Freiwasser-Schwimmen beim "Backwaterman"

Immenstädter Marcus Joas bezwingt Schwimm-Legende Christof Wandratsch

TV Immenstadt Schwimmen

Marcus Joas bezwang beim BAckwaterman in Niederösterreich Schwimm-Ikone Christof Wandratsch.

Bild: Zähringer

Marcus Joas bezwang beim BAckwaterman in Niederösterreich Schwimm-Ikone Christof Wandratsch.

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Der 21-jährige Joas vom TV Immenstadt lässt in Niederösterreich den mehrfachen Europameister Wandratsch hinter sich. Auch der Nachwuchs glänzt im Freiwasser.
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Von Redaktion Allgäuer Anzeigeblatt
09.07.2021 | Stand: 06:07 Uhr

Es ist die Legende, die alle in den Bann zieht. Und Marcus Joas hat sie bezwungen. Christof Wandratsch ist zweifacher Europameister, Eisschwimm-Weltmeister, Gewinner des prestigeträchtigen Zürichsee-Schwimmens und German-Open-Sieger. Beim Schwimmfest „Backwaterman“ im niederösterreichischen Ottenstein hatte der 54-Jährige aber das Nachsehen gegenüber dem 21-jährigen Marcus Joas vom TV Immenstadt.

Da Wettkämpfe in Schwimmbädern nach wie vor rar gesät sind, bleibt den Schwimmern, die seit einigen Wochen wieder „regulär“ trainieren können, derzeit hauptsächlich das Ausweichen ins Freiwasser. So probierten die Schwimmer des TV 1860 Immenstadt mit dem „Backwaterman“ eine bisher ungekannte Wettkampf-Art aus.

Neuland für die Schwimmer des TV Immenstadt

Bei dem Event in Ottenstein wagten sich neun TVI-Aktive auf unbekanntes Terrain. Zu bewältigen gab es verschiedene Distanzen in unterschiedlichen Bereichen des Ottensteiner Stausees, der über zahlreiche Seitenarme verfügt, als fjordartig beschrieben wird und nur an wenigen Stellen zugänglich ist. Neben dem reinen Schwimmen war bei den Sportlern also auch ein guter Orientierungssinn vonnöten, um nicht in falschen Seitenarmen vom Kurs abzukommen.

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Und Marcus Joas war auch der erste TVI-Starter, der ins Wasser sprang. Per Schiff wurden die Athleten zum Start nach Mitterreith gefahren, von wo aus sie sich den Sieben-Kilometer-Weg zurück nach Ottenstein suchen mussten. „Dieses Rennen war extrem anstrengend – entsprechend war ich heilfroh, als ich das Ziel als Dritter erreicht habe“, sagte Joas.

Anton Käser siegte beim „Freiwasser-Sprint über 750 Meter in 10:13 Minuten. Marcus Joas bezwang sogar Schwimm-Ikone Christof Wandratsch. Das neunköpfige TVI-Team zeigte sich stark beim „Backwaterman“.
Anton Käser siegte beim „Freiwasser-Sprint über 750 Meter in 10:13 Minuten. Marcus Joas bezwang sogar Schwimm-Ikone Christof Wandratsch. Das neunköpfige TVI-Team zeigte sich stark beim „Backwaterman“.
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Wenige Stunden später wurde das Rennen über drei Kilometer ausgetragen. Auch hier wurden die Wettkämpfer mit dem Schiff zum Start gebracht, der diesmal vom „Teufelsfelsen“ erfolgte. Alle vier TVI-Schwimmer hatten großen Respekt vor dieser Strecke und hofften einmal mehr, die Orientierung nicht zu verlieren – doch das Quartett fand den Weg zurück nach Ottenstein. Bei den Damen schwamm Vanessa Hoffmann in 42:04 Minuten als Vierte ins Ziel und verfehlte damit nur um drei Sekunden den Bronzerang.

Ihr folgten auf den Plätzen fünf und sechs Sigrid Leistner (43:25) und ihre Schwester Selina Hoffmann (44:06). Armin Wetzel (43:58) beendete sein Rennen bei den Herren als Achter. Ebenfalls am Nachmittag hatten die Youngsters ihren Einsatz – sie hätten ursprünglich einen Rundkurs von 1,5 Kilometer schwimmen sollen.

Xaver-Brüder dominieren die Konkurrenz

Da der Ausrichter Änderungen vorgenommen hatte, wurde die Wettkampfdistanz auf 750 Meter halbiert, sodass für die 13-jährigen TVIler quasi ein kurzer See-Sprint übrigblieb. Nach der anfänglichen Enttäuschung über diese Verkürzung nutzten die Städtler jedoch die Gunst der Stunde und preschten vor malerischer Kulisse vom Start zum Ziel. Bei den Mädchen siegte Isabella Bayer in 11:20 Minuten. Bei den „jungen Männern“ beanspruchten die Städtler das gesamte Siegerpodest für sich. Erster wurde Anton Käser (10:13) vor seinem Zwillingsbruder Xaver (10:18) und Mannschaftskamerad Maximilian Schnalzger in 10:56 Minuten. Am Abend gab es für alle Athleten ein Gala-Dinner und eine Greifvogel-Schau. Beim Dinner wurden auch diverse Ehrungen vorgenommen. Hier bekam Marcus Joas den „Social Media Award“ verliehen, zu dem im Frühjahr via Internet abgestimmt worden war.

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Am zweiten Wettkampftag stand das Bezwingen der „Dobra-Schlinge“ auf dem Programm. Die Strecke belief sich ursprünglich auf 6,5 Kilometer. Da die Wassertemperatur im letzten Abschnitt jedoch unter elf Grad fiel, wurde die Distanz auf etwa 5,5 Kilometer verkürzt. Die Strecke hatte echten „Amazonas-Flair“: Der Arm des Sees war nur zehn Meter breit, aufgrund von Bäumen an beiden Uferseiten waren die Schwimmer angehalten, möglichst in der Mitte zu schwimmen, um nicht in Ästen hängen zu bleiben oder sich zu verletzen.

Joas' heißes Duell mit Wandratsch und Weltmeister Lange

Die Athleten wurden mit dem Bus zum Wettkampfort gefahren und mussten zu Fuß in einen Talkessel absteigen. Dort erfolgte der Start im Abstand von zehn Sekunden mit Sprung von einem Steg. Favoriten waren der Gehörlosen-Weltmeister Nicky Lange und eben Schwimm-Ikone Wandratsch mit den Startnummern eins und zwei. Marcus Joas startete mit Startnummer acht – sollte aber sein Rennen noch machen.

Der 21-Jährige schockte das Teilnehmerfeld förmlich mit mutig hohem Angangstempo und kämpfte sich zu Beginn an einem Schwimmer nach dem anderen vorbei. Als er schließlich Wandratsch und Lange eingeholt hatte, war Joas klar: „Ich habe für ein Favoritensterben gesorgt und wusste, dass ich jetzt nur nicht mehr zu weit zurückfallen durfte.“ Im Gegensatz zum Vortag fiel dem Immenstädter das Schwimmen aber „extrem leicht“. Nach 1:01:30 Stunde als schnellster Bezwinger der Dobra-Schlinge im Ziel angekommen, hatte er Wandratsch ganze 58 Sekunden abgenommen; Lange sogar unglaubliche 2:08 Minuten. Auch Vanessa Hoffmann (1:23:53) als Fünfte und Sigrid Leistner nach 1:24:10 als Siebte bezwangen „die Schlinge.“

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