Fußball in der Corona-Krise

"Kleinkinder im Bälle-Paradies": Wie der 1. FC Sonthofen den Neustart erlebte

Nach fast achtmonatiger Zwangspause trainierten die Fußballer des 1. FC Sonthofen am 27. Mai das erste Mal wieder mit Körperkontakt.

Nach fast achtmonatiger Zwangspause trainierten die Fußballer des 1. FC Sonthofen am 27. Mai das erste Mal wieder mit Körperkontakt.

Bild: Daniel Kopatsch

Nach fast achtmonatiger Zwangspause trainierten die Fußballer des 1. FC Sonthofen am 27. Mai das erste Mal wieder mit Körperkontakt.

Bild: Daniel Kopatsch

239 Tage nach dem letzten Spiel nimmt der 1. FC Sonthofen das Training mit Körperkontakt auf. Trainer Müller erklärt Testkonzept und spricht über Ziele.
28.05.2021 | Stand: 15:45 Uhr

239 Tage sind vergangen. Vor fast acht Monaten hat der 1. FC Sonthofen das letzte Pflichtspiel absolviert, ehe der zweite Lockdown dem Club – wie allen Vereinen der Region – die Aussicht auf einen Spielbetrieb jäh nahm. Lediglich auf vier Ligaspiele kam der FCS, wenn man auf die zurückliegenden 550 Tage blickt.

Nun erscheint Licht am Ende des Tunnels. Denn mit den jüngsten Lockerungen hat auch die Mannschaft von Benjamin Müller das Mannschaftstraining mit Körperkontakt aufgenommen. Im Interview spricht der 38-jährige Trainer über das Ende der monatelangen Durststrecke, über die neuen Vorkehrungen für den Trainingsbetrieb und über den Fahrplan des FCS in der Vorbereitung.

Herr Müller, wie waren die ersten Ballkontakte nach acht Monaten?
Benjamin Müller: Wir sind uns vorgekommen wie Kleinkinder im Bälle-Paradies. Es sind nach so langer Zeit natürlich viele Emotionen und viel Freude im Spiel. Uns allen ging es darum, wieder Leute zu sehen – nicht nur noch am Bildschirm.

Wie haben Sie Ihre Mannschaft nach der langen Zwangspause erlebt?
Müller: Sie haben sich alle wahnsinnig gefreut, dass wir alle wieder zusammengekommen sind. Anfangs war es im Training mit Abstand noch zurückhaltend, weil wir nicht wussten, worauf wir hintrainieren.

Wann haben Sie das Training begonnen?
Müller: Wir haben Mitte April anhand des DFB-Konzepts angefangen. Zwei Haushalte in vorgegeben Quadraten – das Ganze auf zwei Feldern. Da war nicht viel mehr drin als technische Basis-Übungen.

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Kann man damit all das während des langen Lockdown Verlorene aufholen?
Müller: Es war für alle Spieler gut, um wieder reinzukommen, aber so schnell geht das auf keinen Fall.

Wie sah Ihre persönliche Vorbereitung auf das erste Training aus?
Müller: Man verfolgt mit einem Training immer ein Ziel. Aber so lange ich nicht weiß, wann die Saison losgeht, soll es von der Trainingssteuerung so aussehen, dass kein Spieler in einen Belastungsbereich kommt, in dem er sich schwer verletzen kann.

Wo setzt man nach dieser langen Pause an – bei Mentalem oder Physischem?
Müller: Ich setze auf kleine Spielformen von nicht zu langer und hoher Intensität. Der Spaß steht im Vordergrund. Es ist ein Mix aus der Vorsicht, physisch nicht zu überdosieren, und der Freude am Spiel, die sich die Jungs verdient haben.

Wie sieht die Organisation des Trainings unter Corona-Auflagen aus?
Müller: Wir haben einen Corona-Beauftragten, der im Austausch mit dem Gesundheitsamt steht. Wir haben eine Liste, die ich als Trainer führe. Wir erlauben den Spielern nur Tests in offiziellen Testzentren – die negative Bescheinigung darf nicht älter als 24 Stunden sein. Ich kontrolliere das ebenso wie die Bescheinigung der Genesenen. Die Spieler kommen umgezogen an den Platz und mit Maske bis an den Rasen. Die Kabinen sind geschlossen.

Nach fast achtmonatiger Zwangspause trainierten die Fußballer des 1. FC Sonthofen am 27. Mai das erste Mal wieder mit Körperkontakt.
Nach fast achtmonatiger Zwangspause trainierten die Fußballer des 1. FC Sonthofen am 27. Mai das erste Mal wieder mit Körperkontakt.
Bild: Daniel Kopatsch

Die Saison wurde nach einer Abstimmung der bayerischen Vereine abgebrochen. Wie waren die Reaktionen in der Mannschaft auf die Abstimmung?
Müller: Der Vorstand war sehr enttäuscht – die Spieler aus sportlicher Sicht auch. Wir sind nicht sauer auf die Entscheidung mancher Vereine. Uns haben Abwicklung und Vorgehen des Verbands nicht begeistert. Man hat zwei Modelle vorgeschlagen – das eine hat uns natürlich gefallen, es war aber eben unattraktiver für den Großteil der Clubs.

Wie sieht der Fahrplan für das Team in den kommenden Wochen aus?
Müller: Wir werden mit einer Einheit wöchentlich weitermachen. Wenn die Inzidenz unter 50 geht, könnten wir normales Training aufnehmen. Aktuell gehen wir davon aus, dass die Saison Anfang August beginnen kann – Ende Juni wäre entsprechend Vorbereitungsstart für uns.

Fehlende Fitness, aber immense Vorfreude. Viel Nachholbedarf, eine Menge Motivation. Was wird anders in dieser Vorbereitung?
Müller: Ich muss mich auch als Trainer umstellen, wieder klassische Einheiten zu machen. Wir werden sicher viel an Kraft und Schnelligkeit arbeiten und die Mannschaft in der Taktik schulen. Das konnten wir in den acht Monaten nicht machen.

Mag komisch klingen – aber hat der Lockdown, das monatelange Cybertraining auch Lerneffekte für Sie?
Müller: Natürlich. Man sieht ganz gut, wer Eigendisziplin und Motivation aufbringen kann. Es gibt Spieler, die sich vom Sport zurückziehen, wenn kein Fußball ist – und andere, die aktiv dabeibleiben.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die neue Saison beginnt?
Müller: Wenn man nach dem Spiel zusammenhocken und in der Kabine mit dem Team Spaß haben kann.