Lebendige Geschichte

Immenstädter Museum zeigt, wie einst der Schuster arbeitete

Blick in die neue Schusterwerkstatt des Immenstädter Museums Hofmühle.

Blick in die neue Schusterwerkstatt des Immenstädter Museums Hofmühle.

Bild: Carolin Keim

Blick in die neue Schusterwerkstatt des Immenstädter Museums Hofmühle.

Bild: Carolin Keim

Eine alte Gunzesrieder Schuster-Werkstatt schmückt das Immenstädter Museum Hofmühle. Welche Geschichte die neuen Ausstellungsstücke erzählen.
Blick in die neue Schusterwerkstatt des Immenstädter Museums Hofmühle.
Von Redaktion Allgäuer Anzeigeblatt
10.02.2021 | Stand: 14:00 Uhr

Ein besonderes Schmuckstück hat seinen Platz im Immenstädter Museum Hofmühle gefunden: eine alte Schuhmacherwerkstatt aus Gunzesried.

Seit einem Jahr sind die dazugehörigen Möbel, Maschinen, Werkzeuge und hölzernen Schuhleisten im Besitz des Heimatvereins Immenstadt und lagerten bisher im Depot, erklärt Carolin Keim, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. In den vergangenen Wochen haben die Museumsmacher die angeordnete Schließung des Hauses genutzt und die Werkstatt des Gunzesrieder Schuhmachermeisters Josef Guggenmoos wieder aufgebaut.

Josef Guggenmoos wurde wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 in Gunzesried geboren, in unruhige Zeiten hinein. Sein Vater, Rupert Guggenmoos, hatte sieben Geschwister und betrieb gemeinsam mit einem Bruder eine Schuhmacher-Werkstatt in Gunzesried. Beide Brüder verstarben, bevor die Welt erneut in einen mehrjährigen Kriegszustand versank – diesmal wurde Josef Guggenmoos ebenfalls eingezogen. In dieser Zeit betrieb seine Frau die Werkstatt weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Guggenmoos die Meisterprüfung ablegen und war ab 1948 geprüfter Schuhmachermeister. Bis Mitte der 1960er-Jahre betrieb er die Werkstatt im Hauptberuf. Nachdem er zu einer Anstellung bei der Gemeinde Blaichach gewechselt hatte, reparierte und fertigte er bis zu seinem Tod 1999 Schuhe im Nebenerwerb.

In der Einrichtung seiner Werkstatt finden sich wenige elektrisch betriebene Maschinen, die meisten Gerätschaften aus schwerem Gusseisen mussten mit Körperkraft betrieben werden, wie etwa die Nähmaschine der Firma Claes mit Fußantrieb. Das Besondere aber ist, dass auch die vielen kleinen Details wie verschiedenste Nägel, Garne und Zwirnrollen, Fläschchen mit Maschinenöl, das Auftragsbuch und sogar fertige Schuhe ins Museum umziehen konnten. Dort ist nun ein Stück Zeitgeschichte mehr ausgestellt und freut sich – sobald das Museum wieder öffnen darf – auf Besucher.

Seit November bleiben – wie überall bei den Museen im Land – die Türen der Hofmühle geschlossen. Doch der Vorstand des Heimatvereins Immenstadt um den Vorsitzenden Richard Schindele und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Carolin Keim nutzen die Schließung, um die zum Teil 30 Jahre alte Dauerausstellung in einigen Bereichen zu erneuern.