Oberallgäuer Künstler im Corona-Blues

Kulturanbieter in Sonthofen warnen: "Da bricht etwas weg"

Kulturwerkstatt

„Lethargie macht sich breit“, sagt die Leiterin der Kultur-Werkstatt in Sonthofen, Monika Bestle.

Bild: Günter Jansen

„Lethargie macht sich breit“, sagt die Leiterin der Kultur-Werkstatt in Sonthofen, Monika Bestle.

Bild: Günter Jansen

So kämpfen die Kultur-Werkstatt, die Sonthofer "Freunde der Musik" und die Kulturgemeinschaft Oberallgäu mit dem Auftrittsverbot.
21.04.2021 | Stand: 17:06 Uhr

„Langsam wird’s ein wenig kritisch“, sagt Monika Bestle. Was die Leiterin der Sonthofer Kultur-Werkstatt meint, ist der Lockdown in der Kulturszene, der bis zum 9. Mai verlängert wurde. Seit fast sechs Monaten sind Konzertsäle, Theater und Kleinkunstbühnen wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Der Inzidenzwert, der die Infektionen pro 100 000 Einwohnern erfasst, liegt weit über jener Grenze von 100, bei der Kulturstätten eventuell wieder öffnen dürften.

Viele sehen keine Perspektive mehr

„Lethargie macht sich breit“, diagnostiziert Monika Bestle. Sie habe gelesen, dass viele Häuser zumachen, die Kleinkünstlern Auftrittsmöglichkeiten boten, so wie das ihre. Die Besitzer sehen keine Perspektive mehr. Auch Monika Bestle sagt: „Es geht ans Eingemachte.“ Sie wolle die Kultur-Werkstatt, so lange es gehe, erhalten. Aber sie müsse privates Geld „hineinbuttern“. Es seien bereits Mitglieder aus dem Kleinkunstverein ausgetreten, der ihr Haus unterstütze.

Auftrittsverbot: Künstler räumen Regale ein

„Da bricht etwas weg, und das ist katastrophal.“ Das sagt Dr. Karl Gogl, Vorsitzender der Sonthofer Gesellschaft „Freunde der Musik“, die Meisterkonzerte mit internationalen Künstlern in der Oberallgäuer Kreisstadt und in Fischen anbietet. Das Auftrittsverbot während des Lockdowns sei eine „Tragik für die Freischaffenden“. Er habe von Künstlern aus dem Ausland gehört, die jetzt Regale in Supermärkten einräumen, um leben zu können. In der Politik finde er niemanden, der die Bedürfnisse der Künstler und des Publikums verstehe und vertrete. Gehört würden in dieser Pandemie vor allem starke Interessensgruppen. „Ich finde es erschreckend, wie man sich auf eine kulturlose Zeit einstellt“, sagt Gogl.

Er hat jetzt das vierte Meisterkonzert in diesem Jahr, das am Sonntag, 9. Mai, mit dem Phoenix- Piano-Quintett in Fischen geplant war, abgesagt. Dem Verein entstünden dadurch keine Nachteile. Denn er müsse keine Honorare bezahlen. Der Ausfall falle unter die Rubrik „Höhere Gewalt“. Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse und Spenden würden bei diesem Verein nur zur Finanzierung der Honorare verwendet. Deshalb werden auch keine Beiträge für die abgesagten Konzerte von den Mitgliedern erhoben.

Ensembles können nicht proben

Hartmut Happel, Geschäftsführer der Kulturgemeinschaft Oberallgäu, kämpft noch mit einem anderen Problem. Sein Verein bietet professionelle Theateraufführungen in Immenstadt und Sonthofen an. Doch wegen des Lockdowns können viele Ensembles nicht proben. So muss der Verein nicht nur Gastspiele verschieben, sondern benötigt, wenn sie endlich kommen sollten, auch noch für Produktionen, die lange nicht gespielt wurden, zusätzliche Wiederaufnahmeproben. Das heißt, Happel muss den Saal zusätzlich einen Tag vorher anmieten. Solche Proben seien zum Beispiel bei der „Wanderhure“ fällig, einer vielfach verschobenen Produktion des Münchner Ensembles Theaterlust, die nun am 28. Mai im Immenstädter Hofgarten zu sehen sein soll.

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So wie ihre beiden Kollegen versucht auch Monika Bestle für abgesagte Veranstaltungen Ersatztermine zu finden. Obwohl sie mit Anfragen von Künstlern bombardiert werde, die verzweifelt nach Auftrittsmöglichkeiten suchen, will sie in nächster Zeit auf Künstler aus der Region setzen. Für diese hofft sie, am ehesten Publikum zu finden. Denn: „Das Geld wird ja für jeden weniger.“ Die Kosten der Pandemie und die Ausgaben des Staates müssen finanziert werden. „Wir gehen auf spannende Zeiten zu.“

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