Von der Lungenheilanstalt zur Reha-Einrichtung

Großer Umbau und ein stiller Wechsel in der Wasach-Klinik in Oberstdorf

Wasach-Klinik

Malerisch thront die Wasach-Klinik oberhalb des Oberstdorfer Ortsteils Tiefenbach. Doch während die Fassade sich kaum verändert hat, hat sich im Inneren viel getan: Dort sind beispielsweise ein neues medizinisches Zentrum und moderne Trainingsräume entstanden.

Bild: Michael Mang

Malerisch thront die Wasach-Klinik oberhalb des Oberstdorfer Ortsteils Tiefenbach. Doch während die Fassade sich kaum verändert hat, hat sich im Inneren viel getan: Dort sind beispielsweise ein neues medizinisches Zentrum und moderne Trainingsräume entstanden.

Bild: Michael Mang

Ein medizinisches Zentrum, neue Zimmer und Trainingsräume sind in der Fachklinik Oberstdorf entstanden. Jetzt geht der langjährige Chefarzt in den Ruhestand.
21.05.2021 | Stand: 17:52 Uhr

Als Dr. Nils Dalaker vor 35 Jahren an der Fachklinik Oberstdorf in Wasach anfing, gab es in den Büros noch Schreibmaschinen und in dem mächtigen Gebäudekomplex oberhalb von Oberstdorf-Tiefenbach wurde noch operiert. Heute ist das Haus der Deutschen Rentenversicherung eine moderne Schwerpunktklinik für Orthopädie und Rheumatologie, die sich auf die Rehabilitation der Patienten spezialisiert hat. Und auf die zahlreichen Umbauarbeiten der vergangenen Jahre, die weitgehend abgeschlossen sind, folgt jetzt ein stiller Wechsel: Der langjährige Chefarzt Dr. Dalaker geht mit 67 Jahren in den Ruhestand. Die medizinische Leitung übernimmt ab 1. Juli Arne Schoene. Der 48-Jährige ist seit zehn Jahren Oberarzt der Klinik. Er wird mit Laurent Mies – der frühere Oberstdorfer Bürgermeister ist seit September Verwaltungsleiter – die Geschicke der Klinik leiten.

Patienten kommen nach Operationen immer früher in die Reha

Auch Dalaker hatte schon 16 Jahre als Oberarzt in Wasach Erfahrungen gesammelt, als er 2003 die Leitung der Klinik übernahm. In seiner Zeit als Chefarzt hat sich auch medizinisch viel verändert. Der größte Unterschied sei, dass die Patienten nach der Operation immer weniger Zeit im Krankenhaus verbringen und die Rehabilitation so schneller beginnen muss, erklärt Dalaker. „Früher waren die Patienten vier bis sechs Wochen im Krankenhaus.“ Das bestätigt auch sein Nachfolger Schoene. „Heute kommen die Patienten oft schon wenige Tage nach der Operation zu uns“, sagt Schoene. „Dadurch hat sich viel aus der Akut-Klinik in die Reha verlagert, die allerdings in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern heute einen hohen Stellenwert hat“, ergänzt Dalaker. In seinen Anfangsjahren hätten zwei Physiotherapeuten in der Klinik gearbeitet, heute arbeiten 30 Therapeuten dort. Für Schoene sind die Veränderungen in der Klinik „ein Spiegelbild des Reha-Wandels“.

Vom Trainingsgerät in die Berge blicken

Diesen Veränderungen waren auch die verschiedenen Umbauten geschuldet, die in den vergangenen Jahren in der Klinik umgesetzt wurden: Auf der Nordseite ist ein Neubau mit Vortragssaal und vielen Funktionsräumen entstanden. Das neue Herzstück der Klinik ist das medizinische Zentrum mit Pflegestützpunkt, Diagnostikabteilung mit allen Arztzimmern. Auch eine neue großzügige Trainingsabteilung ist entstanden. Von den Fitness- und Bewegungsgeräten können die Patienten in die Berge blicken. Zudem wurden 22 Patientenzimmer komplett erneuert und weitere Zimmer renoviert.

Kliniken werden permanent bewertet

„Die Klinik ist für die Zukunft gut aufgestellt“, sagt Verwaltungsleiter Mies. „Aber die Immobilie bleibt eine Daueraufgabe.“ Zu dem Gebäudekomplex gehören auch Wald- und Parkflächen. Eine große Herausforderung nennt Dalaker die permanente Beurteilung der Kliniken, von der letztendlich die Zuteilung der Patienten abhängt. Zwar hätte die Klinik über die Jahre immer gute Noten erhalten, doch das sei Fluch und Segen zugleich. „Dadurch wollen viele Patienten zu uns, was dann beispielsweise zu längeren Wartezeiten und schlechteren Bewertungen führen kann.“

Corona-Patienten aus Akut-Krankenhäusern behandelt

Das Problem gibt es derzeit nicht, weil die Klinik seit Beginn der Pandemie ohnehin nur mit rund 80 Prozent der 165 stationären Betten belegt sind. Im Corona-Jahr sind die 130 Mitarbeiter der Wasach-Klinik auf besondere Art und Weise zusammengewachsen. Denn zwischen März und Mai 2020 war die Fachklinik in Wasach eine reine Pflege-Einrichtung für genesene Corona-Patienten aus Akut-Krankenhäusern, die beispielsweise aus Sicherheitsgründen noch nicht in die Senioren-Heime zurückkehren konnten. So arbeiteten alle Mitarbeiter freiwillig in der Pflege mit, halfen aber auch im Garten und bei handwerklichen Arbeiten aus. „Das war gut für die Teambildung“, sagt Dalaker. Es war auch eine, wenn auch nur temporäre Rückkehr zu den Wurzeln der Klinik, die in ihrer rund 100-jährigen Geschichte etwa 60 Jahre eine Lungenheilanstalt war. Erst seit rund 40 Jahren steht die Orthopädie im Vordergrund.

Künftig soll es wieder Fortbildungen geben

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Der Wechsel an der Spitze der Klinik wird ohne große Feierlichkeiten über die Bühne gehen. Dalaker bedauert vor allem, dass in seinem letzten Jahr in Wasach keine Fortbildungsveranstaltungen wie der traditionsreiche Sportärzte-Lehrgang mehr stattfinden konnten. Schoene verspricht die Tradition „in geeigneter Form“ fortzusetzen, wenn das die Corona-Pandemie wieder zulässt. Ebenso fortführen will der Medizinier die enge Kooperation mit dem Leistungssport und insbesondere mit dem Eislaufstützpunkt. „Die Verbindung zum Sport soll auch weiter so bleiben“, sagt Schoene. „Ich freue mich auf die Aufgabe.“

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