hohen Schnee einen Handschuh verloren, einen Fäustling. Den entdecken verschiedene Tiere als warmes, kuscheliges Nest …

Julia Krusch weiß, wie man Geschichten erzählt. Die 33-Jährige, die mit ihrer Familie in einem alten Bauernhaus neben dem Schloss in Rauhenzell wohnt, hat eine Erzählerschule in München besucht und dort ihr Handwerkszeug als professionelle Erzählerin erlernt: Zum Beispiel wie man die Stimme trainiert oder wie man Mimik und Gestik einsetzen kann oder wie sich der Vortrag anderweitig kreativ ausgestalten lässt.

Julia Krusch erfuhr dort aber auch etwas über die Symbolik der Märchen und das Wichtigste: Wie man sich eine Geschichte zu eigen macht. Denn das Märchen und dessen Wortwahl müsse zur eigenen Persönlichkeit passen, sagt Julia Krusch. Sie wandelt deshalb auch Stoffe, die sie aufgreift, so um, dass sie zur Region und zur Erzählsituation passen.

Diese Ausbildung erfolgte berufsbegleitend. Julia Krusch hat Sozial- und Religionspädagogik studiert. Sie arbeitete in der Schul- und Jugendsozialarbeit und unterrichtete an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Kempten, an der Erzieherinnen ausgebildet werden. Im Moment befindet sich die junge Mutter allerdings in Elternzeit, denn ihr Sohn Xaver ist vor drei Monaten geboren worden.

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Schon als Kind habe sie Geschichten und Märchen geliebt, sagt Julia Krusch. Ihre Eltern haben ihr viele Märchen vorgelesen, ihre Oma habe ihr viel von früher erzählt. All das habe sie sehr interessiert. Vor allem die Zaubermärchen faszinierten Julia Krusch, Märchen wie Aschenbrödel, Schneewittchen oder Rotkäppchen von den Brüdern Grimm.

Sie verschlang Bücher und schrieb Aufsätze in Deutsch mit viel Fantasie, erzählt Julia Krusch. Dafür habe sie beste Noten erhalten. Als sie die dritte oder vierte Klasse Grundschule besuchte, lag unter dem Christbaum eine Schreibmaschine als Geschenk. Julia Krusch schrieb Geschichten – über alles, was sie beschäftigte: Pferde zum Beispiel, aber auch Märchen. „Noch mit 15 wünschte ich mir ein dickes Märchenbuch“, erzählt sie: mit Märchen aus anderen Ländern.

Mit dem Studium rückte die Begeisterung für Märchen und Geschichten etwas in den Hintergrund. Doch ein Besuch in der Sonthofer Kultur-Werkstatt entzündete das Interesse erneut: Julia Krusch erlebte dort einen Abend mit der Geschichtenerzählerin Annika Hoffmann aus Kempten. „Ich habe ihn wahnsinnig genossen“, erzählt Julia Krusch. Und mehr noch. Sie beschloss: „Das will ich auch können!“ In München fand sie eine geeignete Schule und lernte dort ein Jahr lang.

Das Geschichtenerzählen begleitet sie seither auf vielfältige Weise. Neben Märchen für Kinder erzählt Julia Krusch auch Geschichten für Erwachsene: reale Lebens- und Liebesgeschichten. Mit ihnen will sie die „schönsten Momente“ im Leben bereichern: Sie gestaltet freie Trauungen. Das sind Angebote für Paare, die mehr als eine standesamtliche Eheschließung, aber keine kirchliche Feier wollen.

Bis zu 24 solcher freier Trauungen hatte Julia Krusch früher pro Jahr. Jetzt hat sie diese aus Zeitgründen auf die Hälfte reduziert. Daneben hält sie auch Trauerreden. Aber nur wenige. Darauf möchte sie keinen Schwerpunkt legen. Sie möchte lieber von Positivem sprechen. Obwohl es berührend und für die Trauerarbeit wichtig sei, ein Leben in würdige Worte zu fassen.

Die Corona-Pandemie vereitelte heuer fast alle Pläne von Julia Krusch, als Geschichtenerzählerin aufzutreten. Nur zweimal habe sie in der Märchenhütte in Rieggis erzählt: Dort trete sie sonst regelmäßig auf – vor Kindern jener Gäste, die den Ferienhof Schöll besuchen. Dafür diente die Märchenhütte aber heuer als Kulisse für ein Video, das nun im Internet zu sehen ist und das am Heiligen Abend das Warten aufs Christkind verkürzen soll …

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