Blaichach

Kein Canyoning mehr im Ostertaltobel

Ostertaltobel

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Bild: uhlemayr

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Konflikt Verbot gilt vorerst für zwei Jahre. Gemeinde Blaichach stoppt Schluchtenwandern auf Drängen der Grundstückseigentümer, die schwere Schäden beklagen
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Von Petra Tibken
03.04.2019 | Stand: 16:32 Uhr

Ab sofort bleibt Canyoning im Ostertaltobel für mindestens zwei Jahre verboten. Das hat der Blaichacher Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Die Begründung: Der Massentourismus habe dort inzwischen schwere Schäden hinterlassen. Für Wanderer und Spaziergänger ist der Tobel nach wie vor offen, lediglich die Nutzung für Canyoningtouren ist fortan nicht mehr möglich. Verbotsschilder sollen an den Einstiegen platziert werden.

Die Einhaltung kann nun durch Naturpark-Ranger, die Polizei und das Landratsamt kontrolliert und die Missachtung mit Bußgeldern geahndet werden. Fürs Canyoning ist laut bayerischem Wassergesetz eine behördliche Genehmigung notwendig – und die Zustimmung der Eigentümer. Bislang galten aber keine verbindlichen Regeln, abgesehen von einer Vereinbarung im Jahr 2003 zwischen dem Landkreis Oberallgäu und dem Deutschen Canyoning-Verband. Damals wurde festgelegt, dass Canyoning im Ostertaltobel vom 1. Juni eines Jahres bis zum 30. September erlaubt ist. Die Vereinbarung wurde nun aufgehoben – auf Drängen der Grundstücksbesitzer.

Denn aus ein paar Gruppen, die sich in Neoprenanzügen mit Seilen an Wasserfällen hinabließen, wurden viele. Viel zu viele, monierten die Eigentümer schon vor Jahren. Es fehle Achtsamkeit und der respektvolle Umgang mit der Natur, kritisierten sie. So seien wilde Trampelpfade entstanden, Bäume durch „Slacklines“ (Seile, die zum Balancieren zwischen zwei Stämmen gespannt werden) beschädigt und die Natur mit Fäkalien verschmutzt worden. Der Antrag eines ortsansässigen Anbieters, weiterhin wenigstens „naturnahe pädagogische Flussdurchläufe“ durchführen zu dürfen, wurde vom Gemeinderat Blaichach abgelehnt.

Der Anbieter wies darauf hin, dass die Programme verkauft seien. Seinem Unternehmen drohten große wirtschaftliche Einbußen, wenn er die Touren stornieren müsse. Die Allgäu Marketing GmbH hole die Leute ins Allgäu, argumentierte er, „und die Gemeinde macht nun eine Rolle rückwärts“. Dem widersprach Christian Matzek (SPD). Er machte auf den geplanten Wassererlebnisweg, den die Gemeinde Blaichach im Halder Tobel plant, aufmerksam. Und Udo Metzler (Parteifreie Wähler) betonte: „Wir wollen den Tourismus nicht abwürgen, sondern der Natur Zeit zur Erholung bieten. So wie bisher geht es nicht mehr.“

Konsens war, die Entscheidung nach zwei Jahren zu überprüfen und bis dahin zu erörtern, welche Art von Tourismus im „Schatzkästchen Gunzesrieder Tal“ angestrebt wird. „Vielleicht finden wir auch einen Betreiber, der künftig die Geschicke im Tobel organisiert und kontrolliert“, so der Vorschlag von Markus Würz von der CSU. Am Ende der Gemeinderatssitzung bedankte sich Christine Waibel-Beer im Namen aller Grundstückseigentümer für die eindeutige Entscheidung des Gremiums.

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