Sportgeschichte

Handball im Wandel der Zeit: Schneller, athletischer und trickreicher

Damals, als Handball noch auf dem Großfeld gespielt wurde: Gerhard Schuhmann beim Torwurf im Spiel des TV Immenstadt gegen Post Augsburg in den 1950-er Jahren.

Damals, als Handball noch auf dem Großfeld gespielt wurde: Gerhard Schuhmann beim Torwurf im Spiel des TV Immenstadt gegen Post Augsburg in den 1950-er Jahren.

Bild: Archiv TV Immenstadt

Damals, als Handball noch auf dem Großfeld gespielt wurde: Gerhard Schuhmann beim Torwurf im Spiel des TV Immenstadt gegen Post Augsburg in den 1950-er Jahren.

Bild: Archiv TV Immenstadt

Nicht nur der Wechsel vom Großfeld in die Halle hat den Handballsport verändert. Auch höhere Geschwindigkeit und ein griffiger, leichter Ball sorgen für mehr Spannung

Damals, als Handball noch auf dem Großfeld gespielt wurde: Gerhard Schuhmann beim Torwurf im Spiel des TV Immenstadt gegen Post Augsburg in den 1950-er Jahren.
Von Marion Bässler
23.08.2020 | Stand: 11:30 Uhr

In Sachen Handball sieht sich Siegfried Wegmann als „Spätberufenen“, denn er kam erst über die Polizeischule zu der Sportart und schloss sich mit Mitte 20 dem TV Immenstadt an. „Die Jugend ging spurlos an mir vorbei“, resümiert er daher mit Blick auf seine sportliche Laufbahn.

Dennoch kann man den 75-Jährigen getrost als Handball-Urgestein bezeichnen. Denn nachdem er seine Vorliebe für „das spannende und temporeiche Spiel“ erst einmal entdeckt hatte, spielte er ab 1977 nicht nur für den TVI, sondern engagierte sich später zudem mehr als zwei Jahrzehnte lang als Übungsleiter und Vorstand des Clubs. Dabei gelang es ihm unter anderem als erster Trainer eine weibliche Jugendmannschaft, in diesem Fall die Immenstädter A-Jugend, in die Oberliga zu führen, die damals die höchste bayerische Spielklasse war. In seiner aktiven Zeit war es durch den späten Einstieg hinfällig, sich hohe sportliche Ziele zu stecken. Wegmanns Motivation war daher „der Spaß“, den ihm Handball vom ersten Augenblick an machte und die in seinen Augen reizvollen Anforderungen, die die Sportart an die Aktiven stellt: „Vom Spieler wird alles abverlangt, er muss sehr schnelle Entscheidungen treffen und sich ins Team einfügen“, sagt Wegmann. Körperlich kommt es damals wie heute auf Schnelligkeit, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen an. Körperliche Fitness und Kraft seien äußerst wichtig. Was das Spielerische angeht, ist „die Geschwindigkeit ein wichtiger Faktor“, sagt Wegmann und erklärt, dass „der Schwerpunkt immer mehr auf Tempogegenstöße gelegt wird“.

Der taktische Bereich sei zwar „individuelle Trainersache“, dem 75-Jährigen ist jedoch aufgefallen, dass „der moderne Handball zielgerichteter geworden ist“. Statt den früher üblichen harten, etwas schweren und schlechter zu greifenden Lederbällen werden heutzutage kunststoffbeschichtete Bälle verwendet, die durch ihre andere Oberflächenbeschaffenheit schon alleine „viel leichter zu greifen sind“, erklärt Wegmann.

Das ab der Landesliga verwendete Harz verbessere die Ballsicherheit noch zusätzlich. Das mache sich im Spiel äußerst deutlich bemerkbar, erklärt der Immenstädter, „denn die heutigen Tricks könnte man mit den Lederbällen von damals gar nicht machen“.

Den ein oder anderen jungen Handball-Fan wird es verwundern, dass Handball seine Ursprünge auf dem Großfeld hat, das von der Fläche her mit einem Fußballfeld vergleichbar ist und damals in Drittel geteilt war. Noch gut erinnert sich Wegmann an Handball-Bundesligaspiele vor 30 000 Zuschauern. Eine Weile wurden die Partien teils auf dem Großfeld und teils in der Halle ausgetragen, bis Handball seit Anfang der 80er-Jahre ausschließlich in der Halle ausgetragen wird.

Der TV Immenstadt darf sich noch letzter amtierender Allgäuer Meister auf dem Großfeld nennen, erzählt der langjährige Vorsitzende des TVI. Zu den Anfängen in der Halle hatten die Städtler allerdings zu kämpfen, denn die Spiele mussten aus Mangel an Alternativen „in der kleinen Grüntenhalle“ ausgetragen werden.

Im Gegensatz zu umliegenden Clubs „wurde Immenstadt erst spät mit einer Dreifachhalle bestückt“. Als 1982 die Julius-Kunert-Halle gebaut war, konnten die Städtler „zu anderen Vereinen aufschließen“.

Um ihren erarbeiteten Rang unter den führenden Clubs des Allgäus zu halten, kommt es vor allem auf gute Jugendarbeit an, betont Wegmann, denn diese müsse „heute wesentlich aufwendiger betrieben werden, um gute und brauchbare Spieler zu erhalten“.

Insgesamt hat sich das gesellschaftliche Ansehen gewandelt und Handball ist zur Nummer zwei hinter Fußball geworden. Obwohl Wegmann diese Tatsache freut, bedauert er, dass Handball dennoch eine wesentlich schlechtere Medienpräsenz hat.

Dieses „Randdasein“ im Schatten des Fußballs kann sich auch Patrick Harris nicht erklären. Der 22-jährige Linksaußen des TVI spielt seit der F-Jugend bei den Städtlern. Über einen Freund ist er damals zum Handball gekommen und hat schnell Gefallen an dem schnellen Teamsport gefunden. Vom Spaß motiviert, steckte sich der ehrgeizige Nachwuchsspieler aber bald höhere Ziele. Noch gut erinnert er sich daran wie er als kleiner Junge auf der Tribüne gebannt die Spiele der damals schon erfolgreichen ersten Mannschaft verfolgte. „Ich fand das so cool, dass ich mir vorgenommen habe, dort auch irgendwann einmal zu spielen“, erzählt Harris. Im vergangenen Jahr bekam er seinen ersten Einsatz in der ersten Mannschaft und nutzte diese Chance.

An der Sprungkraft gearbeitet

Seither arbeitet der Linksaußen unter anderem an seiner Schnelligkeit und Sprungkraft. Faktoren, auf die es auf seiner Position am meisten ankommt. Verändert hat sich aus seiner Sicht am Handball vor allem, „dass der Sport schneller geworden ist“.