Jubiläum in Oberstaufen

„Der Tatzelwurm“ für 70 Pfennige

Hochgratler Oberstaufen

Der Gebirgstrachtenverein „D’Hochgratler“ in Oberstaufen hat eine lange Tradition. Das Bild zeigt einen Umzug aus den Anfangsjahren.

Bild: Fotos: D’Hochgratler/Josef Kimpfler

Der Gebirgstrachtenverein „D’Hochgratler“ in Oberstaufen hat eine lange Tradition. Das Bild zeigt einen Umzug aus den Anfangsjahren.

Bild: Fotos: D’Hochgratler/Josef Kimpfler

Der Trachtenverein D'Hochgratler aus Oberstaufen ist 100. Gefeiert wurde wegen der Corona-Pandemie nicht. Vielleicht gibt es ein Festwochenende an Pfingsten.
12.10.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Am 10. April vor 100 Jahren war es soweit: 15 „Interessenten“, so heißt es in der Chronik, trafen sich im damaligen Hotel „Büttner“ in Oberstaufen (heute „Bayerischer Hof“) und gründeten einen Verein. Tracht und Tradition sollten im Mittelpunkt stehen, ähnlich wie beim Paten in Bad Hindelang. Die Männer (und Frauen?) gaben sich den Namen „d’Weißachtaler“. Das hatte aber nicht lange Bestand. Bereits ein Jahr später tauften sie sich in „d’Hochgratler“ um. Warum, weiß auch Florian Haser (39) nicht, der seit 2016 Vorsitzender des Vereins mit 300 Mitgliedern und rund 70 Aktiven ist .

Der Urahn war Michael Beck

Sein „Urahn“ im Amt war Michael Beck. Offensichtlich ein rühriger Mann, denn aus den 15 Mitgliedern des Gebirgstrachtenvereins, so die offizielle Bezeichnung, waren binnen eines Jahres 35 geworden. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Noch im gleichen Jahr wurden Trachten angeschafft: Die Männer bekamen Lederhosen und ein Leible in Grün nach dem Vorbild des Patenvereins – die einzigen grünen „Westen“ in weiterem Umkreis. Die Frauen trugen einen blauen Rock, wiederum einzigartig, mit einem schwarzen Mieder und einer weißen Schürze.

Das sind die Hochgratler Oberstaufen im jahr 2021.
Das sind die Hochgratler Oberstaufen im jahr 2021.
Bild: Josef Kimpfler/D´Hochgratler

Fünf Jahre nach der Gründung wurde eine Fahne in Auftrag gegeben, unter anderem mit Motiven des Oberstaufener Wappens und dem Hochgrat. Ein Jahr später wurde sie feierlich geweiht und sicherlich beim ersten Heimatabend präsentiert. Die Fahne gibt es bis heute, mehrfach wurde sie restauriert. 1977 wurde die 50-jährige Fahnenweihe „groß gefeiert“, erklärt Haser. Er ist Sanitär- und Heizungsbaumeister und seit 1998 im Verein aktiv. Geplant war ein Umzug, was aber fast schief gegangen wäre. „Das ganze Wochenende hat es ganz schlimm geregnet.“ Doch dann gab es doch noch eine Wolkenlücke, „und das Feschtle war gerettet“.

Eine Verteinshütte "im Moos"

1985 machten sich die Trachtler, Paten vom Trachtenverein Stiefenhofen, gemeinsam an die Arbeit und bauten ihre erste Vereinshütte „im Moos“ – außerhalb Oberstaufens, in der Nähe der Tennishalle Richtung Genhofen. Unter der tatkräftigen Regie von Vorstand Sepp Lau schafften die „Hochgratler“ das Holz herbei, zogen Wände und Dach hoch, managten den Innenausbau. Fortan diente die Hütte als Probeort, kleinere Veranstaltungen wie Faschingskränzle und „Boschenfeschte“ im Sommer finden ebenfalls hier statt. Rund 100 Menschen haben hier Platz. Elf Jahre später wurde die Hütte erweitert, die Bühne wurde ausgebaut, ein Lager fürs Bauerntheater eingerichtet. Unter der Leitung von Hüttenwirt Wolfgang Freidl sorgen dort heute Ehrenamtliche für die Bewirtung.

Auch kleine Tänzer sind dabei

Das Bauerntheater gab es, so Florian Haser, laut Erzählungen schon vor der Vereinsgründung. In der Chronik ist vermerkt, dass am 19. Juni 1921 „Der Tatzelwurm“ aufgeführt wurde – „um 4 Uhr und 8 Uhr in der Schlosshalle, Eintritt war 70 Pfg“. Neben dem Bauerntheater mit heute 20 Aktiven vom Schauspieler bis zum Bühnenbilder (Leitung: Oliver Schlecht) gibt es natürlich eine Plattlergruppe mit etwa zehn „Pärle“, die von Martin Appelt und Sabine Schädler „dirigiert“ werden. 1993 waren die Plattler zu einem mehrtägigen Trachtentreffen in Ungarn eingeladen: Verschiedene Gruppen entlang der Donau waren dabei, aus Oberstaufen kam sechs Paare. Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte war 1997 ein Fernsehauftritt der Trachtler in Chemnitz beim Winterfest der Volksmusik mit Carmen Nebel. Beim Oktoberfest in München marschierten „d’Hochgratler“ schon zwei Mal mit, zuletzt 2018: „Ein tolles Erlebnis“, so Florian Haser. Neben den „großen“ Plattlern gibt es mit zehn bis 15 Pärle auch eine Reihe „kleiner“ Tänzer, angeleitet von Markus Hauber und Katharina Kimpfler. „Jedes Mitglied ist willkommen“, wirbt der Vorstand und seufzt: „Buben sind Mangelware.“

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