Ein Wahl-Hindelanger stellt aus

Gemälde zeigen in Fischen Mexicos Schönheit und dunkle Schatten

18 El Enquentro inolvidable Guatemala 1964

Der 89-jährige Maler Nic Albrecht, der in Bad Hindelang lebt, zeigt in Fischen Gemälde, die in den 60er Jahren in Mexico entstanden sind - wie "Das unvergessliche Erlebnis".

Bild: Nic Albrecht

Der 89-jährige Maler Nic Albrecht, der in Bad Hindelang lebt, zeigt in Fischen Gemälde, die in den 60er Jahren in Mexico entstanden sind - wie "Das unvergessliche Erlebnis".

Bild: Nic Albrecht

Die Bilder von Nic Albrecht aus Bad Hindelang erzählen von der Faszinationskraft Mexicos. Sie lenken aber auch den Blick auf die Menschen und ihre Probleme.
30.06.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Die schwarzen Augen stechen unter dem Schild der Schirmmütze aus dem Dunkel hervor. Sie verheißen nichts Gutes. Ebenso wie das Gewehr, das die Frau in Händen hält. Auch wenn sie an der Jacke ihrer Tarnuniform eine Rose trägt. „Die unvergessliche Begegnung“ hat Nic Albrecht dieses Bild genannt, das 1964 in Guatemala entstand.

Gastvorlesungen in Mexico

Der 89-jährige Künstler, der heute in Bad Hindelang lebt, hielt damals Gastvorlesungen an der renommierten Universität Iberoamericana in Mexico und bereiste dieses und auch andere Länder Mittelamerikas. Eine Auswahl seiner damals entstandenen Werke zeigt er nun in einer Ausstellung im Fischinger Kurhaus Fiskina. Ergänzt werden diese fast 50 Jahre alten Arbeiten durch dokumentarische Fotografien und durch neuere Werke, die das alte Thema wiederaufgreifen.

Die Faszinationskraft des Fremden

Nic Albrecht, Schüler von Hann Trier (1915 - 1999), einem Meister des Informel, einer freiabstrakten und bewusst inhaltslosen Kunstrichtung, wandte sich damals der neofigurativen Malerei zu und wollte seinen Bildern wieder eine klare Aussage geben. Die erzählt von der Faszinationskraft der fremden Kultur und Natur, ihren Schönheiten, aber auch ihren Schattenseiten. Sie erzählt von der Lebensfreude und Offenheit der Menschen, von der Würde und der Geschichte der Ureinwohner, vom Elend und der Perspektivlosigkeit der armen Bevölkerung.

„Das Leben ist nichts wert“

Vor allem die sozialkritische Aussage hat Nic Albrecht nochmals nachgeschärft, als er einige der Mexico-Motive vor einiger Zeit neu bearbeitete. „Das Leben ist nichts wert“ prangt an einer Wand, vor der eine Mutter mit ihrem Nachwuchs steht. Die indigene Frau im Profil gleicht einer stolzen Statue, während die Kinder mit großen Augen den Betrachter fragend anstarren.

Flirrende Farbenpracht

Neben solch anklagenden Werken finden sich Studien aus dem dichten Dschungel von Guatemala oder von der flirrenden Farbenpracht der Boote auf den Kanälen von Xochimilco, der mexikanischen Stadt mit den „Schwimmenden Gärten“. In einem Meer bunter Blüten thront ein Quetzal, der Nationalvogel von Guatemala. In einer strengen Schwarz-Weiß-Studie reißt ein fauchender Tiger sein furchterregendes Maul auf.

Eine farbige Schönheit sucht ihren Weg

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Rückblick

„Plötzlich ein Aufschrei, der erste Turm stürzt ein“

Diese Studie entstand in New York. Dorthin führte Nic Albrecht 1963 ein Stipendium der Henry-Ford-Stiftung. Und dort erhielt der Maler dann auch die Einladung nach Mexico. Der Kontrast beider Kulturen spiegelt sich in Arbeiten wie „Liliana macht es in New York“. Eine selbstbewusste, farbige Schönheit sucht sich ihren Weg zwischen grauen, uniformen Wolkenkratzern. Ob sie ihr Glück findet? Weniger optimistisch blicken drei Migranten in die Zukunft, hinter deren Köpfen sich die Hochhäuser erheben.

„Die Geburt der Zeit“

Vielleicht werden diese Wohntürme einst Relikte sein wie der Sonnentempel, vor dem die parkenden Autos ein Feld bilden, wie in dem Bild „Die Geburt der Zeit“. Dort überdeckt ein aus Stein gemeißelter Menschenkopf die ganze Szenerie. Er erinnert an die alte Kultur.

In sich ruhende Statuen

Und so urwüchsig und unverrückbar inszeniert Nic Albrecht auch die Ureinwohner in seinen Arbeiten. Sie gleichen fest gefügten, in sich ruhenden Statuen, die aus ihrem Umfeld nicht verbannt werden sollten. So nimmt der Künstler mit ausdrucksstarken Bildern Stellung zu einer Zeit, in der auf die Rechte der ursprünglichen Bevölkerung wenig Augenmerk gelegt wurde. Und selbst heute scheint dieses Problem noch nicht aus dem Weg geräumt zu sein. Nicht nur deshalb wecken Nic Albrechts Bilder auch heute noch tiefe Emotionen.

Öffnungszeiten: bis 10. August, täglich von 9 bis 17 Uhr.

Der Künstler:

Nic Albrecht

wurde am 15. April 1932 in Ostpreußen geboren,

arbeitet zunächst nach einem dementsprechenden Studium in Berlin als Konstruktions-Ingenieur bei Siemens,

studiert dann freie Kunst sowie Kunstgeschichte in Berlin und Perugia,

entwickelt Arbeiten zu „Krieg und Frieden“,

erhält 1963 den Preis der Henry-Ford-Stiftung, der ihm Aufenthalte in New York und Mexico ermöglicht,

entwickelt ab 1965 in Berlin eine neue multimediale Form von Ausstellungen mit politischer Kunst, mit der er weltweit erfolgreich ist,

wendet sich ab 1990 der Marine-Malerei zu,

lebt seit 2011 mit seiner Frau Marion in deren Heimatort Bad Hindelang.

Bilderstrecke

Bilder von Nic Albrecht über die Faszinationskraft Mexicos

Nic Albrecht im Internet