Fahrrad-Netz im Allgäu

Fahrradfahrer äußern Kritik am Iller-Radweg zwischen Kempten und Sonthofen

Brigitte und Ernst Höchenberger radelten am Iller-Radweg von Kempten nach Sonthofen (Bild links). Dort boten Vereine und Firmen ein buntes Programm.

Brigitte und Ernst Höchenberger radelten am Iller-Radweg von Kempten nach Sonthofen (Bild links). Dort boten Vereine und Firmen ein buntes Programm.

Bild: Sibylle Mettler

Brigitte und Ernst Höchenberger radelten am Iller-Radweg von Kempten nach Sonthofen (Bild links). Dort boten Vereine und Firmen ein buntes Programm.

Bild: Sibylle Mettler

Zu schmal, zu viel los: Am Illerradweg zwischen Kempten und Sonthofen äußern Teilnehmer des Fahrradfests im Oberallgäu Kritik. Das Stadtradeln geht bis 12.Juli.
29.06.2022 | Stand: 06:47 Uhr

Brigitte Höchenberger muss nicht lange überlegen. 25 Jahre lang leitete sie die Rheuma aktiv Radlergruppe in Kempten. Die 76-Jährige kennt die Radstrecken in der Region. Als sie beim Fahrradfest in Sonthofen gefragt wird, was man am Radwegenetz in der Region verbessern könnte, nennt sie sofort die Situation in den Städten. Über Land seien die Wege gut beschildert. Die Städte seien aber noch zu sehr auf Autofahrer ausgerichtet, findet auch ihr Mann Ernst (82 Jahre). Beide Senioren radelten zu dem Fest von Kempten nach Sonthofen – aber abseits der offiziellen Delegation des Landkreises und der Stadt. Der Iller-Radweg sei ihnen zu schmal, um dort mit so vielen anderen Menschen zu fahren, sagten die Höchenbergers.

Stadtradeln in Sonthofen 2022: Beitrag zum Klimaschutz

Nach Angaben der Polizei radelten an diesem 31 Grad heißen Sonntag mehr als 100 Menschen von Kempten zum Fahrradfest nach Sonthofen, unter ihnen Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle und die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller. Als sie noch in Kempten arbeitete, sei sie im Sommer öfter mit dem Rad zur Arbeit gefahren, verriet Baier-Müller. Das erhoffen sich der Landkreis Oberallgäu und die Stadt Kempten auch von den Teilnehmern des Stadtradelns.

Auch Landrätin Indra-Baier-Müller und Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle waren mit dem Rad unterwegs. Die Verkehrswacht demonstrierte ihnen mit einer lebensgroßen Puppe, wie wichtig ein Helm ist.
Auch Landrätin Indra-Baier-Müller und Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle waren mit dem Rad unterwegs. Die Verkehrswacht demonstrierte ihnen mit einer lebensgroßen Puppe, wie wichtig ein Helm ist.
Bild: Sibylle Mettler

Menschen aus der Stadt und dem Landkreis strampeln in der dreiwöchigen Aktion für ein gemeinsames Ziel: Durch mehr Radverkehr einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Bei der Aktion können alle mitmachen, die in Kempten und im Oberallgäu leben, arbeiten, einem Verein angehören oder die Schule besuchen. In den drei Aktionswochen geht es darum, möglichst viele Radkilometer für das eigene Team und den Landkreis oder die Stadt zu sammeln. In die Wertung gehen alle Strecken ein, die die Teilnehmer in dem Zeitraum mit dem Rad zurücklegen. Im Oberallgäu spendet die Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu für alle 3000 Kilometer, die zurückgelegt werden, einen Baum. In Kempten gibt es ein Radel-Lotto, bei dem als Preis Bäume gepflanzt werden.

Iller-Radweg: "Es ist zu viel los"

Auch auf der Bühne vor dem Landratsamt radelten Besucher auf Ergometern für den Bergwald. Dort strampelten auch Baier-Müller, Durachs Bürgermeister Gerhard Hock und Kiechle. Zuvor hatte der Kemptener OB betont, dass es in der Region eine gute Rad-Infrastruktur gebe. „Aber es ist eine Daueraufgabe, diese zu verbessern und noch sicherer zu machen“, sagte Kiechle.

So sieht es auch Wolfgang Kley aus Rettenberg. Im Großen und Ganzen ist der 67-Jährige mit den Bedingungen für Radler im Oberallgäu zufrieden. Doch an manchen Stellen gebe es Lücken im Wegenetz. Wer von Rettenberg Richtung Wertach radelt, müsse bei Kranzegg auf die Straße ausweichen, wo die Autos fahren. Und auch von Sonthofen nach Rettenberg klaffe bei Agathazell ein Loch im Radwegenetz, kritisiert Kley, der pro Jahr rund 2000 Kilometer auf dem Sattel zurücklegt.

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Gabi Kjer aus Langenwang und Hans-Peter Raps aus Reichenbach stört, dass der Iller-Radweg so überlaufen ist. „Es ist unmöglich, dort mit den Enkelkindern zu fahren. Es ist zu viel los“, sagt Kjer. Raps stört vor allem, dass der Illerweg geschottert ist. Beim Fahren werde viel Staub aufgewirbelt. Auch seine Begleiterin wünscht sich, dass die Wege dort geteert werden. Denn wer wie sie mit einem Tourenrad unterwegs ist, könne auf dem Schotter leicht stürzen. Vor Unterführungen mahnen Schilder die Radler am Illerweg wegen Rutschgefahr sogar zum Absteigen. Doch wer schiebt sein Bike, wenn er radeln kann?

Wer am Stadtradeln teilnehmen möchte, muss sich hier registrieren.

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