Kirche

Helmut Klaubert geht in den Ruhestand: Baumeister, Asylhelfer und Friedensstifter

Pfarrer Helmut Klaubert geht nach 38 Berufsjahren in den Ruhestand. Vor seiner Zeit in Fischen war er unter anderem in Blaichach tätig.

Pfarrer Helmut Klaubert geht nach 38 Berufsjahren in den Ruhestand. Vor seiner Zeit in Fischen war er unter anderem in Blaichach tätig.

Bild: Elke Wiartalla

Pfarrer Helmut Klaubert geht nach 38 Berufsjahren in den Ruhestand. Vor seiner Zeit in Fischen war er unter anderem in Blaichach tätig.

Bild: Elke Wiartalla

Fischens evangelischer Pfarrer hört auf. In seinen 38 Berufsjahren hat der gebürtige Immenstädter viel bewegt und mehr als 60 Bücher in den Gottesdiensten vorgestellt
Pfarrer Helmut Klaubert geht nach 38 Berufsjahren in den Ruhestand. Vor seiner Zeit in Fischen war er unter anderem in Blaichach tätig.
Von Elke Wiartalla
10.01.2021 | Stand: 05:30 Uhr

„Glaube und Kirche finden mitten in der Welt statt.“ Davon ist Fischens evangelischer Pfarrer Helmut Klaubert fest überzeugt. Darum war ihm stets ein großes Anliegen, über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen und zu denken. So hat er in den langen Dienstjahren neben seiner Aufgabe als Seelsorger neue Wege beschritten in der Ökumene, in der Friedensbewegung und Flüchtlingshilfe. Sein Engagement galt der Kultur ebenso wie neuen Formen von Gottesdiensten und Gemeindearbeit. Und wenn es darum ging, christliche Grundanliegen durchzusetzen, hat er nie ein Blatt vor den Mund genommen. Nun ist nach 38 Berufsjahren Schluss. Das Pfarrhaus in Fischen hat Klaubert bereits geräumt.

Studienjahr in Afrika

Geprägt wurde der gebürtige Immenstädter als Jugendlicher im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM). Damals entstand der Wunsch nach einem Theologiestudium, dass er in Neuendettelsau, München und Zürich absolvierte. Nach dem Examen 1980 ging der damals 25-Jährige für ein ökumenisches Studienjahr nach Arusha. Schon 1979 hatte er die Asante-Christus-Kapelle in Kranzegg mit errichtet, ein Symbol für den Aufbau der Partnerschaft mit der Kirchengemeinde in Arusha (Tansania). So war er 17 Jahre lang Partnerschaftsbeauftragter des Dekanats, organisierte Reisen nach Arusha und Gegenbesuche.

Prägende Erfahrungen, wie sich Kirche auch politisch einbringen kann, sammelte Klaubert während seines Vikariats in Neu-Ulm 1982 bis 1984. Damals sollten in seiner Gemeinde Pershing II-Raketen stationiert werden und der Dekan beauftragte ihn sogleich mit der Koordination der Friedensarbeit. Auch als junger Pfarrer in Heimenkirch engagierte er sich, als kurz nach seiner Einstellung 70 Tamilen als Asylbewerber in den Ort kamen. „Damals gab es eine Bürgerversammlung und ich habe an 200 nicht ausnehmend wohlgesonnenen Menschen appelliert, die Asylbewerber so aufzunehmen, wie es Christen gebührt“, erinnert er sich.

"Baumeister" in Blaichach

1989 ging es weiter nach Blaichach. Dort erwies sich Klaubert als „Baumeister“, denn die alte Kirche sollte abgerissen werden, leider ohne die nötigen Finanzmittel. „Angefangen haben wir 1998 mit 13 000 Mark, 2006 hatten wir eine neue Kirche für 500 000 Euro“, berichtet der Pfarrer von unermüdlichen Aktivitäten in der Kirchengemeinde, Geld zusammen zu bekommen. „Damals hat sich gezeigt, dass Menschen bereit sind, Begabungen und Zeit zu investieren, wenn es um ein gemeinsames Ziel geht“, erfuhr Klaubert. Die Zeit in Blaichach bedeutete für ihn auch lebendige einladende Gottesdienste mit Gospelchor, zu Mitternacht und viel Literatur „Ich habe in meinem Leben wohl mehr als 60 Bücher in den Gottesdiensten vorgestellt.“

2008 zog Klaubert weiter nach Fischen. Dort fühlte er sich mit offenen Herzen aufgenommen. 2011, als das 50. Jubiläum anstand, wurde beschlossen, die Kirche „Zum guten Hirten“ für weitere 50 Jahre fitzumachen. Ins Haus standen eine neue Heizung, ein neuer Altarraum, mehr Licht und eine Generalreinigung. Dass die Umsetzung sich bis 2017 hinziehen würde, hatte niemand gedacht, sagt Klauber. „Aber mit dem Ergebnis sind doch alle zufrieden.“

Für Gedenkstele an ehemaligen KZ-Außenlager engagiert

Das Ortsjubiläum wurde zu einem weiteren Meilenstein, denn für den evangelischen Pfarrer stand außer Frage, dass bei allem Jubel auch derer gedacht werden sollte, die im KZ-Außenlager im Weidach in Kriegszeiten um ihr Leben bangen mussten. Die Gedenkstele in der Nähe des einstigen Barackenlagers wurde errichtet, nachdem Klaubert nie nachgelassen hatte, den Finger in diese Wunde zu legen und bei Bürgermeister Edgar Rölz Gehör fand.

Die Flüchtlingsarbeit ab 2014 gab ihm Gelegenheit, wieder neue Menschen jenseits der eigenen Kirchengemeinde kennenzulernen, sich auf Menschen anderer Religionen und Kulturen einzulassen und Kontakte zur Moschee in Immenstadt zu knüpfen. „All das hat mir immer gezeigt, dass es auch in schwierigen Situationen den Glauben und ein Gefühl der Dankbarkeit gibt und wir alle in einem größeren Zusammenhang stehen“, so Klaubert.

Nun geht der Vater dreier Kinder mit 65 Jahren in den Ruhestand, wird sich in seinem neuen Heim in Immenstadt-Stein mit Ehefrau gemütlich einrichten und sich erst einmal viel Zeit für die drei kleinen Enkel sowie für Berg- und Fahrradtouren nehmen.