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Kunst mit politischer Aussage: Der Maler Nic Albrecht aus Bad Hindelang wird 90 Jahre.

„Ukraine“, Gemälde von Nic Albrecht aus dem Jahr 2022.

„Ukraine“, Gemälde von Nic Albrecht aus dem Jahr 2022.

Bild: Nic Albrecht

„Ukraine“, Gemälde von Nic Albrecht aus dem Jahr 2022.

Bild: Nic Albrecht

Nic Albrecht aus Bad Hindelang hat die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebt und in seiner Kunst verarbeitet. Seine Bilder enthalten politische Aussagen.
13.04.2022 | Stand: 19:06 Uhr

Massaker an Zivilisten, unnötige Grausamkeit, die nur Frauen und Kinder trifft: „Mir kommt meine ganze Jugend wieder hoch“, erzählt Nic Albrecht, wenn er die Nachrichten aus dem Krieg in der Ukraine hört. Denn der Künstler, der heute in Bad Hindelang lebt und am Karfreitag, 15. April, 90 Jahre alt wird, hat all das selbst erlebt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs. Er erlebte als 12-Jähriger, wie sein Elternhaus im ostpreußischen Angerburg von Bomben getroffen wurde, und überlebte – zusammen mit seiner Mutter.

Die künstlerische Verarbeitung der Kriegserfahrungen

Die traumatischen Erfahrungen, die danach folgten, die Erlebnisse des fast 13-Jährigen auf der Flucht vor den vorrückenden russischen Truppen, das Verstecken im Wald, eine Verschleppung und die wieder gelungene Flucht, spiegeln sich in seinem Werk wider. Die allmähliche Verarbeitung dieser Kriegserfahrungen habe seine erste künstlerische Phase ab 1950 geprägt, erzählt Nic Albrecht. Und sie schlägt eine Brücke zur Gegenwart. Gerade habe er ein Werk zum Ukraine-Krieg abgeschlossen. Denn Nic Albrecht war stets ein Künstler, der sich mit seiner Zeit auseinandergesetzt und politisch Stellung bezogen hat. Und das tut er mit Elan auch heute noch.

Ein Kriegstagebuch entsteht in Bad Hindelang

Derzeit schreibt seine Frau Marion, die aus Bad Hindelang stammt, an einem Kriegstagebuch, das sich auf jene Aufzeichnungen stützt, in denen Nic Albrecht sowohl seine eigenen Erlebnisse und die seiner Mutter zusammengefasst hat, als auch jene, die ihm sein Vater berichtete, als dieser aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Natürlich seien diese Erlebnisse ein Einzelschicksal, relativiert er, aber ein typisches für jene Zeit, betont seine Frau. Die Kunstwerke, die sich damit auseinandersetzten, habe er nicht verkaufen können und auch niemals ausgestellt. Noch heute erinnert er sich an Gräuel, die damals an Familienmitgliedern begangen wurden, trotzdem fuhr er später auf russischen Schulschiffen und knüpfte viele Freundschaften, wie er erzählt.

Die Teilung Deutschlands und die mangelhafte Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

In einer zweiten künstlerischen Phase habe er sich von Ende der 1960er Jahre bis 1989 mit der Berliner Mauer, der Teilung Deutschlands und der mangelhaft aufgearbeiteten nationalsozialistischen Vergangenheit in Deutschland beschäftigt, erzählt Nic Albrecht. Bevor er allerdings Meisterschüler von Hann Trier an der Hochschule für bildende Künste in Berlin geworden war und dann mit dessen informeller abstrakter Malerei brach, hatte er eine andere Karriere aufgegeben, die er zuvor verfolgt hatte: jene als Konstruktionsingenieur bei Siemens. Er wollte sich damals ganz der Freiheit der Kunst widmen.

Aufenthalte in New York und Mexiko

Die brachte ihm durch seine neue neofigurative Malerei den Gewinn des US Berlin Arts Awards der Ford Foundation 1963 ein und damit einen Aufenthalt in New York City und den Kontakt zu führenden Künstlern wie Andy Warhol. Dem New-York-Aufenthalt folgten 1964 ein Aufenthalt in Mexiko mit Gastvorlesungen an der Universität Iberoamericana und schließlich 1967 eine Dozententätigkeit in England.

Der Traum, zur See zu fahren

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Als 1989 die Mauer fiel, begann für Nic Albrecht ein neuer Lebensabschnitt und eine neue künstlerische Phase: Er tat das, was er schon immer tun wollte: Zur See zu fahren. Allerdings nie länger als drei Wochen am Stück. Denn er wollte seine Ehe nicht gefährden, erzählt er schmunzelnd, und er wollte Zeit haben, um seine Erlebnisse künstlerisch zu verarbeiten. Er wurde Marinemaler. Und ist als solcher international erfolgreich. Noch heute seien seine Werke gefragt. Auch in diesem Lebensabschnitt durchläuft er eine gründliche Ausbildung – diesmal als Seemann, absolviert ein nautisches Studium, fährt auf Schulschiffen – eben auch russischen wie der Vier-Mast-Bark „Krusenstern“ – und führt Hochseejachten.

Neue Heimat Bad Hindelang

Nach 20 Jahren folgt wieder ein neuer Lebensabschnitt: Mit seiner Frau Marion zieht er sich in deren Heimat, Bad Hindelang, zurück und entdeckt als Maler nun „die Majestät der Berge“, wie er sagt. Doch er bleibt auch hier ein politischer Künstler und warnt in seinen Werken vor den Gefahren, die durch einen Massentourismus drohen.

Der Künstler Nic Albrecht aus Bad Hindelang.

Das Kunsthaus bum Kettrar in Bad Hindelang.

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