Bildungsberatung

Kurzarbeit: Chance für Weiterbildung

Viele Kurzarbeiter nutzen in der Corona-Krise die Chance, sich beruflich weiterzubilden.

Viele Kurzarbeiter nutzen in der Corona-Krise die Chance, sich beruflich weiterzubilden.

Bild: Alexander Kaya

Viele Kurzarbeiter nutzen in der Corona-Krise die Chance, sich beruflich weiterzubilden.

Bild: Alexander Kaya

Zusatzqualifikationen werden vom Staat gefördert. Welche Möglichkeiten sich für Interessierte bieten, erklärt eine Beraterin des Landkreises Oberallgäu
06.01.2021 | Stand: 11:00 Uhr

Die Kündigung hatte er schon lange vorher erhalten: Seit dem 1. Januar beendete Helmut (Name geändert) seine Tätigkeit im Tourismusmanagement. Nach fast zehn Jahren. Mit 59 ist der Diplom-Betriebswirt aus dem Oberallgäu ein Opfer der Corona-Krise geworden. Doch er hatte sich schon beizeiten Gedanken um seine berufliche Zukunft gemacht. Er sprach bei Susanne Gendner, Bildungsberaterin des Landkreises Oberallgäu, vor. „Eine Umschulung kam in diesem Alter nicht mehr in Frage“, sagt die gelernte Industriefachwirtin. Sie empfahl ihm eine Ausbildung zum Coach. Sechs Monate lang lässt sich der Tourismusexperte nun bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben ausbilden. Das Konzept nennt sich „Blended Learning“, zu deutsch „integriertes Lernen“: Die Fortbildung besteht aus einer Mischung von Präsenzunterricht, in Helmuts Fall in München, Webinaren und Selbststudium. Als Coach kann sich der Betriebswirt selbstständig machen oder in einem Unternehmen tätig werden – in den verschiedensten Bereichen vom betrieblichen Coaching über kaufmännische Beratung oder Führungskräfte-Coaching.

Die Krise als Chance

So wie Helmut nutzen „viele Kurzarbeiter in der Krise die Chance, sich beruflich weiterzubilden“, sagt Gendner. Und in vielen Fällen wird die angestrebte Zusatzqualifikation vom Staat gefördert. Die 55-Jährige verweist auf die „Bildungsprämie“, die der Förderung von Berufstätigen mit einem geringen Einkommen dient: Einmal im Jahr können maximal 500 Euro ausgezahlt werden. Die Prämie wurde jetzt bis Ende 2021 verlängert.

Die Hotelkauffrau Sylvie (Name geändert), derzeit ebenfalls in Kurzarbeit, nimmt diese Möglichkeit wahr. Die 42-Jährige besucht EDV-Lehrgänge, um zusätzliche Kenntnisse in den Bereichen Buchhaltung und Hoteladministration zu erlangen. Sie hofft, damit nach dem Ende des Lockdowns ihre Position im Betrieb sichern oder mehr Verantwortung übernehmen zu können. Für Besserverdiener gibt es vom Freistaat einen Bildungsscheck von einmalig 500 Euro, wenn sie sich in digitalen Techniken beruflich weiterbilden.

Regierung zahlt Hälfte der Kursgebühren

Aber auch für angehende Meister, Techniker oder Fachwirte, die sich nach dem Ende der Ausbildung einer staatlichen Prüfung unterziehen müssen, gibt es Unterstützung, so die Bildungsberaterin. Die Bundesregierung zahlt 50 Prozent der Kurs- und Prüfungsgebühren sowie nach erfolgreicher Prüfung eine Erfolgsprämie. Und der Freistaat legt nochmals 2000 Euro drauf. „Eine supergute Förderung“, so Gendner.

Die meisten Klienten suchen die Bildungsberatung im Sontra-Park für ein persönliches Gespräch auf. Gendner bietet aber auch an den Nachmittagen in den Gemeinden Sprechtage an. Seit der Corona-Krise ist eine Online-Beratung hinzugekommen: „Wichtig ist, dass man sich auch sieht und nicht nur hört.“ Künftig wird es zusätzlich einmal im Monat einen Online-Abendtermin von 18 bis 20 Uhr geben: „Für alle Menschen, die bis abends arbeiten.“ Vorausgehen muss in allen Fällen eine Terminvereinbarung.