Kunst im GZI

Künstler zeigen in Immenstadt Menschen und Kulturen einer Welt

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Bange Frage, skeptischer Blick: „Wohin?“, Gemälde von Heike Hüttenkofer. Fünf Maler und Grafiker zeigen im Gesundheitszentrum Immenstadt ihre Werke.

Bild: Günter Jansen

Bange Frage, skeptischer Blick: „Wohin?“, Gemälde von Heike Hüttenkofer. Fünf Maler und Grafiker zeigen im Gesundheitszentrum Immenstadt ihre Werke.

Bild: Günter Jansen

Einen sehr unterschiedlichen Blick auf die Welt werfen fünf Maler und Grafiker mit ihren Werken in Immenstadt. Die Sicht auf fremde Kulturen wirft Fragen auf.
16.06.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Die Frage steht der Frau ins Gesicht geschrieben: „Wohin?“ Welcher Weg führt in eine gute Zukunft? Die Haut auf dem hageren Gesicht wirft tiefe Falten um Stirn und Augen, verursacht von einem skeptischen Blick. Denn die Afrikanerin hat offenbar schon viel gesehen, was den Menschen auf dem schwarzen Kontinent widerfahren ist und immer noch widerfährt. Wann setzt ein Umdenken ein?

Als Ärztin herumgekommen

Das ist eine der Fragen, die Heike Hüttenkofers großformatiges Portrait in Öl stellt. Die gebürtige Memmingerin, die lange Zeit in Immenstadt gelebt hat, ist als Ärztin in der Welt herumgekommen. Ihre Eindrücke spiegeln ihre eindringlichen, realistischen Gemälde wider. Eine Auswahl zeigt die Medizinerin, die im Malen mit der sogenannten Grisaille-Technik große Perfektion erreicht hat, im Gesundheitszentrum Immenstadt (GZI). Dort schmücken die Gemälde, die vor allem mit Grautönen, Weiß und Schwarz arbeiten, den vierten Stock des Lichthofes.

In den darunter liegenden Stockwerken präsentieren unter dem Motto „Soundsound ...“ die Grafikerin Ildikó Titkó aus Weitnau, der Maler Frank Rubach aus Burgberg und zwei Söhne des Immenstädter Malers Gunther le Maire ihre Arbeiten. Moritz Denis und Michel le Maire, 1962 beziehungsweise 1966 in Immenstadt geboren, sind im Bereich Kunst beide Autodidakten. Sie folgen in der malerischen Handschrift dem Vorbild ihres Vaters, setzen dabei aber eigene Akzente.

Der akribische Beobachter

Dr. Michel le Maire, hauptberuflich Physiker, ist beim Malen ein akribischer Beobachter. Detailreich bannt er zum Beispiel Stadtansichten auf die Leinwand. Beeindruckend sind seine Bleistiftzeichnungen von Ortschaften in Italien oder Frankreich. Moritz Denis le Maire, hauptberuflich Diplom-Ingenieur, findet ungewöhnliche Motive und stellt zum Beispiel den Asphalt einer Straße oder Toilettenhäuschen auf der Burg Nassenfels in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Neben Landschaften und Gebäuden bannt er auch schon mal ein dahinjagendes Schnellboot oder einen parkenden Blechschlitten auf die Leinwand.

Der gestürzte Turm von Pisa

Auf Andeutungen reduziert Frank Rubach die Motive seiner Gemälde. Die Gottesanbeterin etwa tarnt sich gekonnt in flugs hingeworfenen bunten Strichen. Und dennoch lauert das räuberische Insekt mit seiner typischen Haltung der Fangarme. Doch vor allem schätzt der 1953 in Mannheim geborene Kunstdozent, das freie Spiel mit Farbe und Form. So fügen sich zum Beispiel drei kleine Arbeiten mit Tempera auf Papier zu einem gute Laune verbreitenden, farbenfrohen „Dreiklang“. Zum Schmunzeln lädt der gestürzte Turm von Pisa ein, ein touristisches Wahrzeichen, das dem Ansturm der Besucher offenbar nachgegeben hat.

Viele Menschen auf engstem Raum

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Auf Tuchfühlung mit Gesichtern

An Vor-Pandemie-Zeiten erinnern die raffinierten, kunstvollen Grafiken von Ildikó Titkó. Sie versammeln viele Menschen auf engstem Raum. Die 1978 in Ungarn geborene Künstlerin, die in Weitnau lebt, drapiert sie als unzählige picknickende Erholungssuchende auf einer „großen gemeinsamen Decke“, einer Wiese. Oder sie lässt die Menschen schlittschuh-laufend eine „kollektive Erholung bei kaltem Wetter“ genießen. Manche dieser Arbeiten lassen sich wie Tapetenausschnitte zu einem endlosen Bild nebeneinandersetzen.

Der Mensch, der sich in der Masse verliert, ist dabei vielleicht ebenso auf der Suche nach vertraulicher Zweisamkeit, wie das Paar, das sich in der „Kaffeepause“ von allem – auch den beiden Trinkgläsern – abgesondert hat. Die leise Kritik an sozialistischen Systemen wird lauter in der Radierung „Miskolc“, in der sich Wohnblöcke übereinandertürmen und statt Bäumen Laternenmasten wachsen. So entsteht eine wenig einladende Umwelt.

Respekt und Würde

In welcher Welt wollen wir leben? Diese Frage drängt sich auf. Wie sollten wir mit anderen Menschen umgehen? Mit Respekt, lautet die Antwort von Dr. Heike Hüttenkofer. Die 1969 in Memmingen geborene Medizinerin und Malerin vereint in einem Zyklus „Menschen einer Welt“, indem sie sich allen mit derselben Sorgfalt und Akribie zuwendet. Egal ob alt oder jung, ob arm oder reich, ob aus Asien oder Afrika, aus Süd- oder Mittelamerika stammend, Heike Hüttenkofer portraitiert alle Menschen mit natürlicher Würde.

Sie lässt den Betrachter teilhaben an fremden Kulturen und lenkt seinen Blick dabei immer wieder auf ihm vertraute Situationen: einen im Gebet versunkenen Mann oder Kinder, die mit großen Augen die Welt betrachten. Dabei klingen auch die Sorgen und Nöte, die Ängste und Hoffnungen dieser Menschen an. Sie ermahnen dazu, unsere eigene Kultur zu hinterfragen, in der vieles im Überfluss existiert.

Wasser als kostbares Gut

In anderen Gebieten der Erde ist schon Wasser ein kostbares Gut. Auf der Haut und in den Händen einer afrikanischen Frau wird es sinnbildlich zum „Geschenk des Lebens“. Meditative abstrakte Werke, die Wandflächen gleichen, an denen viele Spuren des Lebens und des Gebrauchs zu finden sind, runden den Querschnitt durch die künstlerische Weltsicht Heike Hüttenkofers ab.

Öffnungszeiten: bis 31. August, täglich von 8 bis 20 Uhr.

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Heike Hüttenkofer im Internet