Wieder Urlaub im Allgäu möglich

Kommentar zum Start der Tourismus-Saison: Die Menschen in der Region haben ihren Gästen viel zu verdanken

Landwirtschaft und Tourismus sind im Allgäu seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden.

Landwirtschaft und Tourismus sind im Allgäu seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden.

Bild: Benedikt Siegert

Landwirtschaft und Tourismus sind im Allgäu seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden.

Bild: Benedikt Siegert

Nicht nur Hoteliers und Wirte profitieren vom Tourismus. Das sollten die Menschen nicht vergessen, auch wenn manchmal die Parkplätze knapp werden.
22.05.2021 | Stand: 19:33 Uhr

Was göönd mi d Gescht aa? (Was gehen mich die Gäste an?) – So lautete der Titel eines Kurzfilms, der 2012 bei dem Tourismusforum Kleinwalsertaler Dialoge gezeigt wurde. Die fiktive Dokumentation behandelt das Schicksal eines Bergdorfes im Jahr 2031. Eine Dorfschullehrerin, ein arbeitsloser Gemeindemitarbeiter und ein pensionierter Touristiker erinnern sich, wie die Urlauber den Einheimischen eines Tages lästig wurden, irgendwann nicht mehr kamen und dann die Jungen abwanderten, weil sie keine Perspektive mehr sahen.

Menschen haben sich daran gewöhnt, die Berge für sich zu haben

Diese Drohkulisse vieler Tourismus-Experten ist ebenso lange bekannt wie die negativen Folgen von ungelenkten Besuchermassen und touristischer Erschließung für Tiere, Natur und Landschaft. Dennoch ist die Frage, die der Film künstlerisch überzeichnet, aktueller denn je. Die Sorge, dass die Stimmung schnell wieder kippen könnte, wenn am Wochenende die Urlauber zurückkehren, ist berechtigt. Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, die Berge wieder häufiger für sich alleine zu haben. Zudem scheinen immer mehr Oberallgäuer zu vergessen, was sie die Gäste eigentlich noch angehen oder wozu sie Tourismus brauchen. (Lesen Sie auch: Oberallgäuer fürchten Overtourism-Debatte)

Probleme sind mit intelligenten Konzepten lösbar

Doch die gleichen Menschen nutzen gerne Bergbahnen, Wanderwege, Bäder, beschneite Loipen, Dorfgasthöfe und bewirtete Alpen. Vom Tourismus leben nicht nur Gastronomie, Hotellerie und Bergbahnen. Händler und Handwerker profitieren ebenso. Auch Dorfschulen und -kindergärten schließen, wenn junge Familien der Region den Rücken kehren. Probleme wie Staus, Parkchaos und Müllberge sind da, aber mit intelligenten Konzepten lösbar.

Die Oberallgäuer haben ihr Schicksal selbst gewählt

Die Oberallgäuer haben ihr Schicksal als Urlaubsregion selbst gewählt und ihren treuen Gästen viel zu verdanken – auch wenn diese ihnen manchmal die Parklücke oder den letzten Platz auf der Sonnenterrasse wegnehmen. Gerade nach den Monaten des Stillstands sollten sich die Einheimischen wieder der Gastfreundschaft besinnen, die ihre Familien seit Generationen gelebt haben. Damit die Menschen, die ihre wertvollste Zeit hier verbringen, mit schönen Erlebnissen abreisen und die treuen Gäste vielleicht eines Tages als Freunde zurückkehren.

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