Dem Fachkräftemangel entgegenwirken

Neustart: Auch mit 34 Jahren ist eine Berufsausbildung eine Chance

Nach ihrer Umschulung hat Iva Mileva bei Thorsten Pülm in der Steuerkanzlei Schwendinger, Keck und Partner in Kempten eine Arbeit gefunden. Dort hatte sie zuvor ein Praktikum absolviert.

Nach ihrer Umschulung hat Iva Mileva bei Thorsten Pülm in der Steuerkanzlei Schwendinger, Keck und Partner in Kempten eine Arbeit gefunden. Dort hatte sie zuvor ein Praktikum absolviert.

Bild: Katharina Huber

Nach ihrer Umschulung hat Iva Mileva bei Thorsten Pülm in der Steuerkanzlei Schwendinger, Keck und Partner in Kempten eine Arbeit gefunden. Dort hatte sie zuvor ein Praktikum absolviert.

Bild: Katharina Huber

Iva Mileva steht mitten im Familienleben, als sie sich für eine Umschulung zur Steuerfachangestellten entscheidet. Ermutigt hat sie ein aufmerksamer Vermittler.
20.03.2022 | Stand: 19:00 Uhr

Der Fachkräftemangel durchdringt fast jede Branche. Gegensteuern können Unternehmen zum Beispiel, indem sie selbst ihre künftigen Mitarbeiter ausbilden. Das teilt die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen mit. Dass eine Ausbildung auch für Menschen in Frage kommt, die bereits mitten im Familienleben stehen, zeigt laut Mitteilung das Beispiel von Iva Mileva.

Die gebürtige Bulgarin war 34 Jahre alt, als sie ihre Ausbildung zur Steuerfachangestellten begonnen hat. Die Mutter zweier schulpflichtiger Kinder hatte in ihrem Heimatland Betriebswirtschaft studiert und in einer Bank gearbeitet, stellte aber fest, dass ihr Studienabschluss in Deutschland nicht anerkannt ist. Als sie 2017 mit ihrer Familie nach Deutschland umsiedelte, arbeitete sie zunächst in der Systemgastronomie. Als sie arbeitslos wurde, erkannte ihr Arbeitsvermittler bei der Arbeitsagentur Sonthofen ihr Potenzial und schlug ihr eine zweijährige Umschulung vor.

Die deutsche Sprache stellt Mileva vor Herausforderungen in der Umschulung

„Zunächst hatte ich schon Sorge, das nicht schaffen zu können“, sagt Mileva. „Meine Deutschkenntnisse waren noch nicht perfekt und dazu habe ich zwei Kinder, die meine Unterstützung benötigen.“ Aber ihr Arbeitsvermittler habe ihr Mut gemacht. „Jetzt bin ich sehr froh, diese Chance genutzt zu haben.“

Im vergangenen Monat hat Mileva ihre Abschlussprüfung zur Steuerfachangestellten erfolgreich bestanden und arbeitet seit Anfang März in der Kemptener Kanzlei Schwendinger, Keck und Partner. Dort hatte sie bereits während der Umschulung durch die Deutsche Angestellten-Akademie GmbH ein Praktikum absolviert. „Auch während der Umschulung habe ich weiter Arbeitslosengeld bekommen“, sagt Mileva. „Das war eine große finanzielle Hilfe für mich und meine Familie.“

Fachkräftemangel macht sich in Steuerkanzlei bemerkbar

Für die Steuerkanzlei war die Umschulung ebenfalls eine Win-Win-Situation. „Wir kannten diese Möglichkeit schon durch eine andere Mitarbeiterin und waren zuversichtlich, dass Frau Mileva den Anforderungen gewachsen ist“, sagt Thorsten Pülm, Steuerberater und Partner in der Kanzlei. Schon in der Praktikumszeit sei Mileva auf ihre jetzige Tätigkeit vorbereitet und mit den Abläufen in der Kanzlei vertraut gemacht worden. Der Fachkräftemangel zeigt sich auch in Steuerkanzleien: „Es ist nicht leicht, ausgebildete Steuerfachangestellte zu finden. Wir setzen daher stark auf eigene Ausbildung und haben jedes Jahr ein bis zwei Auszubildende, die wir auch übernehmen, wenn die Ausbildung gut verläuft“, erklärt Pülm. Umschulung sei ebenfalls eine gute Möglichkeit für das Büro, Fachkräfte zu bekommen, die über berufliche Vorerfahrung verfügen.

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Einfach ist es dennoch nicht. Gerade um Fachbegriffe und die Rechtsgrundlage verstehen und anwenden zu können sind gute Deutschkenntnisse erforderlich. Für ausländische Umschulende sei ein berufsbezogener Deutschkurs sehr hilfreich, sagt Pülm. Auch die 34-jährige Bulgarin sieht ihre größten Schwierigkeiten noch in der deutschen Sprache, ist aber zufrieden mit der Umschulung.

Mileva will anderen Menschen Mut machen

„Ich hoffe, ich kann vielen Menschen Mut machen, eine Ausbildung zu absolvieren – auch in höherem Alter, mit Familie und trotz sprachlicher Hürden“, sagt Mileva. Die Anstrengungen zahlten sich aus. „Ich habe eine gute berufliche und finanzielle Zukunft, eine Arbeit, die mir Spaß macht und lebe meinen Kindern vor, dass sie viel schaffen können, wenn sie wollen.“

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