Chronik des RSV Sonthofen

Hommage an Walter Gerst: Ein Werk über die Anfänge des RSV Sonthofen

Die aufblühende Zeit des RSV Sonthofen eineinhalb Jahrzehnte nach der Gründung: Hier sind Toni Nessler (links) und sein Teamkollege Hubert Müller 1973 beim Paarzeitfahren in Görisried zu sehen.

Die aufblühende Zeit des RSV Sonthofen eineinhalb Jahrzehnte nach der Gründung: Hier sind Toni Nessler (links) und sein Teamkollege Hubert Müller 1973 beim Paarzeitfahren in Görisried zu sehen.

Bild: Nessler Archiv

Die aufblühende Zeit des RSV Sonthofen eineinhalb Jahrzehnte nach der Gründung: Hier sind Toni Nessler (links) und sein Teamkollege Hubert Müller 1973 beim Paarzeitfahren in Görisried zu sehen.

Bild: Nessler Archiv

Toni Nessler veröffentlicht ein Buch zur Geschichte des RSV – und widmet es dem verstorbenen Präsidenten. Dabei erscheint das Werk 16 Jahre zu spät.
24.11.2021 | Stand: 22:16 Uhr

55 Jahre RSV Sonthofen, deutsche Meister, große Rennen und unzählige Sternstunden – in einem Buch. Unter dem Titel „Radsportverein Sonthofen – die Geschichte von der Gründung bis heute“ veröffentlicht der gebürtige Immenstädter Toni Nessler in einem 368 Seiten starken Buch die Club-Chronik. Eigentlich 16 Jahre zu spät. „Dieses Buch sollte als Festschrift zum 40-jährigen Vereinsbestehen 2006 erscheinen. Deshalb habe ich 2005 mit den Vorbereitungen begonnen“, schreibt Nessler im Vorwort. Doch der 69-Jährige schrieb nie fertig.

„Erst im Herbst 2020 kam mir in den Sinn, das angefangene Werk nicht in der Schublade verschwinden zu lassen, denn da nützt es niemandem“, schreibt Nessler weiter. So begann die Fortsetzung – und so entstand die Geschichte des RSV Sonthofen von 1966 bis 2021.

Mündliche Überlieferungen für die ersten Jahre der Chronik

Für die ersten sechs Jahre nach der Gründung hatte der Autor allerdings fast nur mündlich überlieferte Geschichten der Gründungsmitglieder Klaus Hanser und Willi Schmid zur Verfügung. Er selbst trat Ende 1972 dem RSV Sonthofen bei – und archiviert seither „alles, was mit dem Verein zu tun hat.“ Seit nunmehr 49 Jahren kann der Immenstädter auf einen unerschöpflichen Fundus an Geschriebenem und an Bildern zurückgreifen.

Nessler tituliert das Buch als „eine Hommage an Walter Gerst“, der den RSV Sonthofen von 1972 bis 1989 führte. Obwohl Gerst aus dem Hallenradsport kam, arbeitete er sich gekonnt in das Metier des Rennsportes ein. Seine bedeutendsten Unterfangen waren die Organisation der beiden deutschen Bergmeisterschaften 1974 und 1984. Parallel gewann der RSV durch das von 1968 bis 1987 jährlich ausgerichtete Volksradfahren an Ansehen.

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„Unter Gerts Leitung entwickelte sich der Verein prächtig und durch seine Akribie in der Vorbereitung von Veranstaltungen erwarb sich Gerst hohe Anerkennung“, sagt Nessler. In Gerts Riege fielen auch die deutschen Meister des RSV Sonthofen: 1980 und 1983 gelang das Hans Hindelang, der den Sieg bei den deutschen Kriteriums-Meisterschaften der Profis errang. Später folgte 2014 Sebastian Baldauf als deutscher Bergmeister in Berchtesgaden.

Prominenz beim RSV Sonthofen: Von John Degenkolb bis Lisa Brennauer

Und auch die vom RSV ausgerichteten Rennen schmückten oft berühmte Namen, wie die Olympiasiegerin von Tokio 2021 und mehrfache Weltmeisterin Lisa Brennauer, der Mailand-San Remo- und Paris-Roubaix-Sieger John Degenkolb (2005 in Weitnau) oder die späteren „Bora-Profis“ Emanuel Buchmann und Michael Schwarzmann.

In den letzten Jahren entwickelte der Verein unter dem aktuellen RSV-Vorstand um Richard Wolf durch die Organisation von Events, wie dem Andreas-Brandl-Gedächtnisrennen, dem Stöckle-Rennen und der Strausberg-Trophy eine immense Anziehungskraft für die Athleten aus dem süddeutschen Raum. Diesen Weg Deutschlands südlichsten Radsportvereins, mit seinen sportlichen Sternstunden und seinen größten Aushängeschildern, zeichnet Toni Nessler in seinem Buch nach.

Der 69-Jährige selbst raste mit zwölf Jahren auf seinem „ersten gebrauchten Halbrenner mit Schutzblech und Gepäckträger“ durchs Allgäu, ehe er Anfang der 1970er Jahre an ersten Rennen der Hobbyklasse teilnahm. Erst mit 28 Jahren, 1980, gelang Toni Nessler der Aufstieg in die Amateurklasse B. Und auch wenn ihm der große Sprung verwehrt blieb, ist Nesslers Feuer für den Radsport nie erloschen. 1996 fand seine Laufbahn nach 720 Renneinsätzen ein Ende – nach einem schweren Sturz in Vöhringen, bei dem das Schlüsselbein und drei Rippen zu Bruch gingen.

Danach engagierte sich Nessler in der Vereinsarbeit des RSV Sonthofen und brachte als Verleger von 1987 bis 2013 das Radsport-Magazin (Grüner Radsport) heraus. Von 1993 bis 2007 war er Präsident des Vereins – in dieser Zeit organisierte er 28 bundesoffene Radrennen in Weitnau, Sonthofen, Fischen und Oberstaufen.