Sportserie "Nach-Spiel-Zeit"

Gelungener Absprung: Wie Ex-Fußball-Profi Dragan Paljic heute lebt

2011 erlebte Dragan Paljic (Zweiter von links) mit der polnischen Meisterschaft mit Wisla Krakau den größten Erfolg seiner Laufbahn.

2011 erlebte Dragan Paljic (Zweiter von links) mit der polnischen Meisterschaft mit Wisla Krakau den größten Erfolg seiner Laufbahn.

Bild: imago

2011 erlebte Dragan Paljic (Zweiter von links) mit der polnischen Meisterschaft mit Wisla Krakau den größten Erfolg seiner Laufbahn.

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Vor fünf Jahren beendet Dragan Paljic seine Profi-Karriere. Heute lebt der Blaichacher mit seiner Familie bei Heidelberg – und steht mit beiden Beinen im Leben.
18.01.2021 | Stand: 17:55 Uhr

Sie sind Olympiasieger und waren Publikumslieblinge, haben die Region auf der großen Weltbühne des Sports vertreten oder sind zur Clublegende im benachbarten Dorfverein geworden. In unserer neuen Rubrik „Nach-Spiel-Zeit“ erzählen wir die Geschichten von zurückgetretenen Sportlern, deren Karrieren die Menschen der Region bewegt haben. Im elften Teil blicken wir auf Fußballer Dragan Paljic.

Der 19. April 2015 war für Dragan Paljic ein denkwürdiger Tag – im Nachhinein. An diesem Tag bestritt der 37-Jährige für den westaustralischen Erstligisten Perth Glory sein letztes Spiel als Fußball-Profi. „Es war ein Heimspiel, in dem wir vor 15 000 Zuschauern einen 3:1-Sieg gegen Melbourne City feiern durften“, erzählt Paljic. Vor der Partie stand zwar die Rückkehr nach Deutschland bereits fest – der ältere Sohn des zweifachen Familienvaters sollte im Heimatland weiter zur Schule gehen – das Karriereende war jedoch noch nicht besiegelt. Da er bei seiner Familie bleiben wollte, lehnte Dragan Paljic allerdings einige Angebote ab und entschied sich letztendlich für „die Karriere nach der Karriere“.

Nachdem er während seiner Zeit in den Niederlanden bei Heracles Almelo bereits ein Sportmanagement-Studium abgeschlossen hatte, unternahm er nach seiner Australien-Rückkehr eine Umschulung zum Industriemechaniker und erwarb zusätzlich noch die Trainer A-Lizenz. Das runde Leder konnte der ehemalige Kicker des TSV Blaichach aber auch mit 32 Jahren noch nicht ganz ruhen lassen. Daher kickte er zunächst für den 1. CfR Pforzheim in der fünften Liga, bevor er zwei Klassen darunter beim ASV Durlach in der württembergischen Landesliga als Spielertrainer tätig wurde. Dieses Engagement beendete er im vergangenen Jahr, weil es sich zeitlich nicht mit seinem Beruf als Vertriebsleiter eines Mannheimer Unternehmens für erneuerbare Energien vereinbaren lässt.

Paljic: "Ein gutes Alter für den Absprung"

Das Ende seiner Profilaufbahn bezeichnet Dragan Paljic rückblickend als „kluge Entscheidung“, weil er „ein gutes Alter für den Absprung“ hatte und heute glücklich resümieren kann, dass er diesen ins, wie er sagt, „reale Leben“ geschafft hat. Denn heute kommt ihm sein früherer Alltag als Profikicker oft als „surreales Leben“ vor, weil der Fokus in erster Linie dem nächsten Spiel galt. Da er Realist sei, sagt Paljic, sei ihm der Schritt, der ihm nach dem Karriereende bevorstand, bewusst gewesen. Mit der Entwicklung ist er jedoch rundherum zufrieden, da er „beruflich Glück“ hatte und einen Job ausübt, der ihm Spaß bereitet. Auf Nachfrage verrät er aber, dass er das Rampenlicht doch ein wenig vermisse.

Ob herzliche Abschiede, wie hier 2009 mit seinem Sohn auf dem Arm nach der Zeit in Kaiserslautern, oder herausragende Momente, wie die Meisterschaft in Polen mit Wisla Krakau: Dragan Paljic blickt glücklich auf seine Karriere als Profi-Fußballer.
Ob herzliche Abschiede, wie hier 2009 mit seinem Sohn auf dem Arm nach der Zeit in Kaiserslautern, oder herausragende Momente, wie die Meisterschaft in Polen mit Wisla Krakau: Dragan Paljic blickt glücklich auf seine Karriere als Profi-Fußballer.
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Am meisten fehlten ihm „die Jungs und das Zusammensein mit Teamkollegen in der Kabine“, sagt Paljic. Zu vielen, sowohl aus dem Profi- als auch aus dem Amateurbereich, hat er heute noch regen Kontakt. Auch in seine ehemalige Heimat, das Oberallgäu, in dem seine Eltern und Geschwister leben, macht der 37-Jährige alle paar Monate mal einen Abstecher.

Aufstieg mit Kaiserslautern, Meister mit Krakau

Wenn Dragan Paljic an seine Profi-Zeit, an Spiele vor über 60 000 Zuschauern und an seine Bundesliga-Partien zurückdenkt, gerät er ins Schwärmen. Aus den zwölf Profijahren hat er nicht nur eine Menge Anekdoten zu erzählen, es haben sich auch viele Highlights angesammelt, an die er gerne zurückdenkt. Angefangen von seinem Profi-Debüt für die TSG Hoffenheim und dem folgenden denkwürdigen Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga, über die besondere Stimmung am legendären Betzenberg in Kaiserslautern, wo er mit dem FCK den Aufstieg feiern durfte, bis hin zur Meisterfeier mit Wisla Krakau in Polen mit 80 000 Fans und den Europa-League-Spielen. Nachdem er in Holland vor allem im technischen und taktischen Bereich „viel mitgenommen“ hat, das er heute seinem Sohn weitergibt, folgte „der exotische Abschluss“ in Australien. „Meine Karriere war eine Riesenerfahrung und ich bin dankbar, dass ich so viele Facetten kennenlernen durfte“, sagt Paljic.

Merklich stolz ist der 37-Jährige darauf, dass seine Söhne in seine Fußstapfen treten. Vor allem Damjan (12) „ist ein Talent, besitzt den Ehrgeiz und hat richtig Bock“, lobt der Papa den Kicker, der in der U 13 des Nachwuchsleistungszentrums des SV Sandhausen kickt. In ihrer neuen Heimat, Walldorf im Kreis Heidelberg, fühlt sich Familie Paljic wohl: „Es ist eine tolle Gegend, wir haben eine super Infrastruktur, die alles bietet, was das Herz begehrt“, beschreibt der Ex-Profi seine Wahlheimat, von der aus es nicht nur einen Katzensprung nach Heidelberg ist, sondern auch Metropolen wie Mannheim und Frankfurt nicht weit weg sind.

Sportlich hätte Dragan Paljic zwar immer mal wieder die ein oder andere Chance als Co-Trainer anzufangen. Da er aber „beruflich erfüllt“ ist, ist das für den 37-Jährigen keine Option. Ausschließen will es der Ex-Profi jedoch nicht, dass ihn die Fußballwelt irgendwann auf der Trainerbank wiedersieht.