Festival im Ostrachtal

Geiger Florian Meierott hebt in Bad Hindelang funkelnde Schätze

Florian Meierott

Mit Leidenschaft, Spielfreude und Feinsinn: Florian Meierott interpretiert hoch differenziert in Bad Hindelang Telemanns Fantasien für Violine solo.

Bild: Günter Jansen

Mit Leidenschaft, Spielfreude und Feinsinn: Florian Meierott interpretiert hoch differenziert in Bad Hindelang Telemanns Fantasien für Violine solo.

Bild: Günter Jansen

Höhepunkt bei „Ein Ort wird Musik“ in Bad Hindelang: Geiger Florian Meierott lässt die Fantasien von Telemann in vielen Facetten funkeln. Wie das Spiel gefällt.
30.06.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Manche Sterne strahlen so hell, dass man in ihrem Umfeld vieles nicht mehr wahrnimmt. So versuchen sich viele Geigenvirtuosen an den sechs Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Doch daneben existiert noch anderes Wertvolles, wie jetzt ein Konzert in der Bad Hindelanger Pfarrkirche St. Johannes Baptist verdeutlichte.

Geistreiche Unterhaltung

Dort widmete sich der Geiger Florian Meierott zum Auftakt seines Festivals „Ein Ort wird Musik“ den Fantasien für Violine solo von Georg Philipp Telemann. Sie entstanden etwa 15 Jahre nach Bachs Zyklus, etwa um 1735. Und auch sie wissen geist- und anspruchsvoll zu unterhalten. Ähnlich wie Bach in den Partiten sprengt Telemann den überlieferten Formkanon, greift aber auch immer wieder auf die traditionelle Form der sogenannten Kirchensonate zurück, so etwa in der ersten Fantasie, in deren vier Sätzen jeweils ein langsamer mit einem schnellen Satz wechselt.

Feinste Nuancen zwingen zum Lauschen

Florian Meierott gestaltet diesen ersten Satz, ein Largo, wie eine Improvisation: ein bedächtiges Tasten, ein Suchen, ein Finden, ein Verwerfen von Gedanken. Schließlich beginnt die Musik, allmählich an Kontur zu gewinnen, zu fließen, zu strömen. Sie glitzert, sie leuchtet, sie funkelt. Dann wieder schimmert sie verhalten. Wie alle weiteren – von den insgesamt zwölf Stücken des Zyklus’ sind an diesem Abend neun zu hören – spielt Florian Meierott diese Fantasie hoch differenziert, deutet sie spannungs- und vor allem hörbar lustvoll aus, überwältigt die Hörer nicht nur mit virtuosen Läufen, sondern zwingt sie, feinsten Nuancen zu lauschen. So offenbart Florian Meierott den musikalischen Reichtum dieser Fantasien.

Wie die Schwüre eines Liebenden

In seiner Interpretation hat die Nummer zwei in G-Dur mit der Nummer eins in B-Dur nichts mehr gemein. Sie gleicht vielmehr einer Arie, die mit einem Largo, einem langsamen Satz, beginnt, der sich leidenschaftlich steigert, wie die Schwüre eines Liebenden. Der hüllt seine Beteuerungen, die in zwei schnellen Sätzen gipfeln, in anmutigste Ausschmückungen und Verzierungen.

Ein Kosmos an Stimmungen

Einen enormen Kontrast zu dieser fast opernhaften Szene bildet die dritte Fantasie in f-Moll, die einen sehr ernsten Ton anschlägt und schon im ersten Satz, dem Adagio, einen leidenden Charakter zeichnet. So durchschreitet Florian Meierott von Fantasie zu Fantasie einen ganzen Kosmos an musikalischen Stimmungen und Gefühlszuständen.

Ein Idyll voller Wärme

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Im Dolce, dem ersten Satz der siebenten Fantasie in Es-Dur, beschwört er zum Beispiel ein zartes, duftiges Lied. Die Siciliana, der erste Satz der neunten Fantasie in h-Moll, entwickelt ein Idyll voller Wärme und Geborgenheit, das in höchste Höhen führt, und dem im folgenden Vivace und Allegro ein überschwänglicher Jubel folgt. Doch der ist nie platt, sondern voller musikalisch filigraner Pointen.

Aufforderung zum Rundtanz

So steigert sich der Abend von Stück zu Stück, fordert mit ansteckender Spielfreude in der Fantasie zehn in D-Dur förmlich zum Mitmachen auf, trumpft in der Fantasie zwölf mit fast majestätischer Würde und Kraft auf und verführt augenzwinkernd in der als Zugabe servierten Fantasie vier in D-Dur mit volkstümlichen Rhythmen zum Rundtanz.

Weiter geht’s Anfang Oktober

Die Kraft der Musik vermag dabei sogar scheinbar das Wetter zu besänftigen: Denn prasselten zu Beginn noch Regentropfen und Hagelkörner gegen Dach und Fenster der Kirche, lachte am Ende wieder die Sonne durch die Scheiben. Tourismusdirektor Max Hillmeier erläuterte zu Beginn, wie sich das Festival „Ein Ort wird Musik“ gewandelt hat. Anstelle einer vollgepackten Woche im Herbst seien heuer die Veranstaltungen auf zwei Wochenenden verteilt, eines Ende Juni und eines Anfang Oktober. Auf Letzteres kann man sich schon jetzt freuen.

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