Hindelanger Fußball-Trainer im Ruhestand

Legende und Kultfigur: Nach 43 Jahren als Trainer beendet Fritz Blanz seine Karriere

"Er ist der beste Spieler, den der TV Hindelang jemals hatte – sportlich und charakterlich", sagt Weggefährte Martin Blanz über Fritz Blanz.

"Er ist der beste Spieler, den der TV Hindelang jemals hatte – sportlich und charakterlich", sagt Weggefährte Martin Blanz über Fritz Blanz.

Bild: Günter Jansen

"Er ist der beste Spieler, den der TV Hindelang jemals hatte – sportlich und charakterlich", sagt Weggefährte Martin Blanz über Fritz Blanz.

Bild: Günter Jansen

Die Ikone geht: Fritz Blanz (65) verabschiedet sich vom TV Hindelang. Weggefährten schwärmen vom "Besten des Vereins". Dabei wäre er fast in Würzburg gelandet.
22.07.2021 | Stand: 19:05 Uhr

Drei Generationen können nicht lügen: „Ehrlich, harmoniebedürftig, offen – ein ganz feiner Kerl.“ Das ist Fritz Blanz. Glaubt man Sebastian Gschwend (32), Christian Schöll (59) und Martin Blanz (72), ist der langjährige Spieler und jahrzehntelange Trainer des TV Hindelang „eine Legende des Clubs, das steht fest.“

Nun ist Schluss für Blanz – mit 65 Jahren, nach 43-jähriger Trainertätigkeit. „Es ist ein Abschied, den ich mir, klar, anders vorgestellt hätte“, sagt Blanz mit Blick auf die Corona-Pandemie, die seit März 2020 auch für den Hindelanger alles durcheinandergewirbelt hat. „Aber es ist an der Zeit. Und es ist gut so, wie es ist.“ Doch ist da mehr.

Kapitän Gschwend: "Fritz hat diese unglaubliche Stärke"

Einerseits die Chronik: Die ist imposant. Und die sportliche Komponente: Die spricht für sich. Aber da ist vor allem, der menschliche Faktor, der Fritz Blanz zur „besonderen Figur unseres Vereins“ macht, wie es sein langjähriger Kapitän Sebastian Gschwend beschreibt. „Fritz hat diese unglaubliche Stärke, jeden Spieler gleich zu behandeln und dabei all den unterschiedlichen Typen auf Augenhöhe zu begegnen“, sagt der 32-Jährige. Gschwend ist im selben Jahr geboren wie Blanz’ Sohn Urban, hat alle Altersklassen auch teils unter Blanz senior beim TVH durchlaufen – in den vergangenen sieben Jahren hat er als Kapitän unter Fritz Blanz gekickt.

Gerade die Zeit als verlängerter Arm des Trainers hat Gschwends Bild des perfekten Fußballlehrers geprägt. „Unabhängig vom Menschlichen war Fritz hochprofessionell, kam nie unvorbereitet, wusste Tage vorher, wie das Training aussehen wird und bereitete alles auf dem Platz eine halbe Stunde vorher vor“, erzählt Gschwend und ergänzt lachend: „Nur ein einziges Mal hat er uns im Stich gelassen.“ Im Mai 2019, am Treffpunkt vor dem Auswärtsspiel in Heiligkreuz erreichte Gschwend ein Anruf von Blanz, der auf dem Weg ins Krankenhaus war. „Er hat sich beim Abholen des Busses den Kofferraumdeckel auf den Kopf geschlagen und wurde genäht“, sagt Gschwend. „Aber 15 Minuten nach dem Anpfiff ist er schon nachgekommen. So ist er halt, der Fritz.“

"Er ist der beste Spieler, den der TV Hindelang jemals hatte – sportlich und charakterlich", sagt Weggefährte Martin Blanz über Fritz Blanz. Der langjährige Kollege stand gemeinsam mit Fritz Blanz über viele Saisons Seite an Seite auf dem Teamfoto. Fritz Blanz, hier 1980, Dritter von rechts hinten, war später lange Kapitän.
"Er ist der beste Spieler, den der TV Hindelang jemals hatte – sportlich und charakterlich", sagt Weggefährte Martin Blanz über Fritz Blanz. Der langjährige Kollege stand gemeinsam mit Fritz Blanz über viele Saisons Seite an Seite auf dem Teamfoto. Fritz Blanz, hier 1980, Dritter von rechts hinten, war später lange Kapitän.
Bild: TV Hindelang Archiv

TV Hindelang: Goldene Jahre Mitte der 1980er Jahre

Das weiß auch einer seiner ältesten Weggefährten, Martin Blanz. Der 72-Jährige, „höchstens über tausend Ecken verwandt“, kennt Fritz Blanz seit 55 Jahren, ging mit dem Hindelanger in unterschiedlichen Trainer-Spieler- und Spieler-Spieler-Konstellationen durch dick und dünn. Höhepunkt des gemeinsamen Wegs war der Aufstieg Mitte der 1980er Jahre in die damalige A-Klasse – heute vergleichbar mit der Bezirksliga. „Fritz hat einen starken Charakter, ist unheimlich gradlinig, zuvorkommend und sehr klug. Er weiß immer genau, was er sagt“, sagt Martin Blanz.

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Der scheidende Trainer war viele Jahre Kapitän des 72-Jährigen, als der wiederum sein Coach war. 1996 legten die zwei Blanzes gemeinsam die B-Lizenz ab. „Er ist vermutlich der Beste, den der Verein jemals hatte“, sagt Martin Blanz. „Denn sportlich hatten einige dieses Niveau, aber menschlich und charakterlich ist der die führende Figur im Verein.“

Dass wiederum Christian Schöll dem dank eines reichen Erfahrungsschatzes begründet zustimmen kann, liegt auf der Hand: 25 Jahre lang war der 59-Jährige Abteilungsleiter der Kicker vom TVH, zog mit Fritz Blanz in etliche Schlachten – wo es freilich auch Reibereien gab. „Natürlich sind wir auch mal aneinandergeraten – Fritz war immer sehr ehrgeizig“, sagt Schöll. Vor allem der Wechsel zum 1. FC Sonthofen, wo Fritz Blanz ab 2009 drei Jahre als Coach verbrachte, hatten das Bild der „TV-Hindelang-Kultfigur“ kurzzeitig getrübt. „Er hat gesagt, dass er nie geht, und dann war er doch weg. Aber das hat sich gelegt. Fritz legt großen Wert auf Kameradschaft und darauf, dass die Harmonie stimmt“, sagt Schöll.

Würzburger Kickers locken Fritz Blanz

Immerhin hat der 65-Jährige seinerzeit einem anderen reizvollen Lockruf widerstanden: Ende der 1970er Jahre waren die Würzburger Kickers zu Gast im Ostrachtal. Die Franken waren von Blanz’ Spielweise so angetan, dass sie den damals 23-Jährigen kurzerhand verpflichten wollten. „Das war schnell erledigt“, erinnert sich Schöll. „Es war eine Mischung aus Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit.“ Und es sollte sich als der richtige Schritt erweisen.

"Er ist der beste Spieler, den der TV Hindelang jemals hatte – sportlich und charakterlich", sagt Weggefährte Martin Blanz über Fritz Blanz.
"Er ist der beste Spieler, den der TV Hindelang jemals hatte – sportlich und charakterlich", sagt Weggefährte Martin Blanz über Fritz Blanz.
Bild: Christoph Specht

Schließlich ist Fritz Blanz heute eine Ikone in Hindelang. Der beste Spieler des Vereins. Vermutlich auch der beste Lehrer – nach 43 Jahren Trainertätigkeit. Das versichern Gschwend, Schöll und Martin Blanz. Nach seiner Rückkehr aus Sonthofen gelangen ihm mit dem TVH in drei Jahren zwei Aufstiege von der B-Klasse in die Kreisklasse. „Er ist über die Jahre ruhiger geworden und gefasster“, sagt der Gschwend. „Er hat immer alles klar angesprochen, uns aber nie gequält. Es gab nie ein Straftraining.“

Blanz beweist großes Herz bei den Flüchtlingen

Ob es Altersweisheit, späte Milde oder schlicht sein Wesen war, „sich gerne um alle mit gleicher Hingabe zu kümmern“ (Schöll): Wahre Größe hat Fritz Blanz im Winter seiner Karriere bewiesen. 2015, als ein halbes Dutzend Flüchtlinge, vorwiegend aus dem Senegal, beim TV Hindelang auftauchte. Ohne Schuhe, ohne Trainingskleidung und ohne ein Wort Deutsch zu können. Die „Ankömmlinge“ waren auf einen Schlag Teil des Teams – und vor allem willkommen. Dass Tijan Joof für den A-Klasse-Aufsteiger auf Anhieb 29 Tore in 27 Spielen schoss, ist nur eine sportliche Fußnote. Der Senegalese Omar Jammeh beweist, dass die menschliche wichtiger ist: Fritz Blanz lud den Flüchtling nach Hause ein – wohlgemerkt an dessen 22. Geburtstag. Frau Blanz backte Kuchen für Omar. „Der Coach ist wie ein Vater für mich“, sagte der Senegalese damals. „Ein Fußball-Vater und ein richtiger Vater. Das ist ein Glück für mich.“

Und so findet Fritz Blanz alsbald sein eigenes Glück. Tochter Franca wohnt in Bihlerdorf, Sohn Urban zieht mit seiner Familie nach Hindelang – die Blanzes bauen gerade den Hof dafür aus. Fritz Blanz ist zweifacher Großvater – das Leben verlagert sich. „Gesundheit, den Rest macht der schon“, auch bei den Wünschen für den Fußball-Rentner sind sich die drei Generationen einig. Und auch Omar Jammeh würde zustimmen: „Mach’s gut, Fritz.“