„Das A und O sind Bewegung und Spaß“

"Funino ist die Zukunft" - So finden Oberallgäuer Fußballer das neue Spielsystem

Bei Funino sollen alle Kinder mehr Ballkontakte, Dribblings und Spaß haben. In Hessen (Foto) wird das neue System seit drei Jahren praktiziert.

Bei Funino sollen alle Kinder mehr Ballkontakte, Dribblings und Spaß haben. In Hessen (Foto) wird das neue System seit drei Jahren praktiziert.

Bild: Marc Schüler/imago

Bei Funino sollen alle Kinder mehr Ballkontakte, Dribblings und Spaß haben. In Hessen (Foto) wird das neue System seit drei Jahren praktiziert.

Bild: Marc Schüler/imago

Der DFB plant für den Nachwuchs das neue Spielsystem „Funino“. Die Reaktionen von Jugendleitern und Funktionären aus dem Oberallgäu.
16.04.2021 | Stand: 13:50 Uhr

So wie Futsal den herkömmlichen Hallenfußball abgelöst hat, soll in den kommenden Jahren auch der Kinderfußball reformiert werden. Anstatt der Kleinfeldspiele im 7-gegen-7 will der DFB künftig auf eine andere Variante umsatteln: Funino, das heißt 3-gegen-3 auf kleinen Feldern und ohne Torhüter. Der DFB will bis 2023/2024 in ganz Deutschland Funino einführen. Für das neue System gibt es deutschlandweit zahlreiche Pilotprojekte, auch in Hessen.

„In den meisten Kreisen spielen wir seit drei Jahren Funino“, erzählt Sascha Wilke, Kinderfußball-Beauftragter beim Hessischen Fußball-Verband. „Es hat die alte Spielweise bei uns abgelöst und das ist gut so“, ergänzt der 43-Jährige: „Die Kinder sind nicht positionsgebunden und eher leistungsschwächere bekommen öfter den Ball.“ Der Kritik, dass Aufwand und Kosten enorm seien, hält er entgegen: „Bei uns klappt das einwandfrei. 16 Teams sind bei Turnieren dabei. Somit muss jeder Verein auch nur einmal in der Saison zu sich einladen.“ Wir haben im Oberallgäu Reaktionen zu „Funino“ gesammelt.

"Alle Spieler kommen zum Zug"

Axel Neubert (Jugendleiter 1. FC Sonthofen): „Die Trainingsform gibt es schon lange, und es ist sinnvoll, Funino auch als Spielsystem zu etablieren. Es wird hier nicht mehr nur gebolzt, die Kinder müssen sich bewegen und viel abspielen. Langfristig wird man nicht um Funino herumkommen, weil allgemein immer mehr die besten, kräftigsten und schnellsten Spieler eingesetzt werden. Diese Spielform garantiert aber, dass alle Spieler variabel bleiben müssen. Der Trainer hat gar nicht mehr die Möglichkeit, nur seine Besten spielen zu lassen. Man kommt so davon weg, dass jeder Spieler auf einer fixen Position ist – alle kommen überall zum Zug. Auch dass es keinen klassischen Torhüter mehr gibt, ist durchweg positiv. Der Torwart an sich ist ohnehin in den vergangenen Jahren einem Torspieler gewichen – und Funino unterstützt das. Das System wird also definitiv kommen – die Frage ist nur, wie stark die Vereine das mitgehen werden. Alles in allem bildet es Kinder aber in jedem Fall besser aus.“

Dino D’Aloisio (stellv. Jugendleiter DJK Seifriedsberg): „Funino ist eine supertolle Spielweise für die Kids, weil es für Fußballer im Kindesalter alles beinhaltet, was für die Entwicklung wichtig ist. Und es bietet den Spaß, das Gelernte umzusetzen. Denn wenn Kinder fußballspielen, setzen sich meist die starken Spieler durch – bei Funino wird sinnvoll gelernt, dass das Passen, das Bewegen und die Spielerpositionierung im Fokus steht. Das kann man besser lernen als im „Sechs gegen sechs“. Ich würde das Spielsystem sogar bei Bambini, über die F-Junioren und bis zur E-Jugend in den Ligen praktizieren. Das A und O sind Bewegung, Ballberührungen und der Spaß. Es mag vielen am Anfang ungewohnt erscheinen – alles was neu ist, wird gerne hinterfragt. Aber man weiß, dass es langfristig für die Entwicklung der Kinder ausschließlich positive Aspekte hat.“

"Vereine müssen über den Tellerrand blicken"

Mathias Schneider (Jugend-Spielgruppenleiter Oberallgäu und Kempten): „Am Anfang war ich von Funino nicht begeistert, zu fern war die Vorstellung, ein komplett neues System einzuführen. Doch ich habe erkannt, dass die Kinder enorm profitieren können. Der größte Vorteil ist, dass der Siegdruck nicht mehr so groß ist. Das Problem sind nicht die Spieler, sondern Eltern und Trainer. Denen sind Siege wichtiger, aber dadurch wird die Entwicklung der Kinder gestört. Der Zuspruch im Allgäu hält sich in Grenzen. Die Vereine müssen über den Tellerrand blicken und erkennen, dass die Entwicklung der Kinder wichtiger ist als ein kurzer Erfolgsmoment.“