"Lasst uns kicken"

Fußball-Kids von Schwarz-Weiß Sonthofen machen Druck gegen den Lockdown

Die 16 Bambini und zwölf F-Junioren des FC Schwarz-Weiß Sonthofen mit ihrer klaren Message: "Lasst uns wieder spielen."

Die 16 Bambini und zwölf F-Junioren des FC Schwarz-Weiß Sonthofen mit ihrer klaren Message: "Lasst uns wieder spielen."

Bild: Bettina Brunner

Die 16 Bambini und zwölf F-Junioren des FC Schwarz-Weiß Sonthofen mit ihrer klaren Message: "Lasst uns wieder spielen."

Bild: Bettina Brunner

28 Kinder des FC Schwarz-Weiß Sonthofen starten einen Aufruf in den sozialen Netzwerken. Dafür erhält der Club aus ganz Deutschland Zuspruch.
20.04.2021 | Stand: 10:43 Uhr

Der Sport leidet in der Corona-Pandemie – und mit ihm die Kinder. Deshalb haben sich die Fußballer des FC Schwarz-Weiß Sonthofen zwei Projekte einfallen lassen, um den Kids die Isolation in der fußballlosen Zeit im Rahmen der Möglichkeiten etwas abwechslungsreicher zu machen. Nach einem Drive-in zu Ostern am Ostrachstadion für die Nachwuchskicker hat der Verein mit 28 Kindern einen Aufruf in den sozialen Netzwerken unter dem Motto „Lasst uns endlich wieder kicken“ gestartet.

„Für Cybertraining online sind die Kleinsten noch viel zu jung, das hat keinen Sinn“, sagt Chris Schwarz, Torhüter der ersten Männermannschaft beim FC Schwarz-Weiß. „Deshalb haben wir uns Alternativen überlegt, wie wir den Nachwuchs bei Laune halten.“

Öffentliche Plattform auf Facebook und Instagram

Jugendleiter Sven Binde und Bettina Brunner, Mutter eines F-Juniorenspielers bei Schwarz-Weiß, hatten die Idee zu der Initiative. Insgesamt 16 Kinder aus der Bambini-Mannschaft und ein Dutzend F-Juniorenspieler haben sich für eine Collage mit den Schriftzügen „Die Bambini des FC Schwarz-Weiß Sonthofen vermissen das Fußballspielen so sehr. Lasst uns endlich wieder trainieren“ fotografieren lassen. „Wir fanden die Idee super. Damit haben die Kinder eine Plattform bekommen, ihre Meinung öffentlich sagen zu können“, sagt Chris Schwarz, dessen sechsjähriger Sohn selbst bei den Bambini aktiv ist.

Die 16 Bambini und zwölf F-Junioren des FC Schwarz-Weiß Sonthofen mit ihrer klaren Message: "Lasst uns wieder spielen."
Die 16 Bambini und zwölf F-Junioren des FC Schwarz-Weiß Sonthofen mit ihrer klaren Message: "Lasst uns wieder spielen."
Bild: Brunner

Der 34-Jährige teilte die Fotos via Whatsapp in den Vereinsgruppen, postete sie auf Facebook und Instagram – die Resonanz war und ist überwältigend. „Die Antworten waren so cool – sogar von Vereinen aus Hamburg und auch aus München haben wir tolle Rückmeldungen bekommen. Das zeigt uns, dass Fußball verbindet.“ Ebendiese Eigenschaft vermisse der Nachwuchs derzeit am meisten, sagt der Sonthofer, der neben seinem Engagement bei Schwarz-Weiß auch für die Ausbildung der Jugendtorhüter beim 1. FC Sonthofen zuständig ist.

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Chris Schwarz: „Die Lage ist sehr angespannt“

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„Ich bekomme es in beiden Vereinen mit. Die Lage ist überall sehr angespannt“, sagt der Torhüter. „Wir spüren es alle, wie sehr es den Kleinen fehlt, dass sie nicht im Kindergarten sind, nicht beim Fußball, dass sie ihre Freunde nicht sehen können. So wie der Sport für Erwachsene der nötige Ausgleich ist, ist er das auch für die Kids. Und das fehlt uns allen in dieser Zeit.“

Und so hatten sich Chris Schwarz, Sven Binde und F-Junioren-Trainer Gökhan Bekmezci auch schon Anfang April etwas einfallen lassen, um dem Nachwuchs zumindest das Osterfest zu versüßen. Die jungen Eltern haben am Ostrachstadion, der Club-Spielstätte, einen Drive-in installiert, an dem die Eltern der Nachwuchskicker mit den Knirpsen und deren Geschwistern vorbeifahren, sich coronakonform kontaktlos eine personalisierte Schwarz-Weiß-Trinkflasche abholen und damit „zumindest so etwas wie Vereinsleben“ erleben konnten.

Chris Schwarz ist Torhüter beim FC Schwarz-Weiß Sonthofen und auch beim benachbarten 1. FC Sonthofen für die Jugendausbildung zuständig.
Chris Schwarz ist Torhüter beim FC Schwarz-Weiß Sonthofen und auch beim benachbarten 1. FC Sonthofen für die Jugendausbildung zuständig.
Bild: Björn Ahrndt

Denn das liegt derzeit wie bei der Jugend selbstredend auch bei den Männern des FCSW, die mit Marek Smertyka seit Anfang März einen neuen Trainer haben, brach. Der aktuelle Tabellenfünfte der A-Klasse Allgäu 4 halte sich zwar nach wie vor zweimal wöchentlich mit Cyber-Training und zusätzlichen individuellen Laufeinheiten fit – „aber auch wir spüren, dass es immer schwerer wird, die Laune zu halten“, gesteht Schwarz.

Bis heute keine Abmeldungen bei Schwarz-Weiß Sonthofen

Dass diese im gesamten Verein trotz der schwierigen Situation im Grunde nach wie vor noch im grünen Bereich liegt, belegt die Entwicklung bei den Mitgliederzahlen des FC Schwarz-Weiß Sonthofen. „Wir haben bis heute noch immer keine Abmeldungen. Das zeigt uns, dass der Zusammenhalt gut ist und, dass die Mitglieder die Arbeit der Trainer und des Vereins zu schätzen wissen“, sagt Schwarz.

Dennoch mache er sich große Sorgen, ergänzt der 34-Jährige, dass auch der FC in den kommenden Jahren „große Nachwuchsprobleme bekommt. Wir werden schauen müssen, wie wir die Kinder langfristig wieder von der Couch auf den Platz bekommen“, sorgt sich Chris Schwarz. „Darum ist es umso wichtiger, dass sie bald wieder raus dürfen. Lieber warten die Erwachsene noch ein wenig länger. Die Kinder müssen wir wieder spielen lassen.“