Künstlerleben in der Pandemie

„Hauptsache rauf auf die Bühne“: Die Immenstädter Musikerin Steffi Waller

Steffi Waller

„Die Lebensfreude kehrt zurück“: Steffi Waller aus Immenstadt freut sich nach der langen Corona-Zwangspause auf ihre Auftritte als Musikerin. Am Samstag steht einer in der Kemptener Freudenberg-Unterführung an.

Bild: Marcel Durach

„Die Lebensfreude kehrt zurück“: Steffi Waller aus Immenstadt freut sich nach der langen Corona-Zwangspause auf ihre Auftritte als Musikerin. Am Samstag steht einer in der Kemptener Freudenberg-Unterführung an.

Bild: Marcel Durach

Die Immenstädter Sängerin Steffi Waller freut sich nach dem Lockdown auf erste Auftritte in Kempten und Sonthofen. Was das Musizieren der 42-Jährigen bedeutet.
08.07.2021 | Stand: 13:19 Uhr

Im Rahmen des Underground Art Projects U1 tritt Steffi Waller am Samstag, 10. Juli, ab 11 Uhr gemeinsam mit Fabian Mroz in der Freudenberg-Unterführung in Kempten auf. Die Veranstaltung, bei der auch zahlreiche andere Künstler mitwirken, verspricht ein abwechslungsreiches Programm aus Tanz, Theater, Musik, Lesung und vielem mehr. Für die Immenstädterin bedeutet es vor allem die Vorfreude, endlich wieder auf der Bühne zu stehen: „Es tut in der Seele gut, und die Lebensfreude kommt zurück“, beschreibt die 42-Jährige ihre Gefühle, wenn sie an den bevorstehenden Auftritt denkt.

Vom Lockdown ausgebremst

Die vergangenen Monate wurde sie, ebenso wie ihre Kollegen vom Lockdown ausgebremst. „Meine Instrumente sind dagestanden und haben sehnsüchtig darauf gewartet, dass ich sie in die Hand nehme“, erzählt Stefanie Waller. Am 31. Oktober hatte sie mit der Formation „Mr. Fabulous and Friends“ ihren letzten Auftritt vor dem Lockdown. Trotz des durch die Hygienemaßnahmen von 150 auf 80 Besucher reduzierten Publikums erinnert sie sich gerne an die „tolle Atmosphäre“ zurück. Für die 42-Jährige, die sich als „Bühnenmusikerin“ bezeichnet, gilt die Devise: „Hauptsache rauf auf die Bühne“.

"Ganz viel Entbehrung"

Dabei geht es ihr nicht nur darum, dass sie selbst in Übung bleibe, sondern sie denke vor allem an ihr Publikum, dem sie Freude bereiten möchte. Die Corona-Pandemie bedeutet für Steffi Waller als Musikerin „ganz, ganz viel Entbehrung“. Die fehlenden Konzerte seien vor allem eine seelische Geschichte, da es ihr fehle, das Strahlen in den Augen der Zuhörer zu erblicken. Daher vermisst Steffi Waller bei Online-Auftritten auch diesen besonderen Reiz.

Ein "krisensicherer Job"

Existentiell betroffen ist die Witwe, die Mutter zweier Kinder ist, von der lange Zeit brachliegenden Kulturlandschaft nicht. Waller arbeitet in einer Tierarztpraxis. Vor vielen Jahren habe sie einmal in Erwägung gezogen, Musik zu ihrem Hauptberuf zu machen, mittlerweile ist sie froh, „einen krisensicheren Job zu haben“ und sieht diesen als großes Glück im Vergleich zu vielen Profimusikern, die durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht seien.

In verschiedenen Formationen

Steffi Waller, die in verschiedensten Formationen auf durchschnittlich 80 Auftritte im Jahr kommt, fehlen aber diese Auftritte. Und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen ihres stressigen Jobs. Die Auftritte seien die ideale Möglichkeit zum Stressabbau. „Und auf einmal war alles weg. Ersatzlos gestrichen, und es kam nichts rein, weil sogar Taufen abgesagt wurden“, erzählt Steffi Waller traurig. Das zehrte, wie sie zugibt, an ihren Nerven.

„Ein übungsfauler Mensch“

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Während des Lockdowns war sie musikalisch kaum aktiv. „Ich bin ein übungsfauler Mensch“, gesteht sie schmunzelnd. Obwohl sie von der Volks- bis zur Rockmusik auf verschiedenen Instrumenten von der Steirischen bis zum E-Bass vieles zum Besten gibt, sei das Musizieren in den vergangenen Monaten „nur so vor sich hin getröpfelt“. „Mir fehlte die Lust, mich aufzuraffen, weil mir die Perspektive gefehlt hat“, sagt Stefanie Waller.

Straßenmusik beim Flohmarkt

Seit den Lockerungen im Juni habe sich diese Situation zum Glück verbessert, sodass Waller am 12. Juni endlich wieder den ersten Auftritt vor Publikum hatte. Dabei handelte es sich um Straßenmusik im Rahmen eines Dorfflohmarktes nahe Bad Waldsee. Die Oberallgäuer seien, was die musikalischen Planungen angeht, immer noch „sehr verhalten“, bemerkt Waller. Bisher war der Großteil ihrer Auftritte daher im Raum Ravensburg.

Liedermacher in Sonthofen

Sogar die Anfragen für die monatlichen Frühschoppen, bei denen sie regelmäßig gespielt hatte, blieben bisher aus. Daher freut sie sich umso mehr auf das Kemptener Projekt. Das erste Konzert auf der Bühne soll Ende des Monats, genauer gesagt am Samstag, 31. Juli, folgen, wenn der Sulzberger Liedermacher Siegfried Lüer unter dem Motto „Sigi Lüer and Friends“ in der Sonthofer Kultur-Werkstatt auftritt.

Die Befürchtungen

Auch wenn das kulturelle Leben langsam wieder in seine Bahnen findet, befürchtet Steffi Waller als Langzeitfolge des Lockdowns, dass einige Musiker nicht mehr auf die Beine kommen werden und sehr viele Bands auseinanderbrechen. Da die Hygienemaßnahmen anfangs nur kleinere Veranstaltungen zulassen, befürchtet die Immenstädterin zudem Einbußen bei der Gage.

Das Underground-Projekt

Das Underground Art Project U1 in der Kemptener Freudenberg-Unterführung wird am Samstag, 10. Juli, zur Bühne für Tanz, Theater, Musik, Lesung und anderes. Von 11 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr heißt es „Gemeinsam unplugged in U1“ mit Frank and Friends. Es treten auf: Michael James, Angela Lang, Frank Hadas, Steffi Waller und Fabian Mroz (Musik), Eva-Caroline Dornach, Traudl Gilbricht und Karl Ripfel (Texte), Karlheinz Chmiel (Video) und Rena-la-Morena (Flamenco). Durchs Programm führen Traudl Gilbricht von der Künstlergruppe „K-art-on“ und Frank Hadas.

Lesen Sie auch den Beitrag über den Oberallgäuer Liedermacher Siegfried Lüer.

Die Sonthofer Kultur-Werkstatt im Internet

Die Künstlergruppe "K-art-on" im Internet