Gastronomie

Fischen: 1,3 Millionen Euro in die Dorfalpe investiert

Anton Schöll, der auch das Restaurant in der Fiskina in Fischen betreibt, hat 1,3 Millionen Euro in die neue Dorfalpe investiert.

Anton Schöll, der auch das Restaurant in der Fiskina in Fischen betreibt, hat 1,3 Millionen Euro in die neue Dorfalpe investiert.

Bild: Isabell Schmid

Anton Schöll, der auch das Restaurant in der Fiskina in Fischen betreibt, hat 1,3 Millionen Euro in die neue Dorfalpe investiert.

Bild: Isabell Schmid

Das Restaurant im Gasthaus Gaisbock in Fischen wurde als letzter von vier Betrieben der „Fischinger Gastro“ renoviert.
07.11.2020 | Stand: 19:00 Uhr

Die Renovierungsarbeiten waren noch nicht lange abgeschlossen, als erstmal alle Türen Pandemie-bedingt abgesperrt wurden. Wie fühlt man sich dann als Geschäftsführer der Dorfalpe nach Investitionen von 1,3 Millionen Euro? Anton Schöll und seine Frau Carmen wirken entspannt beim Besuch unserer Redaktion im neuen Restaurant. „Wenn man aktuell in die Corona-Situation blickt, dürfen wir über unseren Zusammenschluss sehr froh sein,“ erzählt Anton Schöll, der ursprünglich als Koch mit nur einem Angestellten anfing und inzwischen Leiter der „Fischinger Gastro“ mit vier Häusern und 42 Mitarbeitern ist.

Alle Betriebe wurden in den vergangenen zehn Jahren für insgesamt vier Millionen Euro saniert. Zum Gasthaus Gaisbock rollten die Bagger im Herbst 2019. In anderthalb Monaten waren die Baumaßnahmen abgeschlossen. Ein paar Zahlen von der Baustelle gefällig? Mehr als 20 regionale Handwerksbetriebe hantierten mit 19,8 Kilometer Leitungen, 14,8 Tonnen Bauschutt und knapp 8 Tonnen Holz. Mitte Dezember öffnete man die Pforten.

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Lärchenboden, Holztische und Stühle sind naturbelassen

Entstanden ist ein Restaurant, das mit viel Altholz an eine Alpe erinnert. Nur befindet sich diese eben im Dorf, statt am Berg. Durch große Fenster blickt der Gast auf die Kirche und auf den Allgäuer Hauptkamm im Hintergrund. Alpine Elemente, wie das Horn heimischen Wilds, bilden einen Kontrast zu modernen Holzlampen, die in Form von Zirbenzapfen von der Decke hängen. Sowohl der Lärchenboden als auch die Holztische und Stühle sind naturbelassen.

Der Gastraum wurde auf 120 Sitzplätze erweitert. Serviert werden regionale Gerichte, die auf der Speisekarte beschrieben werden mit: „Teilen mit Freunden“, „Mir doch Wurscht“, „Da habt ihr den Salat“ oder „Die Waage lügt nicht“.

Man sieht es dem Haus von der Größe her nicht an, doch wer in die Dorfalpe eintritt und die Treppe nach oben nimmt, gelangt zu zehn Ferienwohnungen. Alle sind rustikal eingerichtet im Allgäuer Stil und mit drei bis vier Sternen klassifiziert. Der Gaisbock ist Teil der „Fischinger Gastro“, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert.

Ein Blick auf die Geschichte

Einst führte Anton Schöll lediglich den Fischinger Bauernkeller mit nur einem Mitarbeiter. Bis er eine ungewöhnliche Fusion mit seinem Konkurrenten einging: dem Gastgeber des Kreuzwirts von nebenan. Mit mulmigem Gefühl im Bauch stellte Anton Schöll dem damals 70-jährigen Georg Kleber seine Idee vor. Und der war dabei. Am 1. November 2010 schloss sich der Fischinger Bauernkeller und der „Kreuzwirt“ zusammen. Personal, Eigentum und Pachtverhältnisse wurden in einen Topf geworfen. Daraus entstand die GmbH der Fischinger Gastro.

Doch kurz darauf folgte eine Bewährungsprobe. Der heutige Gaisbock hieß damals „Münchner Kindl“. Nach zweifacher Insolvenz stand das Haus zum Verkauf. Anton Schöll und Georg Kleber sahen mögliche Synergien und kauften das Gebäude ohne Finanzierungskonzept. Klar war, dass unter dem Namen „Münchner Kindl“ das Traditionshaus nicht fortgeführt werden konnte: Viele optische Veränderung passten nicht mehr. Das Haus wurde umgetauft auf den Namen Gaisbock. Und in einzelnen Schritten, vom 3. Stock aus anfangend saniert. Bis 2019 entstanden zehn Ferienwohnungen in Größen von 29 bis 120 Quadratmetern und mit drei und vier Sterne Standard.

Georg Kleber, der anfangs 50-prozentiger Anteilseigner war, zog sich krankheitsbedingt aus dem aktiven Geschäft zurück. Daraufhin kaufte Anton Schöll alle Anteile zurück und ist seitdem allein verantwortlich. Ein weiteres Gebäude kam durch einen unerwarteten Todesfall in der Familie hinzu. Anton Schölls Mutter verstarb, sein Elternhaus geriet in Besitz der Bank und stand vor der Zwangsversteigerung. „Da konnte ich nicht zuschauen“, sagt Schöll, der den ehemaligen Bauernhof zurückkaufte. Die nächste Sanierung stand an.

Anschließend übernahm er auf Anfrage der Gemeinde Fischen als Betreiber den Saal und das Restaurant des Kurhauses Fiskina.

Drastische Umsatz-Einbrüche

2020 regten drastische Umsatz-Einbrüche seit Mitte März wieder zu Überlegungen an. „Mit spitzem Bleistift und Kopfzerbrechen mussten wir uns von unserem eigentlichen Ursprung trennen“, erzählt Anton Schöll. Seit Mitte des Jahres wurde der Bauernkeller verpachtet, um mit nur einem blauen Auge davonzukommen.