Gesundheit

Giftpilz gegessen - und nun? Ein Allgäuer Experte klärt auf

Schön, aber wie viele andere Pilze giftig: Der Fliegenpilz.

Schön, aber wie viele andere Pilze giftig: Der Fliegenpilz.

Bild: Brutscher

Schön, aber wie viele andere Pilze giftig: Der Fliegenpilz.

Bild: Brutscher

Frank Schönmetzler vom Roten Kreuz erklärt, was man tun sollte, wenn man einen giftigen Pilz gegessen hat.
Schön, aber wie viele andere Pilze giftig: Der Fliegenpilz.
Von Allgäuer Anzeigeblatt
13.09.2020 | Stand: 11:42 Uhr

Warme Temperaturen und zwischendurch immer mal wieder Regen: Das ist bestes Pilzwetter. Wer sich bei Steinpilz, Marone und Parasol gut auskennt und fündig wird, kann sich auf eine leckere Mahlzeit freuen. Wer versehentlich einen ungenießbaren, verdorbenen oder giftigen Pilz isst, dem drohen jedoch Organschäden oder gar ein tödlicher Verlauf. Frank Schönmetzler vom Roten Kreuz im Oberallgäu rät, bei den ersten Anzeichen einer Vergiftung umgehend einen Arzt aufzusuchen.

Was sind die Symptome einer Pilzvergiftung?

Symptome einer Pilzvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufprobleme, Halluzinationen, Schweißausbrüche, Hitzegefühl, beschleunigter Puls, Blutdruckabfall, erweiterte Pupillen, Sehstörungen, tränende Augen und erhöhter Speichelfluss, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Es müssten nicht alle Symptome auftreten. Sie seien abhängig von der Art des Pilzes und der Verzehrmenge. „Manchmal treten bereits nach weniger als zwei Stunden die ersten Beschwerden auf, manchmal nach sechs Stunden oder mehr“, sagt Schönmetzler.

Eine Pilzvergiftung zu erkennen, ist für Laien laut BRK nicht einfach. Es rät, bereits beim ersten Verdacht sofort den Giftnotruf anzurufen (Telefon 089/19240), oder den Notarzt unter 112 zu alarmieren. „Warten Sie nicht, ob die Symptome schlimmer werden. Eine zu späte Behandlung kann zu bleibenden Organschäden oder sogar dem Tod führen“, warnt Schönmetzler.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Pilzvergiftung:

  • eigene Sicherheit beachten, Schutzhandschuhe und Mund-Nase-Maske anziehen
  • den Betroffenen beruhigen
  • Notruf 112 verständigen und/oder Giftnotrufzentrale anrufen, Telefon 089/19240
  • Pilze oder Erbrochenes sicherstellen und dem Rettungsdienst mitgeben
  • bei Bewusstlosigkeit des Betroffenen: stabile Seitenlage und regelmäßig Atmung und Puls prüfen
  • bei fehlender Atmung oder keinem Puls: bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen (30 mal Herzdruckmassage, zweimal Beatmung, immer im Wechsel)
  • wenn möglich weitere Helfer hinzuziehen
  • ist der Betroffene bei Bewusstsein: beruhigen, trösten, beobachten
  • nicht alleine lassen

Keinesfalls sollte man nach Angaben des Roten Kreuzes Erbrechen herbeiführen. Milch, Kohletabletten oder Salzwasser könnten ebenfalls schädlich sein. „Wenn mehrere Personen das Pilzgericht gegessen haben, aber nur einer oder einige davon Beschwerden entwickeln, sollten dennoch alle in ärztliche Behandlung“, rät Schönmetzler

Um in Notfällen effektiv helfen zu können, empfiehlt das BRK eine regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse.