Fußballschule im Oberallgäu

Ex-Profi Michael Rummenigge zum Camp in Missen: "Es darf keine Tabus geben"

Michael Rummenigge wurde dreimal deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Der 58-Jährige leitet seit 26 Jahren seine Fußballschule.

Michael Rummenigge wurde dreimal deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Der 58-Jährige leitet seit 26 Jahren seine Fußballschule.

Bild: Dominik Berchtold

Michael Rummenigge wurde dreimal deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Der 58-Jährige leitet seit 26 Jahren seine Fußballschule.

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Bei der Michael-Rummenigge-Schule in Missen kicken über 110 Kinder. Der Ex-Profi legt Wert darauf, das "Bewusstsein der Kids für Probleme der Welt zu schärfen".
13.05.2022 | Stand: 18:21 Uhr

Hattrick in Missen: Zum dritten Mal gastiert an diesem Wochenende die Fußballschule von Ex-Profi Michael Rummenigge beim TSV Missen-Wilhams. Nach der Corona-Premiere 2020 mit 87 Kindern veranstaltete der TSV unter „fast normalen“ Bedingungen im vergangenen Jahr die zweite Auflage mit 95 Kids. Heuer, im dritten Jahr, kicken 116 Kinder von Freitag bis Sonntag in vier Trainingseinheiten à zwei Stunden. Dafür hat sich der 58-jährige Rummenigge mit seinem renommierten Trainerteam ein großes Pensum und ein buntes Programm überlegt. Wir trafen Rummenigge vor dem Startschuss zum Camp in Missen zum Interview.

Herr Rummenigge, in Missen halten Sie das siebte von 31 Camps 2022 ab – wie läuft es im 26. Jahr der Schule?
Michael Rummenigge: Es läuft prächtig, weil wir an unserem Erfolgsrezept festhalten: immer mit Herzblut dabei zu sein. Wir wollen die Leute spüren lassen, dass wir etwas bewegen möchten. Das merken die Kids und sie wissen, dass sie drei Tage voller toller Erinnerungen mitnehmen. Alle im Team packen an. Nur deshalb funktioniert es so gut.

In Missen gab es die Premiere mit gebremster Euphorie, im Jubiläumsjahr 2021 fast unter normalen Bedingungen. Wie groß ist die Vorfreude auf 2022?
Rummenigge: Sehr groß. Denn es herrscht ein ganz anderes Gefühl. Seitdem es keine Maskenpflicht mehr gibt, ist die Wahrnehmung anders. Man sieht die Leute mit vollem Gesicht – und meistens lachen sie.

Michael Rummenigge wurde dreimal deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Der 58-Jährige leitet seit 26 Jahren seine Fußballschule.
Michael Rummenigge wurde dreimal deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Der 58-Jährige leitet seit 26 Jahren seine Fußballschule.
Bild: Dominik Berchtold

Im vergangenen Jahr mussten Sie noch einige Camps – darunter Sylt – absagen. Wie ist die Lage in diesem Jahr?
Rummenigge: Glücklicherweise sehr entspannt. Nur bei unserem ersten Camp in Dortmund am ersten April-Wochenende mussten wir nach dem Training mit 100 Kindern im Schneeregen abbrechen. Das war kein schöner Auftakt, aber danach haben wir gut Fahrt aufgenommen.

Gibt es noch Einschränkungen für das Camp in Missen?
Rummenigge: Im Grunde nicht mehr. Wir haben Desinfektionsmittel aufgestellt, mehr gibt es nicht. Ich bin froh, dass wieder alles machen können, was wir vor 2019 machen konnten. Es gibt nur noch das volle Erlebnis für die Kinder.

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Welche Lehren haben Sie als Ausrichter der Fußballschule aus zwei Jahren Pandemie gezogen?
Rummenigge: Dass wir das Camp mit der richtigen Einstellung stemmen können, fast egal, wie groß die Hindernisse sind. Das erste Mal hatten wir ja eine Teststation direkt am Platz. Heute sind wir im Normalbetrieb. Ich habe heuer bisher noch nicht das Wort „Corona“ gehört.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in Missen?
Rummenigge: Wir haben Thomas Rasch vom TSV noch mehr ins Orga-Team eingebunden. Mit ihm und mit Rainer Häfele, der ein unglaubliches Programm auf die Beine stellt, haben wir ein eingespieltes Team. Da müssen wir nicht groß eingreifen. Anmeldungen sind gut gelaufen, der Ablauf steht meist sehr früh.

Bilderstrecke

Fußballschule Michael Rummenigge beim TSV Missen-Wilhams

Es waren 87 Kinder bei der Premiere, 2021 schon 95 und es werden 116 in diesem Jahr. Wo ist die Grenze?
Rummenigge: Das ist ein sehr schöner Trend, aber es geht durchaus noch mehr. In Missen belegen wir zwei große Felder und rechnen etwa 15 Kinder pro Trainer. In diesem Jahr haben wir Ende Mai noch ein Camp mit über 240 Kindern auf vier großen Feldern. In dieser Größe, wie sie aktuell ist, haben wir in Missen perfekte Rahmenbedingungen.

Was erwartet die Kinder in Missen?
Rummenigge: Wir haben den Soccer-Fun-Park und eine Schuss-Geschwindigkeitsmessung. Für die Pausen haben wir eine „Nintendo Switch“. Im Rahmenprogramm wird es Samstag um 15.30 Uhr einen kleinen Einlage-Kick mit Trainern und dem TSV Missen geben. Für die Kinder gibt es eine Neuheit beim Trikot: Wir haben uns in Anlehnung an das Bayern-Trikot der 1960er Jahre ein rotes Trikot mit V-Kragen einfallen lassen. Auf dem rechten Ärmel ist ein Herz für die Ukraine.

Wird der Konflikt ein Thema im Camp?
Rummenigge: Ja, das ist unbedingt wichtig. Wir sammeln bei den Camps für die Ukraine und überweisen alles an das Aktionsbündnis Deutschland. In Missen wird es bei der Mini-WM am Sonntag auch um die Ukraine gehen. Und im Herbst planen wir zwei Fußballtage in Herzogenaurach für ukrainische Flüchtlingskinder. In unserem Land geht es uns gut. Darum ist es wichtig, dass die Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln. Bei uns darf es keine Tabus geben.

Wir haben im vergangenen Jahr über die Probleme gesprochen, die Kinder in der Pandemie bekommen – wie sehen Sie die Entwicklung im Nachwuchs?
Rummenigge: Wir haben zum Teil schon Vier- bis Sechsjährige im Training – der größte Teil sind die Kids bis zwölf. Aber Schwierigkeiten bekommen wir bei Jugendlichen – da geht die Kurve nach unten. Wir müssen immer aktiver werden – auch beim DFB – und gezielter ansetzen, um die Kinder bei der Stange zu halten, die ins Teenageralter kommen.

Viele Vereine beklagen sportartenübergreifend, dass die Folgen der Pandemie massive Auswirkungen auf die körperliche Entwicklung bei Kindern haben. Haben Sie auch den Eindruck?
Rummenigge: Die Kids, die Lust haben auf kicken, kommen zu uns. Das funktioniert gut. Aber wir müssen zwischen Bambinitraining und Jugendtraining unterscheiden – da sind komplett andere Herangehensweisen gefragt. Insgesamt beobachten wir, dass das ein oder andere Kind fülliger geworden ist. Aber die, die Spaß am Sport haben, kommen.

2021 sagten Sie, Sie fürchten, den Kindern gehen zwei Jahre verloren …
Rummenigge: Das hat sich gewissermaßen bestätigt. Training konnte nicht stattfinden, Spiele ohnehin nicht. Da ist unheimlich viel weggebrochen bei vielen Kindern. Wir holen auf, was die Kids verloren haben.

Worauf freuen Sie sich in Missen?
Rummenigge: Es soll ein großes Familienfest geben, bei dem sich die Leute wieder treffen und sehen können. Ich freue mich darauf, dass sich Menschen die Hand geben und sich anlachen können.