Protest in Oberstdorf

Jugendliche demonstrieren am 6. Juni für eine Verkehrswende im Alpenraum

Julian  Fürholzer

Julian Fürholzer

Bild: Fürholzer

Julian Fürholzer

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Julian Fürholzer aus Starnberg ist ein Sprecher des Protests, beim Bund Naturschutz aktiv. Er sagt unter anderem, Autos brauchen zu viel Platz
04.06.2021 | Stand: 18:36 Uhr

Mit Holzrahmen, die den Platzverbrauch von Autos anzeigen, demonstrieren am Sonntag, 6. Juni, Jugendliche in Oberstdorf für eine Verkehrswende im Alpenraum. Der Demonstrationszug beginnt um 14 Uhr am Bahnhof und führt bis zur Oybele-Festhalle. Ein Bündnis aus dem Arbeitskreis Alpen der Jugendorganisation des Bund Naturschutz (JBN) und der Jugend des Deutschen Alpenvereins fordert, dass der öffentliche Nahverkehr stark ausgebaut wird. Der Alpenraum sei besonders von erhöhtem Verkehrsaufkommen betroffen. Was gilt es nun zu tun und warum wird ausgerechnet in Oberstdorf protestiert? Unsere Redaktion sprach mit dem Sprecher des Arbeitskreises Alpen der JBN, Julian Fürholzer.

Herr Fürholzer, junge Leute protestieren für eine Verkehrswende im Alpenraum. Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf Oberstdorf?

  • Fürholzer: Oberstdorf ist bekannt und viel besucht. Gerade solche Orte müssen anfangen, viel mehr für Nachhaltigkeit zu machen. Wenn diese Orte keine Musterbeispiele im Bereich des Klima- und Umweltschutzes werden, dann werden die Natur und dadurch Möglichkeiten für junge Menschen in naher Zukunft zerstört. Hier sehen wir uns klar als Stimme der Jugend, die versucht die Gemeinde auf solche Probleme verstärkt aufmerksam zu machen.

In Oberstdorf fahren unter anderem moderne Elektrobusse, es gibt Auffangparkplätze am Ortsrand. Die Marktgemeinde ist gut aufgestellt, achtet auf eine Reduzierung des CO2-Verbrauchs auch in den Eigenbetrieben. Woran hapert es Ihrer Meinung nach?

  • Fürholzer: Durch die Erfahrungen mit den Elektrobussen kann man nun anfangen, die restliche ÖPNV Flotte nachhaltig umzubauen. Dann müsste man die Ortsbuslinien ausbauen, um einen einfachen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu ermöglichen. Das Tarifsystem sollte vereinheitlicht werden, auch bei einem Wechsel zwischen Verkehrsmitteln. Ein wichtiger Punkt wäre auch, dass man Fahrradstraßen einrichtet und weitere Bereich für den Autoverkehr sperrt. Platzbedarf und die Emissionen von Autos sind nicht verhältnismäßig und nicht zukunftsfähig.

Es gibt eine Bundesstraße nach Oberstdorf, dann kommen die Berge, weiter geht es nicht, außer man möchte ins Kleinwalsertal fahren. Menschen sind hungrig auf Naturerlebnis und fahren natürlich dorthin und natürlich meist mit dem eigenen Auto. Welches Ziel hat die Jugend des Bund Naturschutz und des Deutschen Alpenvereins?

  • Fürholzer: Es ist auf keinen Fall für einen großen Teil der Menschen natürlich, mit dem Auto anzureisen. Viele Jugendliche reisen jetzt schon mit der Bahn und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. Das muss weiter gefördert und ausgebaut werden. Wir möchten hierbei der Jugend auch eine Stimme geben, damit die Aussage nicht immer bleibt: Es ist natürlich, mit dem Auto in die Berge zu reisen. Unsere Aktiven reisen zu allen Veranstaltungen bayern- und deutschlandweit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Pandemie hat aber auch die Probleme des Individualverkehrs verstärkt und öffentlich gezeigt. So waren letzten Sommer viele Parkplätze maßlos überrannt und auf vielen Straßen staute sich der Verkehr. Ein „einfach so weiter wie bisher“ scheint da eher schwer möglich. Es braucht Veränderung, die auch die Zukunft der Jugendlichen im Blick behält.

Es ist nicht die erste Demonstration dieser Art im Allgäu. Wie viele Teilnehmer erwarten Sie – und wie reisen Sie an?

  • Fürholzer: Wegen der weiter andauernden Pandemie planen wir nicht mit vielen Teilnehmenden. Wir rechnen derzeit mit einem Dutzend Teilnehmern. Generell reisen die Mitglieder der JBN sowie des JDAV zu allen Veranstaltungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an.

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Ihre Hoffnung für die Zukunft, für was kämpfen Sie?

  • Fürholzer: Für mich ist es ganz besonders wichtig, dass man den Naturraum Alpen erhält. Ich möchte auch in zehn Jahren noch in die Berge fahren können, dort die frische Luft und die Ruhe genießen. Das oberste Ziel muss sein, Klimaneutralität bis 2030 zu erreichen. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Klimagerechtigkeit haben wir auch ein Recht darauf, dass man unsere Zukunft weiterhin im Blick behält. Deshalb ist es wichtig, Jugendliche sowohl auf kommunaler und regionaler, als auch auf Landesebene an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Die Ansichten und Wünsche junger Menschen müssen gehört werden und in Planungsprozesse einfließen. Es genügt nicht, ihnen nur Integration vorzugaukeln. Interview: Silvia Reich-Recla
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