Allgäuer Trampolinturner sorgt für Furore

"Irres 2021"! Matthias Pfleiderer holt WM-Silber in Baku

WM-Silber mit deutschem Rekord. Beim Synchronwert waren Matthias Pfleiderer (links) und sein Partner Fabian Vogel bei der Weltmeisterschaft der Trampolinturner in Baku das Maß der Dinge.

WM-Silber mit deutschem Rekord. Beim Synchronwert waren Matthias Pfleiderer (links) und sein Partner Fabian Vogel bei der Weltmeisterschaft der Trampolinturner in Baku das Maß der Dinge.

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WM-Silber mit deutschem Rekord. Beim Synchronwert waren Matthias Pfleiderer (links) und sein Partner Fabian Vogel bei der Weltmeisterschaft der Trampolinturner in Baku das Maß der Dinge.

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Matthias Pfleiderer feiert den größten Erfolg seiner Karriere. Der Rettenberger knackt sogar einen Rekord. Dabei verlief 2021 alles andere als nach Plan.
23.11.2021 | Stand: 18:57 Uhr

Es endet ein verrücktes Jahr für Matthias Pfleiderer. „Aber was mir da gelungen ist, ist der geile Abschluss von diesem irren Jahr 2021“, sagt der 26-Jährige. An der Seite seines Partners Fabian Vogel (MTV Bad Kreuznach) gewann der Rettenberger Trampolinturner die Silbermedaille im Synchronwettkampf bei der Weltmeisterschaft in Baku – der größte Erfolg in der Karriere Pfleiderers.

„Wir wussten, wir sind imstande, eine solche Leistung zu zeigen. Aber, dass das so auf den Punkt klappt, ist sehr geil“, sagte Pfleiderer nach seiner Rückkehr aus Aserbaidschan. Damit nicht genug: Im Finale erturnte das Duo mit 52,290 Punkten einen neuen deutschen Rekord und musste sich lediglich den Weltmeistern aus Belarus, Andrei Builou und Aleh Rabtsau (52,930), geschlagen geben.

Bundestrainerin Prokesova: "Unglaublich stolz"

„Wir sind unglaublich stolz auf die Jungs. Sie haben super geturnt und eine richtig, richtig gute Kür hingelegt“, freute sich Trampolin-Cheftrainerin Katarina Prokesova nach dem Wettkampf über die Silbermedaille des Oberallgäuers. Nach der besten Kür in den Vorwettkämpfen steigerten sich Pfleiderer und Vogel über die Qualifikation noch einmal. Sie lieferten die beste Synchronität des gesamten Starterfeldes ab (19,440) und waren den Weltmeistern Builou und Rabtsau in Teilen sogar überlegen.

„Wir haben einen Top-Vorkampf hingelegt und sind auf Rang zwei sogar mit der besten Kürübung und mit breiter Brust ins Finale“, sagte Pfleiderer. „Wir wussten, dass es dort schwer werden würde, weil alle Nationen volles Risiko gegangen sind und hohe Schwierigkeitsgrade gezeigt haben.“ Das deutsche Duo entschied sich, „auf Nummer sicher“ zu gehen, dafür aber mit der Synchronität zu punkten – und sie wurden mit dem Top-Wert und deutschem Rekord belohnt.

WM-Silber mit deutschem Rekord. Beim Synchronwert waren Matthias Pfleiderer (vorne) und sein Partner Fabian Vogel bei der Weltmeisterschaft der Trampolinturner in Baku das Maß der Dinge.
WM-Silber mit deutschem Rekord. Beim Synchronwert waren Matthias Pfleiderer (vorne) und sein Partner Fabian Vogel bei der Weltmeisterschaft der Trampolinturner in Baku das Maß der Dinge.
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„Dieser Wettkampf war sehr positiv und vor allem mit der Silbermedaille ein wunderbarer Abschluss, den wir im Vorfeld so nicht erwartet haben“, sagte Pfleiderer, der für den MTV Stuttgart startet. „Erst recht nicht, weil meine Vorbereitung nicht optimal war.“ Denn nur wenige Stunden zuvor war der 26-Jährige bereits im Einzel aufs Tuch gegangen – und enttäuschte. Im Vorkampf zeigte Pfleiderer noch die siebtbeste Pflicht, patzte in der Kür aber bei der zweiten Übung.

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Der Oberallgäuer erreichte – wie schon in Tokio 2019 – dennoch das Halbfinale der Top 24, als einziger Deutscher. „Da habe ich meine Übung nicht zu Ende turnen können, weil ich die Abdeckung berührt habe“, sagte Pfleiderer, der 18. wurde. „Das war enttäuschend und nur wenige Stunden vor dem Synchronwettkampf ein Dämpfer.“ Und doch hat der Rettenberger noch rechtzeitig den Schalter umgelegt, war mit seinem Partner bereit für den Kampf um Edelmetall. „Es war eine besondere Atmosphäre bei der WM“, sagt Pfleiderer. „Und mit so einem grandiosen Erfolg da raus zu gehen – das habe ich nicht erwartet. Und das bleibt fürs Leben.“

Im Sommer fit wie nie zuvor

Tatsächlich blickt der Ausnahme-Turner, der den Sport unter den Fittichen seiner Eltern in der Heimat beim TV Immenstadt erlernt hat, 2021 auf eine außergewöhnliche Achterbahnfahrt zurück. Allein der Lockdown hatte die Trampolinturner immens schwer getroffen. Nach 14-monatiger Wettkampfpause stand Anfang Mai sogleich ein Höhepunkt mit der EM in Sotschi an. „Es fühlt sich gut an und ich bin nach so langer Zeit unheimlich motiviert. Die Vorfreude ist riesig“, hatte Pfleiderer damals im Interview mit unserer Redaktion gesagt. „Ich fühle mich fitter als jemals zuvor.“ Nach einer sportlichen Sinnkrise hatte er sieben Kilo abgenommen, das Training vielfältiger gestaltet und so pünktlich zur EM seine Motivation wiedergefunden. Doch der Erfolg blieb aus – Pfleiderer schied vorzeitig aus.

Erneut musste sich der deutsche Einzel-Meister von 2018, zweifache Jugendweltmeister und zweifache WM-Halbfinalist neu finden. „Ich war topfit und habe nicht geliefert. Und es war viel los im Sommer“, gesteht Pfleiderer. Parallel machte der 26-Jährige seinen Abschluss zum Maschinenbautechniker – die Doppelbelastung hinterließ Spuren. Pfleiderer zog die Reißleine, nahm sich sechs Wochen raus und reiste nach Mittelamerika. Inmitten in der WM-Vorbereitung.

„Ich habe diese Zeit gebraucht, um mir Luft zu geben, um den Kopf freizubekommen“, sagt Matthias Pfleiderer. „Nur so konnte ich ohne Druck zur WM fahren, sogar ohne allzu große Erwartungen. So befreit ging es mir gut. Und nur so war die Krönung nach einem wahnsinnigen Jahr möglich. Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können.“