Bundestagswahl 2021: Vandalismus im Oberallgäu

Grünes Klimapolitik-Fahrrad in Dietmannsried zerstört - Hakenkreuze auf "Die Linke"-Plakate

Klimapolitik

Da stand es noch in der Mitte Wiggensbachs, das „Grünen“-Fahrrad mit dem Holzplakat. Am vierten Tag aber war nur noch das grüne Vorderrad übrig – und das Holzplakat.

Bild: Ulrike Speith

Da stand es noch in der Mitte Wiggensbachs, das „Grünen“-Fahrrad mit dem Holzplakat. Am vierten Tag aber war nur noch das grüne Vorderrad übrig – und das Holzplakat.

Bild: Ulrike Speith

Mehrere Parteien ärgern sich über Vandalismus im Oberallgäu. CSU und „Die Linke“ erstatten bei der Polizei Anzeige.
25.08.2021 | Stand: 17:44 Uhr

Die Bundestagswahl nimmt Fahrt auf. Auf Laternenmasten, Plakatwänden und Brückengeländern prangen Wahlplakate der Parteien – meist mit dem Konterfei der Kandidaten. Aber jetzt gibt es Ärger: Die CSU erstattete Anzeige, weil ihre Plakate in Dietmannsried beschmiert waren. Mit einem Hakenkreuz bekritzelt wurde ein Plakat des „Linke“-Kandidaten in Kempten. Auch das wurde der Polizei gemeldet. In Wiggensbach ärgern sich die „Grünen“ des Ortsverbands: Von ihrem grünen Fahrrad, mit dem sie auf sich aufmerksam machten, ist nurmehr ein Vorderrad übrig.

Bundestagswahl 2021 Speith: "Wir leben in einer Demokratie"

Ulrike Speith und die anderen Mitglieder der Wiggensbacher Grünen sind sauer „Wir wollen auf dieses aggressive Verhalten aber nicht mit Gegenaggression antworten“, sagt Speith. Die Wiggensbacher Grünen zeigten den Diebstahl nicht bei der Polizei an. „Ich bin dennoch sehr enttäuscht, dass in meiner Gemeinde so etwas passiert.“ Nicht nur das grüne Rad, das angekettet in der Ortsmitte auf die Partei aufmerksam machte, ist verschwunden, auch ein hölzerner Dreieckständer samt Wahlplakat. Speith: „Wir leben in einer Demokratie. In der darf jeder seine Meinung sagen. Das sollte akzeptiert werden.“ Es sei nicht hinnehmbar, wenn Fahrräder und Plakate von den Grünen geklaut werden.

Vandalen zerstören Wahlplakate - Neue angebracht

Nicht auf eine Partei, „sondern querbeet auf alle, die dort plakatierten“, haben es der oder die Täter abgesehen, die in Dietmannsried mit Stiften unterwegs waren und Werbe-Anschläge beschmierten. Das sagt Lucas Reisacher, Geschäftsführer des CSU-Bundeswahlkreises. Er kontaktierte deswegen die Polizei, Mitglieder des Ortsverbands plakatierten neu. „Gegen solch einen Vandalismus ist man machtlos und kann nicht viel dagegen tun“, sagt Reisacher. Ähnlich denkt auch Michael Käser, Kreisvorsitzender der FDP im Oberallgäu. Die Freien Demokraten waren ebenfalls Opfer von den Dietmannsrieder Schmierereien. „Es wird nachplakatiert“, sagt der Immenstädter kurz und knapp.

Im Oberallgäu und in Kempten hängen laut Käser ungefähr 500 FDP-Plakate mit dem Kandidaten, verteilt von Parteimitgliedern, also ehrenamtlich – wie bei den anderen auch. „Drei Euro pro Druck“, beziffert Käser die Kosten. Aber in der Region halte sich der Schaden durch Beschädigungen in Grenzen. „In Großstädten ist das anders“, ist Käser überzeugt. Manchmal würden auch Hakenkreuze auf Plakate gekritzelt. „Das kann ein Lausbubenstreich sein oder auch staatsschutzrelevant.“ Peter Höflinger, Kreissprecher der Partei „Die Linke“, fand es alles andere als spaßig, als das Konterfei des Bundestagskandidaten Engelbert Anton Blessing mit einem typischen schmalen „Hitler-Schnurrbart“, einem Hakenkreuz und den Worten „Heil Blessing“ versehen war. „Wenn es in Richtung Faschismus läuft, hört für mich der Spaß auf“, sagt der Kemptener.

Käser: "Das gehört dazu"

Ansonsten sei es fast üblich, dass Verunstaltungen auf Plakaten zum Wahlkampf gehörten. „Es gibt immer wieder mal einen Spruch, das gehört dazu.“ Und manchmal geschieht auch Kurioses, sagt Michael Käser von der FDP. Bei der Landtagswahl 2018 sei ein Plakat aufgetaucht, das so ganz und gar nichts mit der aktuellen Politik der FDP zu tun hat. „Entnazifizierung stoppen“ sei der Spruch darauf gewesen. Das Plakat stammte aus den 1950er Jahren. Wer es noch zu Hause hatte und im Wahlkampf veröffentlichte, sei nie herausgefunden und auch nicht zur Anzeige gebracht worden.

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Wegen Diebstahls und Sachbeschädigung von Wahlplakaten gingen bei der Bundestagswahl 2017 in Kempten und dem Oberallgäu sieben Anzeigen bei der Polizei ein, bei der Landtagswahl 2018 waren es 30 – davon allein 22 in und um Kempten, sagt auf Anfrage unserer Redaktion Polizeisprecher Dominic Geißler.

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