Sport trifft auf Kunst

Fantasievolle und kritische Kunst soll Ski-WM in Oberstdorf begleiten

Lucie Sommer Leix Skispringerin

Mit Hermesflügeln unterwegs: „Skispringerin“, Terrakotta-Figur von Lucie Sommer-Leix, zu sehen bei „Sport meets Art“ in der Galerie Oberstdorf.

Bild: Lucie Sommer-Leix

Mit Hermesflügeln unterwegs: „Skispringerin“, Terrakotta-Figur von Lucie Sommer-Leix, zu sehen bei „Sport meets Art“ in der Galerie Oberstdorf.

Bild: Lucie Sommer-Leix

Die Galerie Oberstdorf präsentiert zur Nordischen Skiweltmeisterschaft Werke, die sich mit dem Sport auseinandersetzen. Einige Arbeiten lenken den Blick auch auf Brisantes.
10.02.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Die Freude ist groß: Die Frau reckt die Arme in die Höhe, und in der Linken glitzern Goldkettchen. „One World“ nennt Lucie Sommer-Leix ihre Keramikskulptur, die eine Sportlerin in Siegespose zeigt. Denn Sport vermag – wie die Kunst und die Musik – Brücken zu schlagen über Grenzen hinweg.

„Sport meets Art“, Sport trifft auf Kunst, heißt heuer die erste Ausstellung in der Galerie Oberstdorf im historischen Trettachhäusle bei der Nebelhornbahn. Sie soll am 1. März eröffnet werden, sofern es die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zulassen. Ansonsten zeige sie Skulpturen und Objekte im Freien, sagt Kuratorin und Galeristin Magdalena Nothaft.

Vorab allerdings bietet der Internetauftritt der Galerie einen Eindruck, was den Besucher erwartet. Das Thema ist dabei weiter gefasst, als der Titel der Ausstellung erahnen lässt. Denn die Werke widmen sich nicht nur den Sportarten, die bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft gefragt sind – sie bietet den äußeren Anlass für dieses Projekt. Die Schau lenkt auch den Blick auf das Umfeld des Sports und die Natur.

Damit rückt auch der Klimawandel ins Blickfeld des Betrachters. Der norwegische Wissenschaftler und Fotograf David Wrangborg weist mit seinen ästhetisch-kunstvollen Aufnahmen aus Spitzbergen auf das Phänomen der stark schmelzenden Gletscher hin. Dieses trete nur alle paar Jahre auf. „Glaciers on the move“, Gletscher in Bewegung, nennt er seine Folge von Farbaufnahmen, die Eisstrukturen und freigelegte Erd- und Gesteinsschichten dokumentieren.

Vom Wind geschaffene Strukturen in Schnee- und in Sand-Landschaften stellt Fotograf Johann Seeweg in seinen ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Aufnahmen gegenüber. Die technisch ausgefeilten Darstellungen zeigen Ähnlichkeiten auf und lassen manchmal sogar Sand wie Schnee erscheinen.

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An Landschaftsstrukturen erinnern zuweilen auch die Glasobjekte von Doc Davids aus Mülheim an der Ruhr. Der Künstler fügt verschiedenfarbige Gläser zu Bildern oder Stelen zusammen. Die Gläser werden dabei stellenweise auch übereinandergeschichtet und verleihen so den Bildern einen Reliefcharakter.

Wer einen hurtigen Sportler beim Skisprung oder beim Langlauf in den Fokus seiner Kamera nimmt, dem verschwimmt oft die Landschaft im Hintergrund. Dieses Phänomen greift Galeristin Magdalena Nothaft in einigen ihrer Skispringer-Gemälde auf. Sie nutzt dazu Fotografien von Arno Pürschel, die sie mit Acryl übermalt hat.

Der Oberstdorfer hatte bei den zugrunde liegenden Aufnahmen keineswegs Sportler im Visier, sondern Details aus Rindenstücken oder andere kleinteilige Naturstrukturen.

Neben solch großformatigen Gemälden, die von der Energie und Emotion der Leistungssportler künden, zeigt Magdalena Nothaft auch kleinformatige Zeichnungen von Menschen beim Breitensport: beim Langlaufen zum Beispiel oder Skiwandern. Auch einige Grafiken präsentiert die vielseitige Künstlerin.

Zum Verweilen laden einige Sitzgelegenheiten von Lucie Sommer-Leix ein. Sie sind ebenso aus Terrakotta gefertigt und farbenfroh bemalt wie die Frauenfiguren der Waltenhofenerin. Mit kräftig ausgeprägtem Gesäß samt Beinmuskulatur, die in hautengen Trikots stecken, betonen sie die weiblichen Körperformen.

Struwwelpeter-Frisur

Die Skulpturen veranschaulichen Eleganz und Geschwindigkeit des Sports und nähern sich dem Thema auch immer mit einem Augenzwinkern: So trägt der Helm der Skispringerin Flügel wie jener des griechischen Götterboten Hermes. Und mit rot geschminkten Backen und Struwwelpeter-Frisur könnte die Freude versprühende Frau in Siegespose auch ebenso gut als Harlekin durchgehen.

Doch die Taube mit Ring im Schnabel, die sich im Haarnest der Sportlerin niedergelassen hat, könnte natürlich auch die friedensstiftende Eigenschaft des Sports und den ewigen Ruhm des Siegers symbolisieren – oder vielleicht auch nur den Heiratsantrag des Freundes.