Theater im Oberallgäu

Komödie "Komplexe Väter" zündet in Immenstadt ein Pointen-Feuerwerk

Komplexe Väter

Ein Rosenkavalier tut sich schwer: (von links) Maike Bollow, Farina Violetta Gießmann, René Heinersdorff, Jochen Busse und Hugo Egon Balder in der Komödie „Komplexe Väter“.

Bild: Elena Balder

Ein Rosenkavalier tut sich schwer: (von links) Maike Bollow, Farina Violetta Gießmann, René Heinersdorff, Jochen Busse und Hugo Egon Balder in der Komödie „Komplexe Väter“.

Bild: Elena Balder

Zwei Vollblut-Komödianten geben René Heinersdorffs schräger Komödie um „Komplexe Väter“ in Immenstadt gehörig Zunder. Wie sie ein großes Vergnügen bereiten.
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Von Rosemarie Schwesinger
06.07.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Das mit dem Loslassen sagt sich so leicht! Von vertrauten Lebensgewohnheiten, der jugendlichen Leichtigkeit des Seins oder von ganz besonderen, geliebten Menschen. Für die beiden alternden Antipoden Anton und Erik, die René Heinersdorff in seiner Komödie „Komplexe Väter“ seinen Freunden Jochen Busse und Hugo Egon Balder pfeilgrad auf den Leib geschrieben hatte, wird das noch zum abendfüllenden (und für die Zuschauer überaus ergötzlichen) Problem werden.

Die schräge Story, die da in einem rund zweistündigen Pointen-Feuerwerk über das geneigte Publikum prasselte, jonglierte in atemberaubenden Tempo zwischen Bonmots und Slapsticks, zwischen Klischees und Gesellschafts-Satire.

Die Schwiegersohn-Begutachtung

Hier in Kurzfassung: Die junge Nadine (bezaubernd: Farina Violetta Gießmann) möchte der Familie endlich ihren Freund Björn (dessen Part Heinersdorff höchstselbst übernommen hatte) vorstellen. Aber Nadine hat zwei Väter – den biologischen, Erik (alias Hugo Egon Balder), der sich einst alsbald aus dem Staub gemacht, und Anton (Jochen Busse), der sie aufgezogen hat. Und eine Mutter (Maike Bollow), die beide Väter zur potenziellen Schwiegersohn-Begutachtung eingeladen hat.

In tiefer Abneigung verbunden

Womit jede Menge absonderliche Turbulenzen, Verwicklungen und erotische Verirrungen vorprogrammiert waren.

Denn die beiden Väter waren nicht nur höchst unterschiedlich, sondern einander auch in tiefer Abneigung verbunden. Der eine (Anton) ein kontrollierter, eitler Spießbürger und der andere (Erik) ein Hallodri und Schlendrian. Kann ja heiter werden ...

Ein kleinkarierter Dampfplauderer

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Zumal der Freund nicht nur rund 25 Lenze mehr zählt als das Töchterlein und ihr Psycho-Therapeut war, sondern auch – passend kleinkariert gewandet – ein ziemlich banaler, läppischer Dampfplauderer ist. Was die verfeindete Väter-Bastion – in plötzlicher Tochter-Liebe vereint – zum geschlossenen Einsatz gegen diesen Björn zusammen schmiedet. Ihr fetziger hochemotionaler Schlagabtausch wechselt sozusagen die Fronten! Und offenbart so ganz nebenbei die Abgründe, Querverbindungen, Seitensprünge und Brüche der eigenen Vita. Wer mit wem und wann, warum ...

Komödiantische Urgesteine

Da konnte man schon mal den Überblick verlieren! Wären da nicht diese beiden, einander überbietenden und anfeuernden komödiantischen Urgesteine Busse und Balder gewesen, die dem Vergnügens-Level kontinuierlich Zunder gaben. Da hatten Heinersdorff und die zwei Damen – trotz perfekter Rollen-Gestaltung – kein leichtes Spiel.

Lebhafter langer Applaus vom bestens unterhaltenen Publikum.

Lesen Sie auch das Interview mit Autor René Heinersdorff über seine neue Komödie "Komplexe Väter".

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