Der Impfbus rollt nicht mehr, weil der Impfstoff fehlt

Impfungen vor Ort gestoppt: Oberallgäuer Bürgermeister üben Kritik

Der Impfbus des Landkreises Oberallgäu fährt vorerst nicht mehr. Dezentrales Impfen wird es nicht mehr geben. Nur die Zweitimpfungen finden noch statt.

Der Impfbus des Landkreises Oberallgäu fährt vorerst nicht mehr. Dezentrales Impfen wird es nicht mehr geben. Nur die Zweitimpfungen finden noch statt.

Bild: Ralf Lienert

Der Impfbus des Landkreises Oberallgäu fährt vorerst nicht mehr. Dezentrales Impfen wird es nicht mehr geben. Nur die Zweitimpfungen finden noch statt.

Bild: Ralf Lienert

Die Nachricht sorgt bei vielen Oberallgäuern für Enttäuschung. In den Rathäusern gibt es nur wenig Verständnis, vor allem weil das Angebot gut angenommen wurde.
04.05.2021 | Stand: 18:26 Uhr

Nachdem die dezentralen Erstimpfungen gegen das Corona-Virus im Landkreis Oberallgäu und in Kempten – etwa in Impfbussen oder Gemeindesälen – vorerst gestoppt wurden, ist bei manchem die Enttäuschung groß. Landrätin Indra Baier-Müller hatte am Donnerstag die Bürgermeister informiert, dass die Staatsregierung umsteuert . Hintergrund: Den Impfzentren steht weniger Impfstoff zur Verfügung als gedacht.

Riesengroßer Aufwand in Bad Hindelang

Bad Hindelangs Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel, kann vor diesem Hintergrund den Schwenk hin zu Hausärzten und Impfzentren verstehen. Bad Hindelang führte für die über 80-Jährigen Impfungen vor einigen Monaten im Kurhaus ein. „Das ist ein riesengroßer Aufwand für uns, aber es war für die über 80-Jährigen enorm wichtig.“

Für die Unter-70-Jährigen, „die meist mobil sind, und die oft noch arbeiten“, sei das nicht mehr so. Es sei richtig, jetzt auf die Impfzentren und die Hausärzte zu setzen. Rödel: „Die Ärzte kennen ihre Patienten am besten.“ So könnten auch diejenigen mit Vorerkrankungen früher geimpft werden.

Impfungen vor Ort gestoppt: Bürgermeister von Altusried übt Kritik

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Im Kurhaus sei im Rahmen des Katastrophenschutz geimpft worden – streng nach Alter. „Wir durften dort keine Jüngeren mit Vorerkrankungen aufnehmen.“ Das sei bei den Hausärzten jedoch anders. „Ich hoffe auf alle Fälle auf mehr Impfstoffe.“ Das war ja der Grund, warum die Impfungen mit Gemeindebeteiligung künftig ausfallen, wohlgemerkt die Erstimpfungen.

„Die Zweitimpfungen finden nach wie vor am Ort der Erstimpfung statt“, sagt dazu Alexander Schwägerl, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) zuständig für die Organisation der Impfungen in den Zentren. Er kann sich vorstellen, dass der Impfbus irgendwann auch einmal wieder rollt. „Das hängt sicher vor allem mit der Verfügbarkeit des Impfstoffes zusammen.“

Joachim Konrad, Bürgermeister von Altusried, machte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung seinem Ärger jedoch Luft: „Das ist unsäglich, was da passiert.“ 24 Termine hätten wieder abgesagt werden müssen, weil der Impfstoff schon am Sonntag nicht mehr ausreichte. Bei manchen der Betroffenen seien deshalb Tränen geflossen.

Bürgermeister von Waltenhofen: "Ich bin enttäuscht"

Dabei sei noch vor etwa zehn Tagen angekündigt worden, dass mehr Impfdosen zu haben sind, sagt Eckhard Harscher, Bürgermeister von Waltenhofen. Deshalb habe man neben den regulären Terminen montags noch zusätzliche Termine sonntags eingerichtet. Auch Altusried wollte seine Kapazitäten erhöhen und hatte das Impfzentrum vom Pfarrheim in die Turnhalle verlegt. Am Sonntag sollte dort das erste Mal geimpft werden.

„Ich bin enttäuscht“, sagt Waltenhofens Rathauschef. Den ehrenamtlichen Helfern werde vor den Kopf gestoßen. „Das ist kontraproduktiv für die Zukunft.“ Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King sagt hingegen kurz und knapp: „Die Entscheidungen zum dezentralen Impfen trifft das Landratsamt Oberallgäu.“ Aber die drei Impftermine vor Ort in Oberstdorf seien von den Impfberechtigten „sehr gut“ angenommen worden.

Die Vor-Ort-Impfangebote wurden gut angenommen

„Alle in Oberstdorf Erstimmunisierten erhalten bei zwei Terminen im Juni auch ihre zweite Impfung vor Ort.“ Den Weg bisher mit den dezentralen Impfangeboten, hält die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller zwar „für richtig und zielführend“. Dafür müssten allerdings die Impfzentren auch genug Impfstoff haben.

Gar als „Erfolgsmodell“ bezeichnet der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, die Vor-Ort-Impfangebote im Oberallgäu – als gemeinsame Säule mit den Hausärzten. „Das wurde hervorragend angenommen“, sagt Schwägerl. Von der Idee des Ministerpräsidenten Markus Söder, künftig eventuell sogar in Supermärkten impfen zu wollen, hält er hingegen nichts: „Das kann ich nicht verstehen.“

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