Landwirtschaft

Landwirte aus Missen planen einen Kompostierungsstall für die Zukunft

Um Nähr- oder Dauerhumus zu erhalten, ist die Aufbereitung des kompostierbaren Materials in einer Kompostmiete erforderlich.

Um Nähr- oder Dauerhumus zu erhalten, ist die Aufbereitung des kompostierbaren Materials in einer Kompostmiete erforderlich.

Bild: Matthias Dünser

Um Nähr- oder Dauerhumus zu erhalten, ist die Aufbereitung des kompostierbaren Materials in einer Kompostmiete erforderlich.

Bild: Matthias Dünser

Landwirte aus Missen setzen auf nachhaltige Entwicklung ihres Hofs. Dabei sind sie auf finanzielle Unterstützung durch ihre Kunden und Interessierte angewiesen.
27.06.2022 | Stand: 18:04 Uhr

Helen und Matthias Dünser haben sich vor rund zwei Jahren dazu entschieden, den Milchviehbetrieb ihrer Familie zu übernehmen und diesen in einen zukunftsfähigen Permakulturhof umzugestalten. Ein wichtiger Baustein in der Weiterentwicklung dieses besonderen Hofkonzepts stellt nun der Bau eines Kompostierungsstalls dar, wo die Tiere im Winter künftig unterkommen sollen: eine Herde Dexter-Rinder und eine Herde Brauner Bergschafe.

Finanziert werden soll das Vorhaben unter anderem durch Genussrechte, denn Dünsers wollen ihren Permakulturhof gemeinsam mit ihren Kunden entwickeln. Die Landwirte setzen auf die ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung ihres Hofs im Sinne der Permakultur. Dabei dreht sich alles um den Aufbau und die Stärkung von natürlichen Vegetationskreisläufen und die Schaffung essbarer Ökosysteme.

Weidetiere als natürliche Dunglieferanten

Unverzichtbar für einen Permakulturhof sind gesunde Böden und verschiedene Nutztiere, die auf den Flächen eingesetzt werden. Nicht nur, weil sie für die Erzeugung von hochwertigem Fleisch, feiner Wurst oder Eier zuständig sind. Vor allem werden sie benötigt, weil sie als Weidetiere fressen und verdauen. Somit sind sie effiziente Landschaftspfleger und natürliche Dunglieferanten, was für den Aufbau und die Stabilisierung von natürlichen Kreisläufen unverzichtbar ist. Und je mehr unterschiedliche Tierarten auf dem Hof mitwirken, umso besser klappt es mit der ganzheitlichen Bewirtschaftung der Flächen.

Auf dem Permakulturhof Oberstixner in Missen leben Tiroler Bergschafe
Auf dem Permakulturhof Oberstixner in Missen leben Tiroler Bergschafe
Bild: Johanna Zach

Für diese besondere Form der Landwirtschaft brauche es aber einen individuellen Stall. Da es diesen aber nicht von der Stange gebe, plant die junge Landwirtsfamilie mit Unterstützung von erfahrenen Fachleuten den Stall selbst. Im ersten Planungsschritt machten sie sich Gedanken, was der Weide als natürlichem Lebensraum der Nutztier-Vorfahren am nächsten kommt. Dabei stieß Familie Dünser auf den Kompostierungsstall. In diesem können sich die Tiere in einem großen Stallraum mit tiefer Einstreu frei bewegen – ähnlich wie auf der Weide. Die Wärme, die durch den Kompostiervorgang in der Einstreu gebildet wird, empfinden die Tiere im Winter als sehr angenehm. „Die Grundlage für ein gutes Miteinander ist, die Bedürfnisse aller Mitarbeiter zu achten, auch die der tierischen. Der Kompostierungsstall ist für uns ein großer Meilenstein auf diesem Weg“, schwärmt Helen Dünser.

Rückschnitt der Hecken wird als Einstreu verwendet

Für den Betrieb eines Kompostierungsstalls wird viel Einstreugut benötigt. Deshalb wollen sie in den nächsten Jahren Hecken anlegen. Den Rückschnitt und das Material, das die Tiere nicht fressen, wird gehäckselt und als Einstreu verwendet. Durch das tägliche Durchmischen entsteht über den Winter als Nebenprodukt wertvoller Kompost. Im Frühling kommt dieser dann mit den Tieren auf die Wiesen und sorgt für den dringend benötigen Humusaufbau. Ambitioniertes Ziel von Landwirt Matthias Dünser ist es, die anfallende Wärme später auch als Heizungsunterstützung für das Wohnhaus zu nutzen.

Auch Dexter Rinder werden bei Familie Dünser gehalten.
Auch Dexter Rinder werden bei Familie Dünser gehalten.
Bild: Johanna Zach

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Dass Genussrechte viel mehr sind als reine Geldbeschaffung, erklärt Genussrechts-Expertin Petra Wähning. Sie ist Teil des Berater-Teams von „HeimatUnternehmen Allgäu“, die Familie Dünser bei der Umsetzung des Finanzierungskonzepts für den Kompoststall unterstützt. „Genussrechte ermöglichen es Privatpersonen, ihr Geld direkt in regionale Betriebe und Vorhaben zu investieren. Geld stiftet damit eine sinnerfüllte und genussvolle Beziehung zwischen Verbraucher und Erzeuger,“ erklärt die Expertin.

Der Mindest-Investitionsbetrag belaufe sich auf 500 Euro. „Wer höhere Beträge investieren möchte, kann auch mehrere Anleihen zeichnen“, sagt Wähning. Die jährliche Zinsausschüttung in Höhe von drei Prozent wird in Form eines Wertgutscheins ausgeschüttet. Mit diesem kann man auf dem Hof Waren einkaufen, ein Seminar besuchen oder seine Übernachtung in einer der Ferienwohnungen bezahlen.

Interessierte können sich am Samstag, 9. Juli, um 14 Uhr bei einer Veranstaltung auf dem Oberstixner-Hof informieren. Anmeldung per Mail unter office@oberstixner.de oder telefonisch unter 08320/9258831.

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