Fußball-Landesliga

"Jungs an der Ehre packen": FC-Sonthofen-Trainer Müller mit flammendem Appell

- Fussball Landesliga Sôdwest  - Erster Spieltag Saison 2021-2022  - 1. FC Sonthofen (rot) vs. TuS Geretsried (schwarz) 2-0  - im Bild: Trainer SF Benjamin Môller  - Foto: Guenter Jansen

Chefcoach Benjamin Müller und sein Co-Trainer Marc Penz wollen den FCS wieder in die Spur bringen.

Bild: Günter Jansen

Chefcoach Benjamin Müller und sein Co-Trainer Marc Penz wollen den FCS wieder in die Spur bringen.

Bild: Günter Jansen

Der 1. FC Sonthofen hinkt den eigenen Erwartungen hinterher. Vor dem Derby gegen Memmingen spricht das Trainerduo über Schwachstellen und Härtefälle im Kader.
20.08.2021 | Stand: 11:25 Uhr

Sie wollten oben mitspielen – und sind als Fünfter noch in Schlagdistanz. Sie wollten stabiler auftreten – und stellen die beste Verteidigung. Und doch wird man beim 1. FC Sonthofen dieser Tage das Gefühl nicht los, dass etliches im Argen liegt. Nach sechs Spieltagen der noch jungen Landesliga-Saison hat das Team von Trainer Benjamin Müller 11 Punkte auf dem Konto, drei Siegen und zwei Remis steht eine Niederlage gegenüber. „Wir hängen hinter den eigenen Ansprüchen zurück“, sagt Müller. „Wir sind momentan nicht in guter Verfassung, man muss aber auch sehen, wie mühsam wir uns durchschleppen. Das ist grenzwertig.“

Seit Wochen fehlen dem 38-Jährigen konstant mehr als ein halbes Dutzend Leistungsträger – das wird auch am Freitag so sein, wenn der FC Memmingen II in Sonthofen aufläuft. Vor dem Derby ab 19 Uhr in der Baumit-Arena haben wir mit Müller und dem spielenden Co-Trainer Marc Penz über personelle Schwachstellen und Mentalitätsprobleme gesprochen.

Penz schimpft: "Eine komplette Katastrophe"

Es erinnerte fast schon ein wenig an die Tristesse, die Sonthofen im Jahr des Bayernliga-Abstiegs verhüllte: Nach dem 0:0 gegen Durach schien Weltuntergangsstimmung beim FCS zu herrschen. „Die erste Halbzeit war eine komplette Katastrophe. Bei Einstellung und Leidenschaft, bei Einsatz und Kampf“, schimpft Marc Penz.

Der 37-Jährige vertrat den etatmäßigen Kapitän Manuel Wiedemann während dessen Verletzung in den ersten Wochen der Saison. Penz ergänzt: „Wir haben das knallhart angesprochen und schonungslos analysiert. Und es war in Aystetten schon besser. Da haben wir die Basics endlich gezeigt.“ Und genau deshalb kann der 1:0-Sieg beim Aufsteiger am vergangenen Spieltag nach Ansicht des Routiniers durchaus zum Knotenlöser nach sechs Spielen werden. „Wenn man sich raushaut, dann kann es eben auch mal ein schmutziger Sieg sein“, sagt Penz. „Das muss man sich aber auch erarbeiten. Denn es ist klar, dass sich unsere Situation nicht von heute auf morgen verändert. Da werden wir uns durchbeißen müssen.“

Diese Situation, die Penz anspricht, ist vor allem in personeller Hinsicht katastrophal. Markus Notz, Pirmin Vogler, Armin Bechter, Jannik Keller, Patrick Littig, Kevin Haug, Kevin Hailer, Mario Klauser und Tim Kern fehlen in wechselnder Konstellation seit vielen Wochen – die Fluktuation in der Stammformation ist daher immens. Immerhin ist Kapitän Wiedemann nach ausgestandener Achillessehnenreizung wieder zurück in der Startelf. Schon vor dem Saisonauftakt hatte Müller betont, dass es „eine Wundertüte wird, inwieweit wir von Verletzung verschont bleiben. Das ist lange gut gegangen, inzwischen haben wir aber einige Probleme.“ Und die sind hartnäckig.

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Zwar will Müller keine Ausreden in der Personalmisere suchen, macht aber deutlich: „Es ist schwer, Abläufe einzuspielen, wenn man mit 13 Leuten trainiert. Ganz unabhängig davon, dass es an den Kräften zehrt, wenn wir uns mit diesem Stamm durch die Englischen Wochen schleppen“, sagt der Trainer. „Dass wir uns offensiv so schwertun, liegt vor allem an der wechselnden Besetzung im Angriff. Im Prinzip muss ich für jede Partie drei Spieler austauschen.“ Immerhin steht der FCS defensiv stabil, stellt mit vier Gegentoren, darunter nur eins aus dem Spiel heraus, die beste Verteidigung der Liga. Ein Aspekt, der zuversichtlich stimmt.

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Für alle anderen Belange, da ist sich das Trainerduo einig, ist es eine Frage der Zeit, bis das Team das Potenzial entfalten kann, das ihm Experten und Ligakonkurrenten gleichermaßen zuschreiben. „Unser Problem ist schwer zu greifen und deshalb noch schwerer durch Training zu lösen“, sagt Marc Penz. „Kreativität kannst Du nicht anlernen. Spielwitz auch nicht. Wir müssen begreifen, wie wir uns für unseren Aufwand belohnen. Und das geht besser, wenn jeder hundert Prozent gibt.“

In dieser brenzligen Phase der Saison, in der es für den ambitionierten FCS vor allem darum geht, nicht den Anschluss an die Spitze zu verlieren, sind mehr denn je die Arrivierten gefordert. „Ich habe den Eindruck, dass ältere Spieler etwas verunsichert sind, dass die Jüngeren meist frecher rangehen“, sagt Müller, der aktuell den Spagat zwischen Schleifer und Schmeichler bewältigen muss. „Manche Jungs müssen wir an der Ehre packen – aber es gilt, alle anzutreiben. Denn es hilft nicht, das Thema immer und immer wieder aufzukochen. Mit Vorwürfen löst man keine Blockaden.“

Derby-Siege helfen da schon mehr. Und insofern kommen die Allgäuer Duelle mit dem FC Memmingen am Freitag und beim FC Kempten in acht Tagen vielleicht genau richtig. „Wir haben den Zuschauern gegen Durach eine Einstellung vermittelt, als ob es mit ein paar Prozent weniger auch geht. Das können wir nicht bringen“, sagt Benjamin Müller. Sein verlängerter Arm auf dem Platz, Marc Penz, bringt es emotional auf den Punkt: „Wir spielen zuhause. Freitagabend, das Flutlicht wird angehen. Es gibt doch nichts Geileres. Und genauso müssen wir auftreten.“