Triathlon-Portrait

Gegen jede Regel: Der märchenhafte Aufstieg von Triathlet Fabian Eisenlauer

Fabian Eisenlauer

Fabian Eisenlauer greift nach langer Leidenszeit wieder an: Der 28-jährige Sonthofer bereitet sich akribisch auf seine vierte Saison als Profi-Triathlet, heuer beim "hep Sports Team", vor.

Bild: Dominik Berchtold

Fabian Eisenlauer greift nach langer Leidenszeit wieder an: Der 28-jährige Sonthofer bereitet sich akribisch auf seine vierte Saison als Profi-Triathlet, heuer beim "hep Sports Team", vor.

Bild: Dominik Berchtold

Fabian Eisenlauer erlebt rasante Jahre bis in die Elite der Triathlon-Szene, ehe ein schwerer Unfall ihn aus der Bahn wirft. Wie er für die Rückkehr an die Spitze arbeitet.
14.03.2021 | Stand: 17:57 Uhr

Es ist das erste Bild, das sich einbrennt. „Aller Anfang ist schwer“, prangt auf der Homepage von Fabian Eisenlauer als Einstiegssatz. Als Motto. Als Lebensinhalt. „Es ist immer der erste Schritt, der wehtut, vor dem man sich fürchtet“, sagt Eisenlauer. „Traut man sich, dann wird es leichter.“ Der 28-jährige Sonthofer weiß, wovon er spricht. Eisenlauer vollzog innerhalb von zwei Jahren einen imposanten Einstieg in den Triathlon-Sport, erlebte in nur drei weiteren Jahren einen monumentalen Aufstieg in die Profi-Szene.

Von 2013 bis 2018 vom übergewichtigen Muffel zu einem der heißesten Eisen der Triathlon-Szene. „Als ich das Feuer gefunden habe, gab es kein Zurück mehr“, sagt Eisenlauer. Dieses Feuer flammt auf, wenn er von seiner märchenhaften Erfolgsgeschichte erzählt – und von dem Schicksalsschlag, der es fast löschte.

Eisenlauer: "Ich habe gesagt: So geht's nicht weiter"

Seinen schweren ersten Schritt ging Fabian Eisenlauer erst mit 21 Jahren. Dabei war der gebürtige Sonthofer gar nicht allzu unsportlich, versuchte sich in der Kindheit im Eishockey, Fußball und Tischtennis. „Trotzdem war ich übergewichtig. Als Kind und vor allem in der Teenagerzeit“, erinnert sich Eisenlauer. Gute Voraussetzungen – sagt der Ausdauersportler heute – hätte er vermutlich immer gehabt. Schließlich beweist das sein Cousin und Weltcup-Langläufer Sebastian Eisenlauer. Doch Fabian Eisenlauers Weg begann steinig. Zurückweisungen und Ignoranz erschwerten sein Leben in dieser Phase „in unterschiedlichen Bereichen“ in dem Ausmaß, dass der Oberallgäuer 2012 einen Entschluss fasste. „Ich habe in den Spiegel geblickt und habe mir gesagt: So geht’s nicht weiter“, sagt Eisenlauer. „Es war eine Mischung aus einem Wunsch nach Anerkennung und der Angst, immer weiter zurückgewiesen zu werden.“

Die „Folterkammer“, wie Ausdauersportler ihre privaten Trainingsräume nennen: Hier schuftet Fabian Eisenlauer nach seiner langen Pause für die neue Saison.
Die „Folterkammer“, wie Ausdauersportler ihre privaten Trainingsräume nennen: Hier schuftet Fabian Eisenlauer nach seiner langen Pause für die neue Saison.
Bild: Dominik Berchtold

2013 tastete er sich auf Initiative seines Schwagers und seines Stiefbruders an einen Triathlon heran – und versagte kläglich. „Es ist nicht schön, wenn man nach zwölf Metern beim Schwimmen untergeht, man mit 15 Kilo zu viel läuft und einen der Gegenwind auf dem Rad zermürbt“, sagt Eisenlauer. „Diese Erfahrung hat in mir den Ehrgeiz geweckt.“ Er hatte Blut geleckt, wurde aus dem Stand autodidaktisch zum Musterathleten. Schon 2015 gewann er das erste Mal beim Allgäu-Triathlon in Immenstadt auf der Sprintdistanz. „Ich habe den Spaß gefunden und bin gut geworden“, sagt Eisenlauer. „Und mit dem ersten Sieg habe ich gemerkt, das könnte was werden mit dem Triathlon.“ Und das wurde es.

Eisenlauer ging dieser Zeit auf die Berufsoberschule, absolvierte seine Lehre als KFZ-Mechatroniker und feilte parallel an seiner Karriere. 2015 habe er gemerkt, er sei „auf einmal der Schnellste“ und habe „testen wollen, wie weit es geht“. Der Anfang war gemacht, Eisenlauers imposante Reise schien unaufhaltsam zu sein. 2016 schon wurde der 1,74 Meter große Athlet Vize-Europameister am Walchsee in der Altersklasse bis 25 – ein Erfolg, der ihm „eine unglaubliche Motivation gegeben hat, meinen Weg weiterzugehen.“ Steil an die Spitze.

Kometenhafter Aufstieg im Triathlon 2018

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2017 gewann er als Sieger aller Altersklassen beim Ironman 70.3 im Kraichgau, wurde da Gesamt-Achter im Wettkampf mit Profis und später gesamtdeutscher Vizemeister beim Allgäu-Triathlon. Bei der WM in Chattanooga gab es Rang zehn, ehe 2018 der Durchbruch folgte. Die WM war der Türöffner zum Profi-Geschäft - heute fährt er für das "hep Sports Team" aus Heilbronn. Eisenlauer triumphierte bei der „Challenge Gran Canaria“, brillierte mit Streckenrekord beim Sprint im Triathlon in Oettingen und holte sich ebenfalls mit Streckenrekord in der Heimat den zweiten Erfolg beim Allgäu-Triathlon. 2019 folgten der sechste Platz beim Chiemsee-Triathlon, der Sieg beim Halbmarathon in Kempten und Rang zwei auf der Olympischen Distanz beim Ingolstadt-Triathlon. Sein Weg schien vorgezeichnet. Bis zum 12. August 2019.

Beim Rennrad-Training in der Schweiz erwischte eine Windböe den Sonthofer, der die Kontrolle verlor und eine Böschung hinunterstürzte. Schlüsselbein und Handgelenk waren gebrochen, die Schulter schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Zwangspause nach dem Krankenhausaufenthalt in St. Moritz kostete den Ausnahme-Triathleten unter anderem die ersehnte Titelverteidigung beim „Kult am Alpsee“. Eisenlauer allerdings erkannte in dieser Stunde das Wesentliche. „Ich war nach der langen Reha an einem Punkt angekommen, an dem ich froh darüber war, dass ich den Sport wieder machen kann, dass ich überhaupt am Leben teilnehmen kann“, sagt der 28-Jährige. „Es kann alles so schnell gehen.“

Dramatischer Unfall mit dem Rennrad in der Schweiz

Er kämpfte sich zurück, nutzte den Winter, um sich in Form zu bringen. Eisenlauer sah sich sogar in der besten Verfassung seines Lebens, wollte das unter Beweis stellen, konnte es in der wegen der Pandemie zerpflückten Wettkampf-Saison 2020 allerdings nicht. „Ich habe zum Ende der Saison vermutlich etwas überpaced. Mein Körper bekam keine Ruhepausen, die ich ihm sonst gegönnt hätte“, weiß Eisenlauer. Sein Körper holte sich die Auszeit. Anfang Oktober bildete sich durch die Überbelastung ein Knochenödem am Oberschenkelhals – über drei Monate war Eisenlauers Triumphzug erneut jäh gestoppt.

„Bei dem Unfall hat es geknallt und da war sichtbar, was Sache ist. Das Ödem war nie sichtbar, es war unsicher für mich, wann und wie ich weitermachen kann. Beide Situationen waren ungemein schwierig und haben mich geprägt“, sagt Eisenlauer. Heute trainiert er wieder, läuft wieder, erhöht die Schlagzahl sukzessive, um wieder an die Spitze zu gelangen. Aber: Fabian Eisenlauer geht nun neue Wege.

Vom sportwissenschaftlichen Institut in Köln hat er sich mit Dr. Sebastian Zeller professionelle Hilfe für Leistungsdiagnostik, Trainingswissenschaft und -methodik geholt. Privat gibt der 28-Jährige „Personal Trainings“ für Profis, Hobbysportler und solche, die den Schritt zur Überwindung des Schweinehunds gehen wollen. So wie einst Fabian Eisenlauer. „Der Anfang war reine Überwindung für mich. Heute weiß ich es mehr denn je zu schätzen, dass ich meinen Sport wiederhabe“, sagt Eisenlauer. „Ich mache all das nicht, weil ich muss, sondern, weil ich will. Denn ich habe auch gesehen, dass es anders gehen kann.“