Feier zum 100. Geburtstag verschoben

Corona bremst Wertacher Trachtler aus: „Jede Planung kann im Sand verlaufen“

100 Jahre Trachtenverein Wertach

D’Wertachtaler Wertach bei ihrem vergangenen Ausflug: „Wie es sich gehört, machen wir unseren Ausflug auch in unserem ’Schaffer-Dirndl’ und Lederhose“, sagt Vorsitzende Christine Haslach. Die Schürzen tragen die Farben des Werbekonzeptes für das Fest (petrol und grün), die Schurzbändel sind mit der Aufschrift „Trachtenverein Wertach“ versehen.

Bild: Christine Haslach

D’Wertachtaler Wertach bei ihrem vergangenen Ausflug: „Wie es sich gehört, machen wir unseren Ausflug auch in unserem ’Schaffer-Dirndl’ und Lederhose“, sagt Vorsitzende Christine Haslach. Die Schürzen tragen die Farben des Werbekonzeptes für das Fest (petrol und grün), die Schurzbändel sind mit der Aufschrift „Trachtenverein Wertach“ versehen.

Bild: Christine Haslach

Wegen der Corona-Pandemie musste der Trachtenverein "D’Wertachtaler" aus Wertach die Feier zum 100. Geburtstag verschieben. Wann das Fest nachgeholt wird.
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Von Eva Jansen
07.09.2021 | Stand: 17:01 Uhr

Der Gebirgstrachten- & Heimatverein „D’Wertachtaler Wertach“ wollte eigentlich Anfang September sein 100-jähriges Bestehen feiern. Wegen Corona wurde das dreitägige Fest auf 2022 verschoben. Darüber und über die bewegte Vereinsgeschichte sprach Eva Jansen mit der Vorsitzenden Christine Haslach.

Die Enttäuschung nach der Absage war wahrscheinlich riesengroß, denn die Vorbereitungen waren bereits weit fortgeschritten. Welche Überlegungen führten beim Vorstand zu dem Entschluss, das Jubiläumsfest auf das nächste Jahr zu verschieben?

Christine Haslach: Wenn ein Fest, dann g’scheid – da waren wir uns alle einig. Im Januar haben wir uns in der Vorstandschaft abgestimmt und entschieden, uns an den Entscheidungen der Großveranstaltungen wie Festwoche und Oktoberfest zu orientieren. Im März war dann klar: So, wie wir unser Fest durchführen wollen, wird es nicht gehen. Die Auflagen, das Hygienekonzept und deren Verantwortung wären zu groß gewesen. Die Vernunft und die staatlichen Vorgaben haben uns somit die Entscheidung vorgegeben.

Programmänderungen für die nachgeholte Feier 2022 sind nicht zu vermeiden

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Wann wird es stattfinden? Gibt es Programmänderungen?

Haslach: Den neuen Termin für unser Fest haben wir genau um ein Jahr nach hinten verschoben auf das Wochenende vom 2. bis 4. September. Programmänderungen mussten wir leider für den Freitagabend im Festzelt vornehmen. An diesem Tag war das Wertungsplatteln der IG Tracht Oberallgäu geplant. Da das Ausrichten des Wertungsplatteln bei den Mitgliedsvereinen der IG heiß begehrt ist, war diese Veranstaltung für 2022 leider schon vergeben. Alternativ haben wir nun Freitagabend 2022 einen Stimmungsabend mit „Waidigel“ für Vereine, Firmen und Stammtische geplant. Das Samstagabendprogramm mit „Plattler londs jucke“ und der „Riedberg Partyband“, sowie am Sonntag Gottesdienst, Frühschoppen mit der Musikkapelle Wertach, Festumzug und anschließend Stimmung im Zelt mit der Musikkapelle Petersthal und „Starzlachschwung“ bleibt so, wie wir ursprünglich geplant haben. Unseren offiziellen Festabend für Vereinsmitglieder und Ehrungen, der im Frühjahr in einem Saal geplant war, mussten wir auch auf 2022 verschieben.

Wie fühlt es sich an, Vorsitzende im Jubiläumsjahr zu sein?

Haslach: Ich denke, in normalen Zeiten wäre ich glücklich, aufgeregt und stolz zugleich. Aber die momentane Situation beschreibt es eher als hilflos, da mir die Hände gebunden sind und jede Organisation oder Planung im Sand verlaufen kann.

Christine Haslach, Vorsitzende von D’Wertachtaler Wertach.
Christine Haslach, Vorsitzende von D’Wertachtaler Wertach.
Bild: Christine Haslach

Was macht die Wertacher Tracht so einzigartig?

Haslach: Bei unserer Tracht handelt es sich um die Allgäuer Gebirgstracht. Auf den ersten Blick ähnelt unsere Gebirgstracht, vor allem im Oberallgäuer Raum, vielen anderen Trachten aus anderen Orten. Es sind kleine Unterschiede, die diese Tracht zur Wertacher Tracht machen. Auf was wir aber sehr viel Wert legen, ist ein einheitliches Erscheinungsbild. Bei uns sind zum Beispiel alle Rocklängen gleich angepasst, alle Blusen und Hemden sind einheitlich, auf den Lederhosen ist nur eine gelbe Stickerei zu finden. Ein „Irrläufer“ hat bei uns keine Chance und wird sofort aussortiert. Um diese Einheit zu bewahren, haben wir tolle Partner an unserer Seite, die uns unterstützen. Auch besorgen wir die Trachtenteile fast ausschließlich selber und stellen diese für die Mitglieder zur Verfügung. (Lesen Sie auch: Das sind 100 Jahre Fischinger Trachtenverein „D’Holzar“)

Hat der Verein Nachwuchssorgen?

Haslach: Unser Verein ist in mehreren Plattlergruppen aufgeteilt. Die Kleinsten sind im Alter zwischen fünf und neun Jahren, die Mittleren von zehn bis 15 Jahren und die Aktiven Plattler ab 16 Jahren. Eine weitere und wichtige Gruppe des Vereins ist unsere Historische Trachtengruppe. Nachwuchsprobleme gibt es nicht, im Gegenteil! Wir erleben seit ein paar Jahren eher einen Trachten-Boom. Von 420 Vereinsmitgliedern sind aktuell 150 aktiv. Wir zählen derzeit 55 Kinder und Jugendliche, 42 aktive Platter im Alter von 16 bis ca. 30 Jahren und circa 25 Trachtenträger und Trägerinnen der Historischen Trachtengruppe. Momentan sind noch weitere 24 Frauen und Männertrachten der Historischen Tracht in Arbeit, die bis zum Fest fertig sein werden.

Vorsitzende: "Es sind die 'externen' Gegebenheite, die uns vor große Herausforderungen stellen"

Was macht dem Verein zu schaffen?

Haslach: Im Verein selbst macht uns nichts zu schaffen, der Verein steht in allen Bereichen sehr gut da. Die Zusammenarbeit in der Vorstandschaft sowie mit allen Gruppierungen ist hervorragend. Es könnte diesbezüglich nicht besser laufen. Es sind eher die „externen“ Gegebenheiten, die uns vor große Herausforderungen stellen. Unter anderem können wir unser beliebtes Dorffest am Weißlackerplatz nicht mehr in einem Zelt durchführen, da die Abstände zu weiteren Gebäuden nicht eingehalten werden können und somit keine Freigabe des Landratsamtes erteilt wird. Weiter fehlt uns im Dorf ein Saal, eine Örtlichkeit für Veranstaltungen zum Beispiel für einen Festabend, Brauchtumsabende, Bikiniball etc. Aber all diese Herausforderungen machen uns nur stärker, wir werden diese annehmen und natürlich geeignete Alternativen finden.

Gibt es Ziele oder Visionen für die Zukunft?

Haslach: Das Handeln nach unserem Leitspruch der Vereinsfahne „Sitt und Tracht der Alten, wollen wir erhalten“ ist mir besonders wichtig: Brauchtum, Tradition, Dialekt bewahren und weitergeben. Der Zusammenhalt des ganzen Vereins zwischen Alt und Jung ist mir auch sehr wichtig. Und natürlich eines der größten Ziele ist die erfolgreiche Durchführung unseres Festes im kommenden Jahr.

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