Klassik im Oberallgäu

Geniales von Brahms: Neujahrskonzert will Lust auf Oberstdorfer Musiksommer machen

Trio Opus 8

Seit 1986 ein erfolgreiches Ensemble: (von links) Eckhard Fischer, Violine, Michael Hauber, Klavier, und Mario de Secondi, Violoncello, beim Konzert 2021 im Oberstdorf-Haus.

Bild: Günter Jansen

Seit 1986 ein erfolgreiches Ensemble: (von links) Eckhard Fischer, Violine, Michael Hauber, Klavier, und Mario de Secondi, Violoncello, beim Konzert 2021 im Oberstdorf-Haus.

Bild: Günter Jansen

Violinist Eckhard Fischer, Leiter des Oberstdorfer Musiksommers, gestaltet mit seinem Trio Opus 8 ein Konzert zum neuen Jahr und blickt aufs Festival voraus.
06.01.2022 | Stand: 15:00 Uhr

Es ist der Versuch, trotz der Corona-Pandemie zu ein wenig Normalität zurückzufinden. Eckhard Fischer, der Leiter des Oberstdorfer Musiksommers, gestaltet mit seinem Trio Opus 8 das mittlerweile schon traditionelle Konzert zum neuen Jahr am Samstag, 8. Januar. Vergangenes Jahr konnte es erst im Sommer stattfinden.

Eine Alternative

Zwar dürfen in Bayern bei Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen derzeit nur 25 Prozent der Plätze belegt werden, aber das Oberstdorf-Haus bietet eine Alternative: Wird der für Kammermusik besonders geeignete Saal Breitachklamm zu klein, kann in den großen Saal Nebelhorn umgezogen werden. Dort findet denn auch heuer der Auftritt des Trios statt. Denn es seien bereits 100 Karten verkauft, erzählt Eckhard Fischer.

Intimer Charakter

Der Umzug macht allerdings wieder den Einbau eines Podiums nötig, das dem des kleinen Saales entspricht. Auch soll die Bestuhlung so gestaltet werden, dass der große Raum einen eher intimeren Charakter erhält. Denn auf dem Programm des Konzertes steht unter anderem ein vom Komponisten klanglich fein ausbalanciertes Werk in ungewöhnlicher Besetzung, erläutert Eckhard Fischer: das Trio für Horn, Violine und Klavier von Johannes Brahms.

Hornistin aus Kempten

Das Horn spielt dabei eine gebürtige Kemptenerin: Claudia Strenkert, Solohornistin des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters in Hamburg. Sie stellt sich zudem mit dem Adagio und Allegro in As-Dur von Robert Schumann vor, das in der Originalbesetzung für Horn und Klavier erklingt. Konzert-Partner am Klavier ist Michael Hauber vom Trio Opus 8.

Kühnes Werk

Das Kammermusik-Ensemble, dem neben Violinist Eckhard Fischer auch Cellist Mario de Secondi angehört, spielt seit der Gründung 1986 in unveränderter Besetzung. Es hat zahlreiche Preise abgeräumt. Heuer wird es in Oberstdorf das Klaviertrio in C-Dur, op. 87, von Johannes Brahms präsentieren. Ein besonders kühnes, formal und klanglich modernes Werk, wie Eckhard Fischer erklärt, das bei der Uraufführung insbesondere die Pianistin Clara Schumann, die im Publikum saß, irritierte.

"Schlagen, Stoßen, Grabbeln"

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Sie urteilte damals vor allem über den Pianisten vernichtend: „Leider nur spielt Brahms immer schrecklicher – es ist nichts mehr als ein Schlagen, Stoßen, Grabbeln.“ Was Clara Schumann wohl so irritierte, waren die schroffen Intervallsprünge im ersten Satz und die Überschwänglichkeit der Gefühle im vierten Satz, vermutet Eckhard Fischer. Diese Sätze rahmen einen Varitationensatz mit einem ungarischen Thema im Andante-Tempo und ein geisterhaftes Scherzo.

Meisterwerke beim Musiksommer

Das Geniale an diesem Trio wollen nun die Musiker um Musiksommer-Leiter Eckhard Fischer neu zum Leuchten bringen. Und auch der Oberstdorfer Musiksommer selbst, dessen Programm bei diesem Abend veröffentlicht werden soll, bietet etliche Meisterwerke in vielversprechender Interpretation.

Drei Orchester

Drei Orchester wurden in diesem Jahr für das Festival verpflichtet, erzählt dessen künstlerischer Leiter. Sie präsentieren Meilensteine der Musikgeschichte wie das Doppelkonzert von Johannes Brahms, die siebente Sinfonie von Antonín Dvořák, die Sechste von Anton Bruckner und die Erste von Gustav Mahler sowie das dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow. Solisten im Doppelkonzert von Brahms sind dabei die Geigerin Antje Weithaas und der Cellist Maximilian Hornung, der dem Festival schon lange verbunden ist.

Langjährige Dozentin

Auch weitere Begegnungen mit bereits beim Festival bestens bekannten Künstlern bietet das Programm, so etwa ein Konzert mit dem Bartholdy-Quartett, dem die langjährige Bratschendozentin des Festivals, Barbara Westphal, angehört, oder dem Ensemble German Brass, das schon viele bejubelte Konzerte in Oberstdorf gestaltete, oder dem vielfach preisgekrönten Trio Gaon, das immer wieder in der Region Begeisterungsstürme auslöst. Ein im Vorjahr bestens angenommenes, neues Konzept soll ebenfalls wiederholt werden, sagt Eckhard Fischer: das Wandelkonzert. Die Dozenten der Meisterkurse gestalten eine Klassik-Nacht, bei der die Besucher aus einem Angebot kulinarischer und musikalischer Köstlichkeiten wählen können.

Jazz auf der Kanzelwand

Während heuer wieder – wegen immer noch fehlender Nachtfahr-Erlaubnis der neuen Nebelhornbahn – auf ein Konzert auf diesem Berg verzichtet wird, gibt es Jazz auf der Kanzelwand im Kleinwalsertal und Kammermusik auf dem Fellhorn mit dem herausragenden tschechischen Bennewitz-Quartett. Neben ihm präsentiert das Festival heuer auch die vielversprechende Geigerin Sarah Christian und den aus Leutkirch stammenden, vielseitigen Saxophonisten Christian Segmehl. Bleibt nur zu hoffen, dass die Corona-Pandemie bis dahin wieder fest unter Kontrolle ist.

Größere Abstände

„Wir planen wieder mit größeren Abständen bei der Bestuhlung“, erklärt Eckhard Fischer die Vorsichtsmaßnahmen des Festival-Teams. Denn niemand wisse, welche staatlichen Vorgaben es im Sommer für Kulturveranstaltungen gebe. Das vergangene Jahr sei erneut kein gutes für Solokünstler gewesen. Diese lägen ihm besonders am Herzen, sagt Eckhard Fischer. Ihnen möchte er mit dem Festival bestmögliche Auftrittsmöglichkeiten geben. Er selbst und seine Kollegen vom Trio Opus 8 seien nicht zu 100 Prozent vom Solokünstlerdasein abhängig. Denn sie alle unterrichten an einer Musikhochschule. Eckhard Fischer zum Beispiel ist Professor für Violine an der Musikhochschule Detmold.

Das Konzert: Das Konzert zum neuen Jahr des Oberstdorfer Musiksommers findet am Samstag, 8. Januar, um 17 Uhr im Oberstdorf-Haus statt. Es spielen Hornistin Claudia Strenkert sowie das Trio Opus 8 mit Festivalleiter Eckhard Fischer (Violine), Mario de Secondi (Violoncello) und Michael Hauber (Klavier). Karten gibt es im Festivalbüro sowie online unter

www.oberstdorfer-musiksommer.de

Die Regeln: Für das Konzert gilt die 2G-plus-Regel (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene mit aktuellem negativem Test oder Boosterimpfung) und FFP2-Maskenpflicht. Der Mindestabstand muss eingehalten werden.

Das Festival: Der Oberstdorfer Musiksommer ist vom 28. Juli bis zum 14. August geplant. Er bietet Meisterkurse und Konzerte. Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag, 17. Januar, im Festivalbüro und im Internet.

Der Oberstdorfer Musiksommer.

Der Violinvirtuose Eckhard Fischer.

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