Forschungsprojekt

Große Mengen an Holz verlassen das Allgäu

Gelagertes-Rundholz

Große Mengen von Rundholz verlassen das Allgäu. Das hat jetzt eine Befragung von Betrieben durch das Forschungsprojekt „Carbo-Regio“ ergeben.

Bild: Markus Briechle

Große Mengen von Rundholz verlassen das Allgäu. Das hat jetzt eine Befragung von Betrieben durch das Forschungsprojekt „Carbo-Regio“ ergeben.

Bild: Markus Briechle

Studie untersucht regionale Holzströme vom Wald zum Produkt. Ein erstes Ergebnis: Zwischen Waldbesitzer – Sägewerke – Zimmereien steckt noch viel Potenzial.
16.08.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Wohin geht das Holz aus den Wäldern des Allgäus und wie viel davon wird in der Region verarbeitet? Das war eine der Hauptfragen des Forschungsprojekts „Carbo-Regio“, für das jetzt Ergebnisse vorliegen. „Es existieren im Allgäu schon viele regionale Holzflüsse, aber mengenmäßig ist noch ein deutliches Potenzial zur Steigerung vorhanden“, sagt Markus Briechle, Projektbearbeiter am Holzforum Allgäu. Das Potenzial stecke besonders in der Kette Waldbesitzer – Sägewerke – Zimmereien. Umgekehrt bedeutet das, dass große Mengen Allgäuer Holz die Region verlassen und zudem viel importiert wird.

Einen ersten Ergebnisbericht des Forschungsprojekts gab jetzt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) bekannt. Im Fokus steht dabei die regionale Holzproduktion und Vermarktung sowie die Frage, welche regionalen Produkte aus Holz sich aktuell und in Zukunft besonders als Beitrag zum Klimaschutz eignen. Dazu erhebt seit Mitte 2020 Carbo-Regio Zahlen und Fakten. Das Kooperationsprojekt der LWF und des Holzforums Allgäu wird vom Waldklimafonds des Bundes gefördert.

467 Allgäuer Betriebe angeschrieben

Es erfasst zunächst die regionalen Holzströme vom Wald bis zum Endkunden. Dazu wurden 467 Allgäuer Betriebe in den verschiedenen Teilbranchen aus dem Bereich Forst und Holz erfasst. Fast die Hälfte gaben Daten zur Beschaffung und zum Absatz des Holzes preis. „Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse, dass die Holzflüsse alles andere als auf die Region begrenzt sind“, sagt Christina Brand, die das Projekt seitens der LWF bearbeitet. Große Mengen des Rohholzes und des verarbeiteten Holzes sowie von Holzbrennstoffen würden das Allgäu verlassen. Umgekehrt würden erhebliche Mengen an Rohholz, Restholz für energetische Nutzung sowie Halbprodukten wie zum Beispiel Platten von außen in die Region gebracht. Jedoch habe die Befragung ergeben, „dass rein mengenmäßig der gesamte Rohholzbedarf der regionalen Sägewerke aus den Allgäuer Wäldern gedeckt werden könnte“, heißt es vom LWF.

Im Allgäu gibt es noch viel regionales Potenzial

Gleichzeitig könnte der Schnittholzbedarf der regionalen Zimmereien und Schreinereien „leicht von den ansässigen Sägewerken bereitgestellt werden“. Die Branche der Zimmereien ist dabei im Vergleich zu den Schreinereien wesentlich bedeutsamer. Bezogen auf die reine Menge gebe es beim Holzstrom Waldbesitzer – Sägewerke – Zimmereien noch viel Potenzial. Die Zahlen heben die Bedeutung regionaler Strukturen hervor. „Die aktuellen Bestrebungen zur Stärkung der regionalen Wertschöpfungskette Holz im Allgäu werden durch diese Daten perfekt untermauert“, zieht Hugo Wirthensohn, Vorsitzender des Holzforums Allgäu, eine erste Bilanz.

Im nächsten Schritt des Projekts gelte es, zu klären, inwiefern regionales Angebot und regionale Nachfrage bei einzelnen Holzprodukten übereinstimmen – wie zum Beispiel bei Bauholz oder Schreinerware. „Erst dann lässt sich die Frage beantworten, inwiefern die regionalen Holzströme im Allgäu tatsächlich noch gesteigert werden können und welche Produkte und Maßnahmen am geeignetsten sind“, heißt es in der Analyse des LWF.

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