Allgäuer Literaturfestival

Im Strudel von Gewalt und Mobbing: Autorin erzählt in Immenstadt aus ihrem Leben

Deniz Ohde Foto Heike Steinweg Suhrkamp Verlag

„Dass sich mein erster Roman mit der Schule beschäftigen wird, habe ich mit 17 geahnt“: Die Schriftstellerin Deniz Ohde liest aus ihrem Debütroman „Streulicht“ in Immenstadt.

Bild: Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

„Dass sich mein erster Roman mit der Schule beschäftigen wird, habe ich mit 17 geahnt“: Die Schriftstellerin Deniz Ohde liest aus ihrem Debütroman „Streulicht“ in Immenstadt.

Bild: Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

Deniz Ohde präsentiert ihren preisgekrönten Roman „Streulicht“ in Immenstadt. Er erzählt von einer Kindheit und Schulzeit, die kein Zuckerschlecken waren.
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Von Veronika Krull
30.10.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Eine junge Frau erzählt von ihrer Kindheit und Jugend: Beides war kein Zuckerschlecken, weder zu Hause noch in der Schule. Die Mutter, in der Türkei geboren, der Vater, ein Deutscher: beide streng bis gewalttätig. In der Schule wird das Mädchen gemobbt. Der Aufstieg vom Arbeiterkind zur Akademikerin war mit vielen Stolpersteinen gepflastert. In ihrem ersten Roman „Streulicht“ hat Deniz Ohde, 1988 in Frankfurt am Main geboren, auch einen Teil ihrer eigenen Biografie verarbeitet. Sie studierte Germanistik in Leipzig, wo sie heute auch lebt. Für „Streulicht“ erhielt die junge Autorin den Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung und den „Aspekte-Literaturpreis 2020“. Im Rahmen des Allgäuer Literaturfestivals liest sie am Donnerstag, 4. November, aus ihrem Debütroman im Immenstädter Schloss. Mit Deniz Ohde sprach Veronika Krull.

Warum hatten Sie sich seinerzeit für ein Studium der Germanistik entschieden?

Deniz Ohde: Die Auseinandersetzung mit Texten als Leserin hat mir immer Spaß gemacht, und die Literatur an sich hat mich natürlich fasziniert. Gleichwohl wusste ich, dass man durch das Studium der Germa-nistik nicht Schriftstellerin wird – was immer mein ultimativer Plan war. Ich wollte mich aber wissenschaftlich mit Literatur und Sprache befassen, dieses methodische Handwerk lernen und in der Lage sein, mich auch mit Literatur zu befassen, bevor ich selbst zu schreiben beginne.

Wie lang vorbereitet war der Entschluss, sich in Ihrem Debütroman mit diesem Thema zu beschäftigen?

Ohde: Dass sich mein erster Roman mit der Schule beschäftigen wird, habe ich mit 17 geahnt. Ich habe damals aber nicht gewusst, welche Geschichte sich dabei entwickeln wird, wer die Figuren sind und so weiter. Das hat sich alles erst während des Schreibens herauskristallisiert, also etwa ab 2017. Es ist also eine Mischung aus elf und drei Jahren, in denen ich den Roman vorbereitet habe.

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Ihr Schreibstil ist von sehr genauen Beobachtungen geprägt – haben Sie ein gutes Gedächtnis oder ein besonderes Einfühlungsvermögen?

Ohde: Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis, was Beobachtungen von Details und Sinneseindrücke angeht – was manchmal etwas anstrengend ist und mir die Gehirnwindungen verstopft. Ein „besonderes“ Einfühlungsvermögen habe ich, glaube ich, nicht. Beziehungsweise: Ich kann nicht wissen, wie andere Leute sich einfühlen – jeder Mensch verfügt ja über Empathie, also, fast jeder.

Wie kritisch lesen Sie Ihre eigenen Werke in der Korrekturphase?

Ohde: Bei der Arbeit an „Streulicht“ habe ich mehrmals fast alles verworfen und wieder von vorn angefangen oder die Reihenfolge komplett umgeworfen, weil ich es zu schlecht fand. Also würde ich schon sagen, dass ich mit meinem eigenen Text sehr kritisch bin. Es gibt aber auch diese Phasen, wo man den Text nicht mehr richtig sehen kann und nur glaubt, dass alles schrecklich ist, nach ein paar Wochen aber merkt, dass das gar nicht stimmte. Dann wieder gibt es auch jetzt im Text Stellen, mit denen ich nicht ganz oder nicht mehr zufrieden bin. Es kommt aber der Punkt, wo übermäßige Selbstkritik einem nur im Weg steht, wo es mehr darauf ankommt, den Text endlich fertig zu kriegen. Den Unterschied zwischen all dem zu erkennen, ist die Schwierigkeit.

Mit welchen Passagen aus Ihrem Roman werden Sie das Buch bei Ihrer Lesung vorstellen?

Ohde: Das habe ich noch nicht entschieden! Ich hoffe, das erhält irgendwie die Spannung …

Ist schon ein nächster Roman geplant?

Ohde: Ja, er ist auch schon begonnen. Ich kann aber rein gar nichts darüber verraten, sonst stürzt alles zusammen.

Lesung: Die Schriftstellerin Deniz Ohde präsentiert Kostproben aus ihrem preisgekrönten Debütroman „Streulicht“ am Donnerstag, 4. November, um 19.30 Uhr im Immenstädter Schlosssaal. Karten für diese Veranstaltung des Allgäuer Literaturfestivals gibt es über die Marketingabteilung der Stadt Immenstadt, Telefon 08323/9988501, oder per E-Mail unter dieser Adresse:

literaturhaus@immenstadt.de

Die Karten können dann am Veranstaltungsabend vor Ort bezahlt werden.

Die Schriftstellerin Deniz Ohde.

Das Allgäuer Literaturfestival.

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