Für Menschen in Ausnahmesituation

Krisendienst im Oberallgäu und Kempten jetzt rund um die Uhr

Leitstelle Krisendienst

Die Leitstelle des Krisendienstes Schwaben ist jetzt rund um die Uhr erreichbar.

Bild: Saskia Parek

Die Leitstelle des Krisendienstes Schwaben ist jetzt rund um die Uhr erreichbar.

Bild: Saskia Parek

Wenn ein Telefongespräch nicht reicht, werden mobile Teams losgeschickt. Das kostenlose Angebot für Menschen in psychischen Krisen wurde nun zeitlich erweitert.
09.07.2021 | Stand: 15:11 Uhr

Immer mehr Menschen fühlen sich mental überfordert, haben seelische Notlagen oder leiden sogar unter einer psychischen Erkrankung. Die Corona-Pandemie mit Kontaktverbot und Lockdown hat das noch verschärft. Seit März gibt es den Krisendienst Schwaben – ein kostenloses Hilfsangebot für Menschen in psychischen Krisen. Wer sich in einer solchen Notlage befindet oder als Angehöriger Unterstützung sucht, kann sich bei der zentralen Stelle melden. Jetzt ist die Leitstelle in Augsburg rund um die Uhr erreichbar, wie es in einer Mitteilung des Bezirks Schwaben heißt. Und auch die mobilen Teams in Immenstadt, Kempten und Lindenberg stehen länger bereit, um – wenn die Lage es erfordert – vor Ort Hilfe zu leisten.

Menschen, denen alles über den Kopf wächst – Senioren, die von ihrer Einsamkeit überrollt werden – Eltern, die sich Sorgen um ihr Kind machen, das psychische Probleme hat: Wer in solchen Notlagen ist, kann zu jeder Tages- und Nachtzeit die Nummer 0800/655 3000 wählen. Die Anrufer landen in der Augsburger Leitstelle, wo Fachkräfte der Sozialpädagogik, Psychologie und Psychiatrie ans Telefon gehen. Die Fachleute versuchen, zunächst im Telefongespräch weiterzuhelfen. Wenn nötig, vermitteln sie die Anrufer dann an die richtigen Ansprechpartner. Dafür gibt es eine große Datenbank mit einem Netzwerk an Hilfsangeboten: Die reichen von der Schuldner- oder Suchtberatung bis zu ambulanten und stationären Einrichtungen.

Mitarbeiter kommen auch ins Haus

Reicht ein Telefongespräch nicht aus, werden die mobilen Teams losgeschickt. Der Krisendienst kommt in solchen Fällen immer mit zwei Mitarbeitern, die in der Psychiatrie erfahren sind. Die Sozialpsychiatrischen Zentren (SPZ) in Immenstadt, Kempten und Lindenberg decken die Landkreise Oberallgäu und Lindau sowie die Stadt Kempten ab. Die Mitarbeiter sollen die Betroffenen laut der Mitteilung innerhalb einer Stunde erreichen. Die mobilen Teams stehen von Montag bis Freitag von 9 bis 21 Uhr und am Wochenende und feiertags von 13 bis 21 Uhr zur Verfügung.

„Krisen können jeden treffen. Sie machen keinen Unterschied zwischen Geschlecht, Alter oder Beruf und sie machen keinen Feierabend“, sagt Bezirkstagspräsident Martin Sailer. Deshalb freut er sich darüber, „dass wir den Menschen in Schwaben jetzt rund um die Uhr unbürokratisch helfen können“. Alle Leitstellen in Bayern werden vom Freistaat finanziert, die Kosten der mobilen Teams tragen die Bezirke. Um die Ausweitung der Rufbereitschaft sicherzustellen, wurde die Krisendienst Schwaben gGmbH gegründet. Zu den Gesellschaftern der gGmbH gehören der Diözesancaritasverband Augsburg sowie die Diakonischen Werke Augsburg, Kempten-Allgäu und Memmingen.

Lesen Sie dazu auch:

Lesen Sie auch
##alternative##
Hilfe für Bürger

Krisendienste in Bayern rund um die Uhr telefonisch erreichbar

Barbara Holzmann, die Instanz in Sachen Sozialpsychiatrie, geht

Krank und gekündigt: Eine Oberallgäuerin erzählt und Experten geben Tipps