Soziales Engagement

Immenstädter Optiker schießt 150 gratis Passbilder für Geflüchtete aus der Ukraine

Katja König von Optik Kössel in Immenstadt macht Gratis-Passbilder für ukrainische Geflüchtete (Szene nachgestellt).

Katja König von Optik Kössel in Immenstadt macht Gratis-Passbilder für ukrainische Geflüchtete (Szene nachgestellt).

Bild: Sophia Ungerland

Katja König von Optik Kössel in Immenstadt macht Gratis-Passbilder für ukrainische Geflüchtete (Szene nachgestellt).

Bild: Sophia Ungerland

Für Geflüchtete aus der Ukraine bietet Optik Kössel in Immenstadt einen kostenfreien Fotoservice an. Auch so manche Brille geht zum Nulltarif über die Theke.
22.05.2022 | Stand: 11:30 Uhr

Ukrainische Geflüchtete erhalten bei Optik Kössel in Immenstadt biometrische Passbilder zum Nulltarif. Diese werden zum Beispiel benötigt, um einen neuen Ausweis oder einen Aufenthaltstitel zu beantragen. Etwa 150 Fotos hat das Unternehmen bereits für Ukrainerinnen und Ukrainer geschossen und gedruckt – ohne, dass sie zahlen mussten. Auch einige Brillen hat der Optiker schon gespendet.

Um den Fotoservice kümmert sich meist Katja König. Die 53-Jährige aus Immenstadt-Bühl arbeitet seit November bei Optik Kössel. „Manche kommen mit ihren ’Paten’“, sagt sie. Damit meint König Privatleute, die den Geflüchteten Unterkunft bieten. Dabei läuft die Kommunikation oft über eine Übersetzungs-App. Generell sprächen die Ukrainer wenig Englisch. Auch unter den jungen Menschen seien einige, die kein Englisch könnten. Aber „mit Händen und Füßen“ könne sie sich verständigen, sagt König. Zum Übersetzen komme außerdem nach Angaben von Geschäftsführer Bernd Lindner eine Frau aus Charkiw. Sie wohne bereits seit zwei, drei Jahren in Immenstadt. Mit dem Ausbruch des Krieges habe sie ihre Familie nach Deutschland geholt. Der Kontakt zu ihr sei entstanden, als sie mit ihren Eltern bei Optik Kössel gewesen sei. Gerade beim Ausmessen der Augen ist die Kommunikation wichtig. Ältere Ukrainerinnen könnten oft keine lateinischen Buchstaben lesen. Stattdessen habe man die Tests mit Zahlen gemacht. (Lesen Sie auch: Digitale Museen und Stadtführung: Unterwegs in Immenstadt mit Avatar Schorsch)

Junge Mutter mit minus zehn Dioptrien hat Brille verloren

Neben den etwa 150 Passbildern hat Optik Kössel auch einige Brillen kostenfrei an Ukrainer vergeben. So erzählt König, dass eine Frau sehr nah an den Bildschirm heranrückte, als sie die soeben gemachten Passbilder anschauen wollte. „Da habe ich gefragt, ob sie denn gar keine Brille habe“, erzählt König. „Nein, verloren“, sei die Antwort gewesen. Also wurden bei der jungen Mutter die Augen vermessen. Das Ergebnis: minus zehn Dioptrien. „Sie kann ja nicht mal sehen, wenn ihr kleiner Junge auf die Straße rennt“, sagt König. Optik Kössel fertigte schließlich für die Frau kostenfrei eine Brille an. „Das sind jetzt auch keine Standardgläser“, sagt Lindner. „Die war natürlich glücklich über die Brille.“

Die Idee für das Angebot kam auf, als sich Mitinhaber Bori Kössel mit Bekannten austauschte. Viele ukrainische Geflüchtete hätten keine Ausweise, benötigten allerdings ein biometrisches Bild für die Beantragung des Passes. „Da helfen wir natürlich“, sagt Kössel. Nach Angaben des Landratsamts Oberallgäu benötigen die Geflüchteten die biometrischen Passbilder zudem für die Beantragung eines Aufenthaltstitels. Dieser wird für Geflüchtete aus der Ukraine nach Angaben der Behörde erst nach dem 31. August erforderlich. Für biometrische Passbilder verweist das Landratsamt auf Fotografen und Drogeriemärkte. (Lesen Sie auch: Werdenstein: Ortsdurchfahrt wird komplett gesperrt)

Immenstädter Optiker macht Gratis-Fotos für Ukrainer: auch für die Schule

Auch für die Schule oder die Busfahrkarte benötigen die Flüchtlinge laut König Fotos. Die müssten zwar nicht zwingend biometrisch sein, aber so müssten die Geflüchteten zumindest nicht noch einmal welche machen lassen. Gerade wenn Kinder dabei sind, mache sie nach den biometrischen Bildern noch ein Foto, auf dem die Kleinen lächeln dürfen. „Dass es nicht so ernst ist“, sagt die 53-Jährige. Außerdem gibt sie den Kindern bunte und glitzernde Sticker von Tieren mit. „Da freuen sie sich.“

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