Integration am Arbeitsplatz

Immenstädter Musiker erhält Rheumapreis

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Achim Rinderle und die Musikschule Oberallgäu-Süd in Immenstadt haben den Rheumapreis 2021 erhalten.

Bild: Bruno Maul

Achim Rinderle und die Musikschule Oberallgäu-Süd in Immenstadt haben den Rheumapreis 2021 erhalten.

Bild: Bruno Maul

Achim Rinderle sieht sein Rheuma nicht als Schicksalsschlag. Für die gelungene Integration wurden der Lehrer und die Musikschule Oberallgäu-Süd ausgezeichnet.
14.10.2021 | Stand: 19:00 Uhr

Die Diagnose hat der Musiker Achim Rinderle im Alter von 24 Jahren bekommen: Morbus Bechterew, eine entzündliche Form von Rheuma. Der lebensfrohe junge Mann war daraufhin zuerst verunsichert, dann genervt und schließlich verdrängte er das Problem. Heute ist Rinderle 48 Jahre alt und mittlerweile hat er seine Krankheit akzeptiert. Vor Kurzem haben er und sein Arbeitgeber, die Musikschule Oberallgäu-Süd in Immenstadt, den Rheumapreis für die Integration von Menschen mit Rheuma am Arbeitsplatz erhalten. Das teilt die Initiative Rheumapreis mit.

Rinderle sieht seine chronische Erkrankung laut Mitteilung nicht als schweren Schicksalsschlag. „Ich bin sogar dankbar für diese Notbremse“, sagt der Musiker. „Wenn ich weiter so durchgepowert hätte, vielleicht hätte ich dann heute schon Burnout?“ Zum Zeitpunkt der Diagnose lebte er in Hildesheim und war immer wieder auf Tour. Außerdem studierte er Kulturwissenschaften und plante den nächsten Schritt in die Erlebnispädagogik. Aufgrund seiner Erkrankung entschied Rinderle sich anders und übernahm eine Stelle als Instrumentallehrer in der Musikschule Oberallgäu-Süd in Immenstadt.

Mit Rheuma am Arbeitsplatz: Achim Rinderle aus Immenstadt erhält Rheuma-Preis

Seit 2011 unterrichtet er dort Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Klarinette und Saxophon. „Ich bin so froh, dass ich mein Wissen, mein Können und meine Liebe zur Musik weitergeben darf und bekomme so viel zurück an Vertrauen, Offenheit und Dankbarkeit“, sagt er. Die Leiter der Musikschule, aber auch die Kollegen und seine Schüler brächten ihm Geduld und Verständnis entgegen. „Sie sehen nur meine Fähigkeiten und nicht meinen Buckel“, sagt Rinderle.

Den Unterricht hält der Musiklehrer im Erdgeschoss, um nicht Treppen steigen zu müssen. Ein zusätzlicher CD-Player wurde angeschafft, sodass Rinderle ihn nicht von Raum zu Raum tragen muss. „Wir unterstützen, wo immer es nötig ist“, sagt Tobias Heinrich, musikalischer Leiter der Musikschule Oberallgäu-Süd. „Aber Herr Rinderle hat so ein offenes und positives Auftreten, dass seine Krankheit gar keine Chance hat, Hauptthema zu werden.“ Über den Rheumapreis freute sich auch Heinrich. Rinderle sei ein „geschätzter Mitarbeiter und ein wunderbarer Musiker mit einem sehr guten Verhältnis zu seinen Schülerinnen und Schülern“.

Immenstädter Musiker gibt Betroffenen Tipps zum Umgang mit Rheuma

Für Betroffene hat Rinderle einen Tipp: „Stress möglichst vermeiden. Ab und zu einfach nur dasitzen, in sich hineinhören und den Körper spüren.“ Und: Erkrankte sollten sich mit Menschen umgeben, die Mut machen, aufbauend und positiv sind.

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Rheuma: Früh erkennen und besser behandeln

Die Initiative Rheumapreis hat dieses Jahr zum 13. Mal den Rheumapreis vergeben. Die Initiative zeichnet „inspirierende Vorbilder“ aus, die Hindernisse am Arbeitsplatz abgebaut haben. Sie sollen anderen Menschen mit Rheuma und ihren Arbeitgebern Mut machen und Anregungen geben. Die Arbeitnehmer erhalten ein Preisgeld von 3000 Euro, die Arbeitgeber bekommen eine Urkunde.

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